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 Leo

Wir haben jetzt einen Hund. Eigentlich hat uns meine Stieftochter Peppermint den Hund aufs Auge gedrückt. Ich habe mal dummerweise verlauten lassen, dass ich gerne einen Hund hätte und zwar einen kurzhaarigen Thaihund, etwa so gross wie ein Appenzeller aber kräftig, mit runzligem Gesicht und muskulös, eben ein guter Wächter fürs Haus.
Prompt hat kurz darauf Peppermint angerufen und uns mitgeteilt, ein Freund von ihr züchte rassenreine Hunde und würde ihr einen schenken. Ob sie ihn wohl nehmen sollte? Ich habe mit meiner Frau darauf eine heftige Diskussion geführt welche ich natürlich verloren habe. Also haben wir Peppermint mitgeteilt sie solle das Tierchen mal mitbringen und vorzeigen.
Am darauffolgenden Samstag kam sie also mit ihrem Freund und dem Hundchen von Bangkok angerauscht. Was da aus dem Auto sprang liess mich vor Schreck erstarren. Ein Staubwedel mit vier Beinchen kam zum Vorschein, nur Pelz sonst nichts ausser zwei wunderschönen klugen blauen Augen. Ich wollte den Hund nicht haben. Ich konnte mich aber von dem kleinen Husky nicht mehr trennen. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Da das Hundchen scheinbar zu wam hatte und ich ein grosses Büro mit Klimaanlage besitze haben wir beide vereinbart, dass wir uns das Büro in Zukunft teilen werden. Der Hund war einverstanden und pinkelte vor lauter Freude gleich auf meinen Büroboden. Das konnte ja heiter werden.

Die ersten Wochen waren kein zuckerlecken. Er kackte und pisste auf den Boden und zwar überall wo ihn seine kurzen Beinchen hintrugen. Ich wusste gar nicht wie so ein kleiner Hund so viele Pfützen herstellen konnte. Als er wieder einmal rumorte in der Nacht wurde mir plötzlich klar, dass der Hund vielleicht auf den Boden machte weil er das Haus ja gar nicht verlassen konnte. Ich liess ihm also die Türe zum Garten einen Spalt weit offen so dass er hinausschlüpfen konnte und siehe da.....von diesem Moment an war unser Hundchen stubenrein.

 Ich merkte bald, dass so ein Hund eine Lebensaufgabe ist. Ich hätte den Hund zwar wieder zurückgeben können aber allein bei dem Gedanken dass der Hund sich irgendwo in Bangkok zu Tode schwitzen muss liess mich diese Idee sofort begraben. Von nun an liess ich für Leo Tag und Nacht die Klimaanlage laufen und kaufte ihm noch einen grossen Ventilator welcher nun ebenfalls rund um die Uhr läuft. Auch mit dem Futter hat er so seine Eigenheiten. Frass er doch anfangs brav das teure Trockenfutter wollte er dieses aber bald nicht mehr fressen. Jeden Morgen steht er am Teich und wartet, bis ich ihm seine zwei oder drei Fische gefangen habe, dann geht er wieder schlafen und freut sich wahrscheinlich schon auf sein Mittagessen. Das kleine Hundchen nahm beängstigend an Grösse zu und zwar jede Woche ein Kilogramm. Der Hund frisst, ich übertreibe nicht, wie ein Scheunendrescher. Im Moment sind Hühner in allen Varianten angesagt. Dass Leo auch ein Jagdhund ist haben wir bald erfahren. Er ist schon blitzschnell auf den Beinen und rennt wie eine Rakete durch den Garten. Nachdem er nun alle unsere neun Hühner gefressen hat, hat er auch noch eine meiner beiden schönen Enten erlegt, dieser Mörder. Es hat aber auch seine Vorteile. Ich muss nun nicht mehr jeden Tag Hühner und Enten füttern. Die letzte Ente hat sich über die Mauer zum Nachbarn geflüchtet und lebt jetzt im Exil. Besser gesagt lebte im Exil. Der Nachbar, es war wohl gut gemeint, trieb mit dem Besen die Ente zurück in meinen grossen Garten. Aber bevor sie es schaffte meinen Teich zu erreichen hatte sie Leo schon gefangen. Alles Schreien meiner Frau nützte nichts, die Ente war tot.

