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 Tutseli zwei

Unser Leo ist ein Superhund aber manchmal denke ich dass der arme Husky eine Spielgefährtin braucht. Ich bitte also Peppermint, meine Stieftochter, in Bangkok nach einem rassereinen Thaihündchen Ausschau zu halten.
Es dauert auch wirklich nicht lange bis Peppermint eine Zucht gefunden hat und ich bestelle mir ein Thaihündchen mit der Bitte, es im Spital gleich zu sterilisieren. Auf Nachwuchs bin ich nicht erpicht und ich will auch keine jungen Hündchen verschenken, denn ich weiss wie die Thais mit Tieren umgehen. Früher oder später landen sie auf der Strasse oder in Korea im Kochtopf.
Zwei Wochen später taucht Mint per Auto wie schon gehabt mit einem Freund auf und zu meiner Freude befindet sich im Kofferraum eine Hundebox mit einem allerliebsten Thaihündchen drin.
Nun habe ich aber ein Problem, denn das Thaihündchen will seine Boxe um keinen Preis der Welt verlassen da es sich darin scheinbar sicher fühlt. Ich drehe und wende die Box also bis das Fellbündel herausfällt auf die vorbereitete Decke am Boden. Das Hündchen scheint mir total eingeschüchtert und verängstigt zu sein. Ich vermute dass es in der Zucht schlecht behandelt wurde oder dass man ihm nach der Operation nicht genügend Schmerzmittel gegeben hat.
Vorsichtig nehme ich das Hündchen auf den Arm, streichle es ein bisschen und merke, dass es Angst hat. Hol's der Teufel kommt gerade mein Nachbar Chanvud daher und will den Hund auch bewundern. Ich sage ihm noch, er darf den Hund nicht anfassen weil er Angst hat, da streckt der Blödmann schon seinen Arm aus. Nun geht alles blitzschnell. Ich merke wie das Hündchen alle seine Muskeln spannt um zu fliehen. Fliehen kann es aber nicht da ihm mein Arm den Fluchtweg versperrt. Also rammt es seine messerscharfen Zähne in meinen Unterarm so dass mir das Blut vom Arm herunterläuft. Ich stelle das Hundchen vorsichtig auf den Boden und bedanke mich beim Nachbarn. Gegen Tetanus bin ich ja geimpft also reinige ich die Bissstellen mit Desinfektionsmittel, gebe noch Antibiotikasalbe drauf und klebe die zwei Löcher mit einem Pflaster zu.
Sie ist aber trotzdem ein schöner Hund , auch wenn sie mich zur Begrüssung gleich gebissen hat. Hat freundliche Augen, ein Fell wie feiner Samt und manchmal Falten im Gesicht wie eine neunzigjährige Grossmutter was sie sehr misstrauisch erscheinen lässt.

Meine Familie quartiert das neue Familienmitglied in unserem Wohnzimmer ein. Zuerst kommt eine grosse Plastikplane auf den Boden, darauf die Einzäunung und zuletzt eine weiche Decke. Wir haben lange um einen Namen gestritten. Meine Familie hat das Weibchen Oliv getauft, ich nenne sie wieder Tutseli im Andenken an ihre Vorgängerin. Der Hund gedeiht prächtig, er frisst und scheisst ins Wohnzimmer wie ein Grosser. Nach einiger Zeit überlege  ich wie ich den Hund stubenrein machen kann. Die Lösung war eigentlich ganz einfach. An das Wohnzimmer grenzt mein grosses Büro und da gibt es eine Türe welche direkt in den Garten führt. Also lassen wir die Türe wieder mal einen Spalt offen und siehe da ...... von nun an pilgert das Hundchen immer in den Garten um seine Notdurft zu verrichten und das Problem ist gelöst.

Unser Husky Leo gewöhnt sich sehr schnell an seine neue Freundin und bald sind die beiden ein Herz und eine Seele.

Tutseli wuchs zu einer schönen Thaihündin heran und ihr wurde das Revier trotz unseres grossen Anwesens scheinbar zu klein für ihre Ausflüge. Ich staunte nicht schlecht als ich eines Tages Tutseli ausserhalb  unseres Gartentors herumspazieren sah. Was war passiert? Tutseli, inzwischen mit reichlichen Muskeln versehen hatte herausgefunden, dass sie nur über die Gartenmauer springen musste um die grosse Freiheit zu geniessen. Die Gartenmauer war fast zwei Meter hoch und der Sprung war eine beachtliche Leistung. Eine Weile ging das gut mit ihren Ausflügen doch ihren neuen Freunden welche sie traf blieb das leider nicht verborgen und ihnen brachte sie leider auch bei wie man über die Mauer springen kann. Einige davon waren gute Schüler, zu meinem Leidwesen. Von nun an hatten wir immer Zaungäste zu Hause, zum Leidwesen meiner Frau. Auch mir wurde die Invasion langsam zu viel denn ich konnte ja nicht nur meine zwei Hunde füttern und den andern nichts abgeben.

Ich überlegte hin und her wie ich die Invasion stoppen könnte und fand eine probate Lösung. Bei einem Internetshop bestellte ich einen grossen elektrischen Viehüter in Amerika. Extra geeignet um grosse Bullen in Schach zu halten. Das Gerät wurde mit Solarstrom versorgt. Es war ideal für unser sonniges Klima hier. Also kaufte ich das Gerät. Es dauerte ein Weilchen bis der Schocker bei mir eintraf aber dann montierte ich ihn schnell. Ich spannte einen Draht fünf Zentimeter über der Mauer, rings um das Anwesen. Es waren fast vierhundert Meter. Nach getaner Arbeit nahm ich einen Besen, öffnete das Gartentor und ging auf Hundejagt. Nachdem ich erfolgreich alle fremden Hunde vertrieben hatte schloss ich das Tor wieder und schaltete meine neu erworbene Höllenmaschine ein. Tick, tick, tick machte es in ihrem Bauch im Sekundentakt.

Es dämmerte schon das hörte ich ein lautes Geheul und gejaule. Der erste Hund war an meiner neuen Schranke gescheitert. Ich wanderte zur Gartenmauer und schaute hinüber ins Niemandsland. Ich sah, wie sieh gerade der grosse Labrador meines Nachbarn anstellte die Mauer zu überwinden. Der Labrado war mächtig und wog sicher so gegen vierzig Kilo. Er setzte gerade zum Sprung auf die Mauer an aber das ging diesmal schief. Kaum berührte er mit den Vorderpfoten die obere Kante der Mauer um sich abzustützen traf ihn ein ungefährlicher aber gewaltiger Stromschlag. Mit einem lauten Schrei flog er etwa drei Meter durch die Luft und landete wider dort wo er sein illegales Unternehmen begonnen hatte.

Von nun an hatte ich wieder zwei Hunde im Garten und so ist es auch bis heute geblieben.