Sie sind hier: Vorwort » Kapitel 57 Chanvud

Wer Freunde hat braucht keine Feinde

Einer meiner wenigen Nachbarn heisst Chanvud. Er ist Direktor einer privaten Schule und somit Herr über fast eintausendzweihundert Kinder.
Er wäre eigentlich ein netter Kerl aber er ist ein furchtbares Sparschwein. Das mag daran liegen, dass er obwohl  Direktor einer Privatschule fast keine Pension hat und die Pensionierung steht ihm kurz bevor. Anders herum  ist er halt ein typischer Vertreter der Thailändischen Bevölkerung mit der Auffassung dass nehmen seliger macht denn geben.
Seine Frau heisst Lek. Auf Deutsch übersetzt soviel wie "wenig". Sie ist auch nur eine halbe Portion, klein, zierlich und ein bisschen scheu. Sie leitet die Kinderkrippe welche in der Privatschule integriert ist und trägt somit auch etwas zum Familieneinkommen bei. Sie kann, im Gegensatz zu meiner Frau, nicht kochen und kulinarische Höhenflüge sind in dieser Familie eher selten. Das ist weiter aber kein Problem, denn das Mittagessen findet in der Schulkantine statt. Das ist insofern praktisch weil so die Kosten von der Schule beglichen werden und da auch seine beiden Söhne nun neuerdings  in der Schule arbeiten bringt das wesentliche Ersparnisse mit sich und ist somit eine verdeckte Form der hier weit verbreiteten Korruption. Auch der Hausmüll wird in der Schule entsorgt, so spart er die Gebühr für die Kehrichtabfuhr.  Auch der arme Labrador bekommt die Reste von der Kantine zu fressen. Und wenn ich sehe was der Labrador zu fressen bekommt beneide ich ihn nicht. Anständiges Hundefutter scheint in diese Familie ein Fremdwort zu sein. Es ist halt nicht umsonst.
Die Tochter, ein überaus hübsches Mädchen, hat sich nach Bangkok abgesetzt und arbeitet für die Christ Church, der die ganze Familie angehört. Chanvud ist ein frommer Mann, aber nur wenn es nichts kostet und er scheut sich auch nicht seine Glaubensbrüder auszunehmen, wenn es denn gerade passt.
Vor zwei Jahren baute sich Chanvud ein Haus. Das war insofern praktisch weil er nur das Baumaterial kaufen musste. Denn einen grossen Teil des Hauses bauten seine Arbeiter welche in seiner Schule angestellt waren. Wer was bezahlt hat weiss man eigentlich nicht so genau aber wie heisst es doch so schön.......wo kein Kläger ist ist kein Richter.
Seit diesem Hausbau fühlt sich Chanvud als grosser Architekt und für höheres berufen. Gott sei es geklagt.
Vor sechs Monaten begab es sich nun, dass ein neuer Glaubensbruder in der Kirche Einzug hielt. Ein nettes Ehepaar aus Hamburg aber der Mann ist, wie mir scheint, zu gutmütig und zu leichtgläubig. Es dauerte auch nicht lange, da verspürten die Leute den Wunsch ein Haus zu besitzen. Chanvud  offerierte ihnen das Problem mit seiner famosen Bautruppe zu lösen. Chanvud nannte einen Pauschalpreis. Nicht besonders teuer aber auch nicht besonders Preiswert. Das Grundstück war schnell gefunden, direkt neben einem Sendemast der Telecom. Der Neubau zog sich hin da die Handwerker ja nur sporadisch arbeiten konnten. Nun ,letzte Woche war das Dach gedeckt. Udo, so heisst der Hamburger , hat meinen Freund Rolf gefragt ob man bei seinem Dach auch von innen nach aussen schauen kann was dieser vehement verneinte.
Anderntags besichtigte Udo das Dach von Rolf und meinte Sein Dach sähe ganz anders aus. Der Rede kurzer Sinn, das ganze Dach musste wieder abgedeckt werden weil die Ziegel aus Sparsamkeit zu weit auseinander montiert waren. Man sah so auch gleich weitere Bausünden. Die Stahlkonstruktion des Dachs hing durch wie eine Hängematte. Chanvud hatte eben auch bei den Stahlträgern gespart und so ist es wohl nur eine Frage der Zeit sein bis das Dach zusammenbrechen wird. Soviel zum  Architekten Chanvud.
Aber er ist schon hilfsbereit mein Nachbar Chanvud. wenigstens solange es ihn nichts kostet. Er versucht immer vor den Leuten gut dazustehen und prahlt mit seinen Beziehungen. Er kennt natürlich  schon viele Leute dank seiner Schule aber wenn man wirklich etwas braucht ist es mit seinen Beziehungen auch nicht weit her. Ich habe inzwischen gelernt mir nach Möglichkeit selbst zu helfen.
Letzte Woche hatte ich seine Hilfe wieder in Anspruch genommen. Für meinen Wein benötigte ich fünfhundert Kilo Ananas und hatte Schwirigkeiten auf die Schnelle einen Lieferanten zu finden, also machte ich den Fehler und fragte Chanvud. Er meinte, dass ein Freund von ihm, auch ein Lehrer seiner Schule eine grosse Ananasfarm habe am Fuss der nahe gelegenen Berge. Ich hatte die Farm früher schon einmal vor zwei Jahren gesehen und war sehr angetan davon. Gutgläubig wie alle Idioten bestellte ich also fünfhundert Kilo Ananas. Zwei Tage später kamen auch prompt drei Damen mit einem Pickup und brachten mir die Früchte. Ich fand die Farbe schon ein bisschen grün aber es gibt ja auch hier verschiedenste Sorten. Gemeinsam luden wir die Früchte ab, ich bezahlte und die Frauen machten sich mit meinem Geld zügig von dannen. Meine drei Arbeiter schälten, hackten und mixten die Früchte, dann gings ab in meine neue hydraulische Presse. Nach den ersten hundert Kilogramm stoppten wir. Der Saft hatte eine grünliche Farbe an Stelle einer gelben und roch mehr nach nassem Gras denn nach Ananas. Die Ananas stammten nicht vom Fuss der Berge wie einer meiner Arbeiter herausfand. Sie waren unreif und die Schweinebacke Chanvud hatte mir die lausigste Fabrikqualität vermittelt, für meinen Wein nicht brauchbar.
Der Rede Kurzer Sinn, die Ananas wurden Kuhfutter, dreihundert Liter Saft konnten wir wegwerfen und eine grosse Menge Zucker war auch beim Teufel. Alles in allem ein beträchtlicher Schaden.
In meiner Not rief ich meinen Freund Doi an der mein Fabriklein gebaut hatte und klagte ihm mein Leid. Es dauerte keine zwei Stunden und er brachte mir fünfhundert Kilo Ananas, goldgelb, vom Feinsten. Gut, sie waren fünfzig Prozent teurer als der Schrott von vorher. Sie hatten aber zweiundfünfzig Gramm Zucker pro Liter Saft anstelle von dreissig und ein feines Aroma. So gesehen waren sie eben doch nicht teuer.
Nun blubbert der Saft in den beiden Gärtanks vor sich hin. Mal schauen wie der Wein wird.

Dies alles hat mich gelehrt sehr vorsichtig zu sein wenn ich mit Thais Geschäfte mache. Wenn man nicht aufpasst kann man eigentlich nur verlieren.