Wir bauen uns ein Haus

Ja, so ein Haus bauen in Thailand hat mehr Höhen und Tiefen als die Berner Alpen.

Hier in Thailand ist alles relativ billig, aber eben relativ. Meine Frau hat schon ein schönes Stück Land gefunden in Prachuap, in der Nähe des Meeres. Genau genommen nicht ganz fünftausend Quadratmeter. Da lässt sich schon was machen. Das Land kostet umgerechnet siebzigtausend Franken und das ist ein guter Preis. Die Krux ist allerdings, dass man als Ausländer in Thailand kein Land kaufen kann. Also kaufe ich das Grundstück meiner Frau, miete es aber gleichzeitig für 30 Jahre und damit habe ich auch eine gewisse Sicherheit.

Das Grundstück  liegt am Rand von Prachuap mitten in den Ananasfeldern. Man könnte sagen, Natur pur. Ein Freund unseres zukünftigen Nachbars mit Namen Chanvud verkauft uns das Land im Auftrag seines Freundes, nicht gany selbstlos wie wir spíter herausfinden und so pilgern wir eines Tages mit einem Haufen feremdartigem Geld auf das Grundbuchamt. Das Amt sieht aus wie ein uralter Schweizer Wartsaal, nur dass es ein paar der unvermeidlichen Fernsehapparate hat um den Wartenden die Zeit zu vertreiben. Das ist auch nötig, denn Geduld ist hier angesagt. Es wird geschrieben, gewartet, geredet, gewartet, kopiert, gewartet, geredet geschrieben.....ins uferlose. Nach etwa anderthalb Stunden haben wir es geschafft. Wir bekommen ein paar Dokumente die kein Mensch versteht, wenigstens ich nicht, das war es dann. Bezahlt wird in Thailand immer bar den keiner traut dem andern.

Nach längerem Herumfragen finden wir auch einen Baumeister der sich auch sofort bei uns vorstellt. Wir erwarten ihn auf der Terasse unseres Hotels. Er kommt schon mal mehr als eine Stunde zu spät, ist schlampig angezogen und sieht schmuddelig aus und so sind wir uns schnell einig, dass er nicht in Frage kommt, also suchen und forschen wir munter weiter. Die Pläne haben wir schon aus einem Buch der Bibliothek kopiert, ein bisschen abgeändert und einem jungen Architekten gegeben, welcher uns mit seinem Computer brauchbare Pläne gezeichnet hat. Die Pläne bestehen aus acht grossen Blättern und sie enthalten alle Details vom Fundament bis zur Dachkonstruktion. Hat rund dreihundert Franken gekostet, die Pläne und die Arbeit, da kann man nicht viel sagen wenn man heute das Resultat sieht. Inzwischen kommen im Nachhinein immer wieder bauwillige Ausländer um sich unser Haus anzusehen. Wir waren auch schon auf dem Bauamt und die haben auf jede Seite der Pläne einen grossen Stempel drauf geklopft. Hat auch etwas gekostet, aber auch nicht viel was allerdings relativ ist. Ein Staatsangestellter in einer Spitzenfunktion verdient kaum soviel wie bei uns ein Rentner AHV bekommt. Wir gehören hier schon zur Oberklasse und können uns somit Sachen leisten von denen ich in der Schweiz besten falls nur träumen konnte.

Aber kommen wir wieder zum Thema. Von einem Restaurantbesitzer bekommen wir einen neuen Tip und die passende Telefonnummer welche meine Frau auch sofort anruft. Was darau im Hotel erscheint wirft mich um. Ein kleiner Wusel von einer Frau, etwa einen Meter fünfzig hoch und von geringem Lebedgewicht. Aber die Frau, Alter schwer zu schätzen, hat listige Augen und ist flink wie ein Wiesel. Nicht teuer aber gut angezogen und blitzsauber, freundlich und macht einen kompetenten Eindruck. Die Frau heisst mit Spitznamen Cat und ist mir auf Anhieb symphatisch.

Also Cat schaut die Pläne an und meint das sei ein grosses Haus, das grösste welches sie eventuell bauen würde. Wir bitten um eine verbindliche Offerte und Cat klemmt sich ohne grossen Kommentar die Pläne unter den Arm und verschwindet wieder auf ihrem Moped.

Bereits zwei Tage später ruft sie wieder an und wir vereinbaren einen neuen Termin auf unserer gewohnten Hotelterasse mit Meersicht. Pünktlich wie eine Stoppuhr erscheint sie zur vereinbarten Zeit. Wir setzen uns wieder an unseren gewohnten Tisch und harren der Dinge die da kommen.

