Die Kobra im Garten

Eigentlich wollte ich ja nur meine Karpfen füttern an diesem schönen Abend. Als ich aber so am Rande meines Fischteichs stand sah ich so aus den Augenwinkeln eine Bewegung hinter mir am Boden und als ich genauer hinsah, entpuppte sich die Bewegung als schwarze Schlange von etwa einem halben Meter Länge. Da ich dachte, es handle sich um eine harmlose junge Rattenschlange von denen es hier viele gibt ging ich näher heran um meinen Besuch zu begrüssen. Wenn man näher tritt verschwinden sie meistens von selber. Als ich jedoch bis auf einen halben Meter herangekommen war, stellte sich die vermeintliche Rattenschlange auf, bekam einen sehr dicken Kopf und zischte mich an. Sofort war mir klar dass ich dass ich eine schwarze Kobra vor mir hatte. Ich trat schnell ein bisschen zurück, denn ich wollte das agressive Tierchen nicht reizen. Ich rief zwei Arbeiter welche die Kobra sofort totschlagen wollten, was ich aber vehement zu verhindern wusste. Mit vereinten Kräften spedierten wir die Kobra über die Gartenmauer ins angrenzende Niemandsland und wir waren wohl beide zufrieden, die Kobra und ich, dass die Sache glimpflich ausgegangen war. Thailand ist eines der Länder mit den meisten Kobras. Man bekommt sie aber selten zu Gesicht denn sie sind scheu und verstecken sich wenn es eine Möglichkeit gibt. Nur beim Arbeiten im Garten oder bei sonstigen Arbeiten am Boden und in Gebüschen ist man gut beraten wenn man Handschuhe trägt.

Nun, ich habe hier auf meinem Grundstück ab und zu Besuch von vielen anderen Tieren.

Da gibt es eimal die grasgrünen Baumschlangen welche in den Kronen der Bäume zu Hause sind und nur herunterkommen, wenn sie einen fetten Frosch sehen oder sonst etwas in passender Grösse das sich verspeisen lässt. Es sind unheimlich gute Kletterer und extrem schnell. Sie können einen Vogel im Flug packen wenn er ihnen zu nahe kommt. Auch Vogelnester räumen sie gerne aus. Sie beissen wie alle Schlangen, wenn man ihnen zu nahe kommt, sind aber ungefährlich wie die meisten Schlangen hier. Wenn sie vom Baum herunter wollen klettern sie nicht herunter. Sie strecken sich in ihrer vollen Länge und lassen sich herunter fallen. So sparen sie Energie und es sieht schon speziell aus wenn eine lange dünne Schlange durch die Luft segelt. Dann gibt es eben wie gesagt noch die Rattenschlange welche ich schon mit über 2 Metern Länge in meinem Garten hatte. Auch sie sind sehr scheu und flüchten immer wenn sie können. Sie sind auch ungefährlich und fressen Ratten und Mäuse. Auch sie beissen nur wenn man sie in die Enge treibt. Leider bringen die Thais alle Schlangen um denen sie habhaft werden. Teils aus Angst, manchmal aber auch zum Kochen und grillen. Eine Vogelspinne habe ich auch schon gefunden in meiner Werkstatt aber sie hat sofort die Flucht vor mir ergriffen. Ich habe mir jetzt eine Schlangenzange gekauft. Das ist Aluminiumrohr mit einem Greifer vorne und hinten ein Handgriff um den Greifer wie eine Zange zu handhaben. Damit kann ich nun Schlangen bis zwei Meter Länge zügeln ohne dass sie mich beissen können.

Weniger gemütlich sind die Hundertfüssler oder Scolopender welche es hier gibt. Die Tierchen können bis zu zwanzig Zentimeter lang werden und ihr Biss ist sehr schmerzhaft und kann tagelange Lähmungen verursachen und nicht selten ist ein Aufenthalt im Krankenhaus angesagt. Sie hausen gerne unter feuchten Steinen oder auch Lappen. Die Tierchen sind durchaus kampflustig. Man hat hier schon Scolopender gesehen welche Kobras getötet und angefressen haben.

Weiter habe ich im Garten verschiedene Sorten von Ameisen gesichtet und davon sind nicht die grössten die schlimmsten. Ich bin scheinbar mit meinen Sandalen einmal auf die Behausung von kleinen roten Ameisen gestanden. Im Nu sind ein paar davon auf meinen Fuss gekrabbelt und es hat gebrannt wie Feuer. Die Brandblasen hat man zwei Tage später noch gesehen. Es hat auch grosse rote Ameisen. Das sind meine Lieblingsfeinde. Sie hausen etwa nicht am Boden, nein, sie bauen grosse Nester auf Büschen und Bäumen indem sie grosse Blätter zusammenbiegen und verkleben bis sie einen grossen Hohlraum haben. Darin wohnen sie. Inzwischen habe ich gelernt dass ich beim Heckenschneiden höllisch aufpassen muss und immer Ausschau nach ihren Behausungen halte.

Leider hat sich im Lauf der Zeit herausgestellt das die oben beschriebene Kobra kein Einzelfall war. In den letzten zwei Wochen mussten wir drei Kobras zügeln.

Nachdem unser junger Husky eines Nachts laut bellte und nicht mehr aufhören wollte habe ich nachgeschaut was los ist, denn sonst bellt er nie so lange. Ich traute meinen Augen kaum als ich  sah, dass er mit einer Kobra kämpfte. Sie stiess immer wieder nach ihm aber er wich jedesmal geschickt aus. Es sah aus als würden die beiden im Ballett tanzen. Ich konnte ihn nicht davon abbringen von der Kobra zu lassen. Er hielt es wohl für eine Geschicklichkeitsspiel, aber es war eher Russisches Roulette. Hätte sie ihn gebissen wäre mein vierbeiniger Freund jetzt tot. Ich griff kurzer Hand in den Kampf ein und erledigte die Kobra mit dem Knauf meines Regenschirms.

Seither zügle ich alle Kobras und andere Schlangen in meinem Garten. Es gibt hier einfach deren zu viele davon auf unserem grossen Grundstück und ich will nicht dass Leo, so heisst unser Husky, gebissen wird. Er soll wie bis anhin Frösche und Kröten jagen, die sind weniger gefährlich.

An weiteren Tieren gibt es noch jede Menge wilde Hunde. Sie sind nicht böse aber immer hungrig und meistens verwahrlost. Wenn die Thais zügeln überlassen sie die Tiere einfach ihrem Schicksal. Die Hunde tun sich dann oft zu kleinen Gruppen zusammen und gehen auf Nahrungssuche, nicht selten werden sie angefahren oder verhungern. Gefährlich sind die Hunde nicht aber fast alle tragen den Tollwuterreger in sich und das ist ein Problem. Viele der Tiere werden auch nach China und anderen angrenzenden  Länder gekarrt, dort totgeschlagen und auf dem Hundefleischmarkt verkauft.