Wir gehen unter die Weinproduzenten

Eigentlich bin ich ja pensioniert aber nichts tun liegt mir gar nicht. Unser neues Haus in Thailand ist nun fast fertig. Mit meinem geliebten Laden in der Schweiz habe ich nicht mehr viel zu tun und so kommt mir der Streik der Ananasfarmer wie gerufen. Sie kippen ihre Ananasernte, hier Zapperlot genannt, lastwagenweise auf die Autobahn weil sie ihre Früchte nicht mehr verkaufen können und meinen, der Staat müsste ihnen helfen. Es gibt einfach deren zu viele da sie ja alle fast zur gleichen Zeit reif werden. Die Farmer tun mir leid und ich überlege mir, wie man ihnen helfen könnte. Der Staat denkt nicht im Schlaf daran den Farmern zu helfen, denn diese haben weder eine Lobby noch eine Gewerkschaft und so werden sie halt wie schon eh und je allein im Regen oder besser gesagt in der Sonne stehen gelassen.

 

Ananassaft kommt nicht in Frage, das machen schon zu viele. Ebenso als Scheiben in Dosen und als Trockenfrüchte gibt es sie auch schon im Überfluss, denn nicht nur Thailand produziert Ananas. Aber Ananas enthalten ja Zucker und das nicht zu knapp. Da schaltet mein Gehirn gleich auf Alkohol. Ich habe zwar früher als Jüngling illegal Apfelschnaps gebrannt aber von Ananas habe ich trotzdem keine grosse Ahnung. Also mache ich mich im Internet zuerst einmal schlau.

Wieder zurück und in der Schweiz angekommen surfe ich im Internet und finde auch eine Lohnbrennerei im Oberbaselbiet. Ich rufe bei der Brennerei an und vereinbare einen Termin mit dem Besitzer. Der Inhaber der Brennerei ist ein freundlicher Mann und zugleich auch Bauer. Voller Stolz zeigt er mir die ganze Brennerei und erklärt mir viel. So komme ich schnell auf mein eigentliches Anliegen, den Ananasschnaps, zu sprechen. Er meint, er hätte schon Ananas gebrannt aber der Brandy sei nicht aromatisch denn die Säure der Ananas würde mit dem Kupfer des Brenngeschirrs reagieren und das Aroma verderben. Nachdem ich noch einige Proben seiner Brennkunst genossen hatte, bat ich mein Auto, es soll mich doch bitte wieder nach Hause fahren und möglichst auf der rechten Strassenseite bleiben.

Ich überlegte mir also wieder wie ich das Problem lösen könnte und hatte auch bald eine Erleuchtung. Warum denn ein Brenngeschirr aus Kupfer? Das ist doch nur noch Nostalgie. Schliesslich hatten sie mich bei der Sandoz aus dem Lehrlabor geworfen, aber nicht ohne mir vorher das Destillieren beigebracht zu haben.

Ich fuhr also andern Tags zum Glasbläser ins benachbarte Dorf nach Muttenz. Der Glasbläser, ein älterer Herr mit Brille, schaute mich zwar ein bisschen schräg an als ich ihm darlegte was ich gerne hätte. Natürlich nicht ohne meinerseits zu bemerken, es müsse nicht unbedingt sehr teuer werden, denn jeden Preis wollte ich auch nicht bezahlen nur um einen Versuch zu machen. Er machte aber schlussendlich gute Mine zum bösen Spiel und schleppte mich in sein Glaslager wo unter anderem die Ladenhüter lagerten.

Es war für mich ein erhabener Anblick all das schöne Laborglas anzuschauen. Mir lief gleich das Wasser im Mund zusammen als ich mir in Gedanken vorstellte was man alles damit machen könnte. Er griff nach einem Zwanzigliter -Destillierkolben und sah mich fragend an. Ich nickte nur und fragte nach dem Preis denn ich wusste von früher was Laborglas kostet. Er nannte mir einen sehr humanen Preis und ich nickte abermals. Ein Destillieraufsatz und ein Liebigkühler folgten, dann noch die Schliffverbindungen und einen passenden Thermometer.