Sie würde das Haus für uns bauen meint sie, kurz angebunden und erklärt uns, dass es in Thailand verschiedene Preisstufen gibt. Extraklasse, Grad A, B, C.  Ich denke, die Extraklasse muss es nicht sein da ich nicht unbeschränkt Geld zur Verfügung habe. Zumal ich schon zwei Grundstücke gekauft habe und ich meine Stieftochter wieder an die Universität schicke, damit sie ihren Master Degree noch absolvieren kann und Aussichten auf ein besseres Leben hat, ein besseres Leben als das ihrer Mutter welche einen Ehemann hatte welcher das ganze Geld beim spielen und zocken durchbrachte und früh starb. Darauf arbeitete sie an der Longkorn Universität in Bangkok um sich und Ihre Tochter durchzubringen.

Als dies fast geschafft war hatte die Tochter mit ihrem Auto einen Verkehrsunfall mit einem Moped und es gab zwei Tote. Es war nicht ihre Schuld aber wie es das Gesetz in Thailand will, ist immer der mit dem stärkeren Fahrzeug schuld. Die Tochter kam vor Gericht und wurde zu einem hohen Schadenersatz für die zwei Verstorbenen verpflichtet. Um die Schulden zu begleichen musste die Mutter also ihr Haus, ihren Schmuck und alle Wertsachen verkaufen und obendrein noch einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Die zwei fanden Unterschlupf im alten Gemäuer der  Schwiegermutter welche sie von nun an auch noch um sonst pflegen musste. Soviel zur Vergangenheit.

 Eines der Grundstücke ist von immenser Grösse und es war ein Schnäppchen. Wir reden also über ein Haus mit Grad A. Wir einigen uns auf einen Festpreis von Zweieinhalb Millionen Bhat. Darin eingeschlossen ist das ganze Haus, schlüsselfertig. Extrawünsche von denen wir viele haben, wie schöne Keramikplatten, bessere Sanitäreinrichtungen, teurere Lampen und so vieles andere bezahlen wir extra und fortlaufend.

Gut, am Ende kommt das Haus auch auf 3 Millionen Bhat. Das sind aber gut hunderttausend Franken und wenn man auf der anderen Seite sieht, was man dafür für ein Prachtshaus bekommen hat dann ist es wohl ein kleiner Preis und absolut gerechtfertigt für europäische Masstäbe.

Ich sage meiner Frau kurzerhand sie soll den Vertrag unterschreiben und somit ist der Grundstein für unser neues Heim gelegt.

Gut, ich habe da noch eine Altlast welche Cat für mich entsorgen muss. Mein Nachbar und Freund Chanvud welcher mir das Grundstück verkauft hat und auf der anderen Seite des Strässchens auch mit bauen angefangen hat, hat einen  Unterstand bestehend aus einem Betonfundament und sechs Betonsäulen mit einem Wellblechdach. Ich wollte auch so eines als Materiallager haben und Chanvud versprach mir, seinen Arbeitern den Auftrag zu geben mir eines zu bauen wenn ich denn die Pläne machen würde. Ich machte also die Pläne. Aber ich weiss auch nicht, was ich immer falsch mache. Alles was ich mache wird einfach grösser. Also der Rede kurzer Sinn, mein Häuschen wurde einfach doppelt so gross. Warum denn offen sagte ich mir und zeichnete ein paar Wände und Türen ein. Ich will ja nicht lange um den heissen Brei herumreden. Nachdem das halbfertige Konstrukt fast ein Jahr geruht hat macht Cat es für mich fertig. Es ist nun ein wunderschönes Ferienhaus geworden mit einem grossen Wohnzimmer mit erstklassiger Klimaanlage und Fernseher und Internetanschluss per Glaskabel. Dann gibt es noch ein Schlafzimmer mit Doppelbett, eine separate Douche und eine separate Toilette. Im Moment bewohnen wir das Häuschen selber bis unser grosses Haus fertig ist.

 

 Zuerst kommt mal eine riesige Planierraupe und fängt an alles platt zu walzen denn unser Grundstück besteht aus zwei unterschiedlich hohen Flächen. Wir brauchen also noch Erde. Kein Problem hier. Einhundertzwanzig Lastwagen mit Erde weden preiswert herangekarrt dann passt alles. Die beiden Grundstücke sind nun gleich hoch und bilden eine durchgehende Fläche.

Mein nachbar Chanvud lehnt mir seine vier Arbeiter welche gerade nichts zu tun haben und die bauen mir eine Gartenmauer ums Grundstück, fast so lang wie die Chinesische Mauer.  Es gibt zwei Lücken, eine für eine Gartentüre und eine grosse für ein langes Schiebetor. Chanvud hat eine grosse Privatschule und die Arbeiter werden von der Schule, einer Stiftung, bezahlt. So baut er sein Haus fast gratis und mein Geld steckt er wohl auch zum grössten Teil in die eigene Tasche.

Mit dem Bau der Gartenmauer ist meine dreimonatige  Thailandzeit momentan zu Ende und wir ziehen in die Schweiz für ein Jahr.