Leo hatte eigentlich bis jetzt ein gutes Leben.......eben bis zu jenem verhängnisvollen Abend. Inzwischen hatte sich Leo eine Freundin zugelegt in Form eines kleinen verlausten schwarzen Labradorweibchens. Der Hund gehörte einem Nachbarn der Farmer war. Es war ein scheues Hundchen welches manchmal an meinem Gartentor vorbei lief. Ich begann, ihn zu füttern und so ergab es sich, dass er meistens abends so um sechs Uhr vor dem Tor sass und auf Essen wartete. Am Anfang war er furchtbar scheu und er liess sich nicht anfassen. Ich kaufte gutes Hundefutter und auch vom Mittagstisch viel immer etwas ab. Alles was Leo, auch Löbi genannt, nicht fressen wollte verschlang Tutseli, wie wir die Dame nun nannten, mit Heishunger. Der Hund wurde immer zahmer und endlich getraute er sich in unseren grossen Garten wo ihn Löbi, gemeint ist Leo, erwartete. Von nun an spielten die beiden Hunde den ganzen Tag miteinander oder lagen einfach  zusammen faul herum, irgendwo im Schatten. Nachts schläft Tutseli vor der Eingangstüre und Löbi vor der Bürotüre. So ist unser Haus bestens bewacht.

Tutseli war am Anfang ganz schön futterneidig. Als armer Farmerhund war sie es gewohnt ums Futter zu kämpfen und so biss sie ein paar mal Leo ganz tüchtig ins Fell als er an ihren Futternapf, den sie inzwischen von mir bekommen hatte, wollte. Inzwischen sind die beiden Hunde aber unzertrennliche Freunde geworden und Leo bringt seiner Freundin sogar ab und zu seinen Lieblingsknochen welchen sie dann abnagen darf.

Abends geht Tusseli manchmal wieder nach Hause und erscheint am Morgen wieder und Löbi erwartet sie schon sehnsüchtig am Gartentor. Manchmal schläft Löbi sogar am Gartentor damit er seine Freundin ja nicht verpasst, sollte sie denn wieder kommen.

Wir lassen unseren Hund nie aus dem Garten da dies bei den vielen wilden Hunden hier zu gefährlich ist. Obwohl Löbi unheimlich stark geworden ist inzwischen, würde er wohl nie beissen denn er musste sich nie wehren bis jetzt.

                   Eines Abends als wir Besuch hatten muss Löbi wohl unbemerkt mit dem Besuch im Windschatten des Autos durch das grosse Gartentor gewischt sein. Auf jeden Fall hörte ich um Mitternacht einen Riesenlärm und ein Geheul von Löbi. Ich sprang aus meinem Bett und rannte dem Geheul nach welches aussen vom Gartentor kam. Was ich sah liess das Blut in meinen Adern gefrieren. Der kleine Löbi kämpfte mit einem riesigen schwarzen Rottweiler welcher auch einem Farmer gehörte. Der Rottweiler hätte Löbi wohl umgebracht wenn ich nicht mit ein paar grossen Steinen eingegriffen und das Vieh in die Flucht geschlagen hätte. Das Hundchen sah zum erbarmen aus. Löbi blutete an vielen Stellen und konnte nur noch auf drei beinen gehen. Mir kamen die Tränen. Ich trug Löbi ins Haus und bettete ihn auf eine weiche Decke. Bei jeder Bewegung jaulte Leo er weil er wohl arge Schmerzen hatte. Am Morgen darauf fuhren wir mit dem Hund zum Tierarzt welcher ihn so gut es ging zusammenflickte. Löbi wurde seines Fells beraubt so dass er nur noch am Kopf lange Haare hatte. Sonst war er total kahl geschoren. Ein Husky ohne Fell sieht aus wie ein Hund von einem anderen Stern. Trotz aller Tragik hielten wir uns die Bäuche vor Lachen und ich glaube, Löbi schämte sich so nackt herum zu laufen.