Umsonst bekam ich noch einen Sack voll Glasfüllkörper für den Destillieraufsatz und so bezahlte ich meine Ware und verabschiedete mich von dem freundlichen Mann. Der Einkauf war nicht gerade gratis, aber es war ein sehr humaner Preis, das muss ich schon sagen.

Zu Hause angekommen rief ich meine Frau per Internet an welche noch in Thailand residierte und bestellte zwanzig Kilo Ananas von Prachuap per Flugzeug. Ich wusste, dass das sehr teuer wird und bezahlte dreihundert Franken für Ananas und Transport. Ich wollte das Experiment aber unbedingt mit den Originalfrüchten durchführen. Zwei Wochen später trafen diese auch ein, schön frisch und duftend nach Ananas. Ich schälte die Ananas, entfernte die Augen und mixte das Fruchtfleisch im Mixer.

Dann kam alles in ein Fässchen und noch ein Kilogramm Zucker dazu und die Hefe. Ich verschloss das Plastikfässchen luftdicht, bohrte oben ein grosses Loch in den Deckel und steckte den Gärspund mit der Sperrflüssigkeit gut hinein so dass alles luftdicht abgeschlossen war. Nun hiess es abzuwarten. Schon nach drei Stunden fing es im Gärspund an zu blubbern und das verhiess Erfolg. Das blubbern hörte erst nach einer guten Woche auf. Die Hefe hatte ihre Arbeit getan. Ich öffnete mal kurz den Deckel und eine Schwade von Alkoholduft waberte mir entgegen. Schnell verschloss ich das Fässchen wieder damit ja nichts verloren ging.

In der darauffolgenden Woche baute ich meine Glassachen zusammen wie ich es im Lehrlabor gelernt hatte. Auf einem Tisch in der Waschküche platzierte ich die Induktionsheizplatte welche mir mein Sohn geliehen hatte und darauf stellte ich einen riesigen Spaghettitopf den ich zu drei viertel mit Wasser füllte. In dem Wasserbad fixierte ich meinen Destillierkolben welchen ich zuvor mit zehn Liter von dem vergorenen Zeug aus dem Fässchen füllte. Auf den Kolben kam nun der Destillieraufsatz welchen ich mit Glaskörpern zur besseren Trennung des Destillats füllte. Obendrauf drohnte der Thermometer, dann gings wieder bergab mit dem Liebigkühler. Zwei lange Plastikschläuche versorgten den Kühler mit Kühlwasser. Ich war startbereit, holte mir einen Stuhl und wartete der Dinge die da kommen sollten. Die Heizung stellte ich auf neunzig Grad. Ich schaltete die Heizung ein und fing ganz langsam an die Suppe aufzuheizen. Ich beobachtete den Thermometer, es passierte lange nichts. Doch plötzlich fing das Gebräu an zu köcheln, der Thermometer stieg sehr langsam und bei achtundsiebzig Grad verflüssigte sich der aufsteigende Dampf im Kühler und ein kleines Rinnsal floss von seinem Ende in meine Glasvorlage. Ich hielt meinen Finger vorsichtig in das Rinnsal und leckte ihn schnell ab. Ein feiner, leicht nach Ananas duftender Brandy-Geschmack verbreitete sich auf meiner Zunge. Nichts von Kupfergeschmack. Das Experiment war also gelungen und ich destillierte auch die zweiten zehn Liter. Ich bekam etwas mehr als zwei Liter Brandy. Nach Beendigung dieser Arbeit leerte ich den Kolben und reinigte ihn. Ich füllte nun meine zweieinhalb Liter Brandy in den Kolben und destillierte das Ganze noch einmal ganz langsam. Am Ende hatte ich einen sechzig prozentigen Ananasschnaps der Spitzenklasse. Ich verdünnte das ganze mit destilliertem Wasser auf zweiundvierzig Prozent und das ergab fast drei Flaschen Brandy. Es wollten so viele Bekannte und Freunde meinen Brandy versuchen, dass die drei Flaschen bald leer waren. Ich verpackte die ganze Apparatur in zwei Schachteln und schenkte diese meinem Sohn welcher auch gerne experimentiert.