Der Hund war übel zugerichtet und nur knapp am Tod vorbei gegangen. Er hatte tiefe Bisswunden und das Mistvieh von einem Rottweiler hat ihn fast umgebracht.

                   Es war wirklich ein übler Bursche der riesige Rottweiler. Es ist noch keine Woche her da habe ich gesehen wie der Rottweiler die Katze der Nachbarin umgebracht hat. Er hat sie mit seinem riesigen Kiefer gepackt, hin und her geschüttelt, ein paar mal hoch in die Luft geworfen und tot war sie. Der Rottweiler war eine richtige Killermaschine.

Unsere Gärtnerin hat Leo fast eine Woche lang rund um die Uhr gepflegt. Sie hat die Wunden gesäubert und ihn alle Tage frisch verbunden. Löbi hat es mit viel Glück überlebt. Zurück geblieben sind ein paar kahle Stellen im Fell wo die Bisslöcher waren und ein paar Narben aber er ist immer noch der schönste aller Hunde.

Inzwischen habe ich auch herausgefunden warum es zu der Attacke gekommen ist. Tutseli, der schöne Labrador war die Freundin des Rottweilers und da Tutseli nun meistens bei uns lebte war er wohl mächtig sauer dass ihm Löbi die Freundin ausgespannt hatte.

Mit dem Rottweiler hat es ein schlimmes Ende gegeben. Vor einer Woche lag er tot auf meiner Zufahrt. Jemand hatte ihn vergiftet. Eine ganzs Rudel von Hunden ist verschwunden, wohl alle vergiftet. Leider ist auch Tutseli verschwunden und jetzt, nach ein paar Wochen, haben wir keine Hoffnung mehr dass sie wieder auftaucht. Nächte lang hat Löbi vor dem Tor geschlafen um auf seine Freundin zu warten. Mir fehlt das Hundchen auch, denn ich muss Leo nun eine neue Freundin suchen und das ist nicht so einfach. Leo hat wochenlang fast nichts mehr gefressen aus Liebeskummer. Er wird immer menschlicher.

Die herumstreunenden Hunde haben den Crevetten-Farmern das Futter geklaut und so hat ein Gift unter das Futter gemischt und wahllos Hunde vergiftet. Die Polizei hat den Fall zwar untersucht aber wie bei uns üblich und gewohnt, nichts gefunden. Um so mehr Grund Löbi nicht mehr frei herumlaufen zu lassen.

So um sechs Uhr abends hat Leo meistens Hunger. Dann trabt er in die Küche und macht wuuuuu wuuuuu......, man könnte sagen, er fragt nach Essen im Klartext. Bellen kann er nicht, aber knurren und heulen wie ein Wolf.

Gestern hat ihm meine Frau drei grosse Hühnerbeine gegeben die er auch postwendend aufgefressen hat. Da er scheinbar noch Hunger hatte, hat er noch ein Hühnerbein gebettelt welches er auch bekam. Mit dem Bein ist er dann abgehauen um es, wie so oft, draussen zu fressen. Nach zehn Minuten kommt der Strolch wieder und bettelt weiter. Nein Löbi, sagt meine Frau. Du hast eine dreckige Schnauze und dreckige Pfoten, du hast das Bein nicht gefressen sondern vergraben. Also zieht der Hund unverrichteter Dinge wieder von dannen.

Wir staunen nicht schlecht als Löbi nach fünf Minuten wieder kommt und bettelt. Aber diesmal mit sauberer Schnauze und sauberen Pfoten. Hat doch der Gauner draussen im grossen Wasserbecken Schnauze und Pfoten sauber gewaschen in der Hoffnung wir würden auf den Trick hereinfallen.

Meine Frau muss lachen. Löbi ist wirklich ein schlauer, man kann sagen ein intelligenter Hund und er bekommt nochmals ein Hühnerbein. Leo ist inzwischen die Attraktion in unserem Haus. Sanftmütig, mit riesigen Pfoten und seinen blauen Augen zieht er die meisten Besucher und vor allem die Besucherinnen in seinen Bann.