Es gibt einiges zu reparieren und zu renovieren in der Fossil Gallery und Passamontr stürzt sich in die Produktion von Modeschmuck der unverhofft ganz gut ankommt. Aber die Zeit läuft und unsere neue Thailandzeit rückt näher. Den Laden vermiete ich meiner Goldschmiedin und das Haus gebe ich einer Firma zur Vermietung welche kurzzeitige Unterkünfte für ausländische Kaderleute sucht und so ist auch dieses Problem bald gelöst.

Die Goldschmiedewekstatt wird aufgelöst und ein Notbehelf im Lagerraum eingerichtet. Da ich das Haus möbliert vermiete muss ich nur das Sonntagsgeschirr und persönliche Sachen auf dem Estrich verstauen aber das ist immer noch genug Arbeit. Nachdem ich drei Container mit überflüssigen Sachen entsorgt habe, sieht es wieder besser aus auf dem Dachboden und im Lagerraum.

Meine Frau ist bereits in Bangkok um einiges zu regeln und um nach ihrer Tochter Peppermint zu sehen.

Nachdem ich alles einigermassen geregelt und einer Freundin Namens Christine den Ladenverkauf und die Verwaltung der Fossil Gallery übergeben habe fliege ich wieder zurück nach Thailand.

In Prachuap angekommen logieren wir wieder im Prachuap Beach Hotel mit dessen Besitzer und Besitzerein wir inzwischen befreundet sind. Der Hotelier säuft wie eine Kuh, aber das merke ich erst später. Seine Frau mit Namen Dum ist ein kleines feingliederiges Persönchen, freundlich und nett. Immer wenn wir ein Problem haben hilft sie uns.

Es wird uns langsam eng im Hotelzimmer obwohl es gross ist. Wir suchen uns also eine Wohnung mit mehr Platz. Wir müssen nicht lange suchen und finden ein altes Reihenhaus direkt am Strand und fünfzig Meter vom Hotel entfernt. So ziehen wir den bald darauf ins neue Heim und haben nun drei Zimmer auf zwei Etagen verteilt und erst noch einen Parkplatz im Innenhof. Im ersten Stock haben wir zwei Schlafzimmer mit einem wunderbaren Blick auf das Meer und den Fischerbooten.

 

Nun ist das Haus praktisch fertig.

Der Garten lässt noch zu zu wünschen übrig, aber mit fast fünftausend Quadreatmeter ist das kein Wunder. Passamontr hat zwar gerne einen schönen Garten aber ich musste feststellen dass sie mit gärtnern nichts am Hut hat. So gerne sie kocht und so gut sie im organisieren ist, im Garten arbeitet sie nur ungern aber seit sie es mir gebeichtet hat ist das kein Problem mehr und gibt zu keinen hitzigen Diskussionen mehr Anlass. Wir haben nun einen Gärtner der jeden Samstag bei uns arbeitet, manchmal auch wochentags am Abend wenn er Zeit hat. Ich kann seinen Namen nicht aussprechen für mich ist er Mister Murks, kurz Murks gerufen von mir.  Als Gärtner ist er gut und auch als Elektriker ist er brauchbar. Nebenbei repariert er elektrische Geräte und Mopedmotoren. Er gehört eindeutig zu den ärmeren Leuten und wir lassen ihm ab und zu etwas zukommen. Sei das nun ein T-shirt oder wir runden seinen Tageslohn auf. Er ist ein guter Handwerker und lässt sich auch etwas zeigen von mir. Die anderen wissen meistens alles besser aber das Endprodukt ist dann kaum zu gebrauchen. Da es hier keine gelernten Handwerker gibt ist die Arbeit dem entsprechend. Meistens ungenau, schlampig gearbeitet, eben ein einziger Murks. Dazu sind sie sich meistens auch zu fein nach getaner Arbeit ihren Arbeitsplatz aufzuräumen. Mein Grundstück hat nach dem Rohbau wie eine Müllhalde ausgesehen. Na ja, lassen wir dieses Thema.....

Was hier Regenzeit heisst habe ich letzte Woche herausgefunden. Es hat plötzlich zu regnen angefangen, aber das war kein normaler Regen. Es hat wie aus Kübeln gegossen und das drei Tage lang ohne Unterbruch. Mitten in der Nacht war mein grosser Teich randvoll und ich musste meine grosse Pumpe installieren und das Wasser über die Gartenmauer ins Nachbargrundstück pumpen sonst wären die Karpfen in meinem Obstgarten spazieren gegangen. Unser Garten hatte sich in eine Seenlandschaft verwandelt. Anderntags schlugen wir Löcher in die Gartenmauern damit wenigstens ein Teil des Wassers abfliessen konnte. Es war drei Tage lang ein richtiges Inferno. Es war nicht kalt aber wir hatten keinen trockenen Faden mehr am Leib und so kam es, dass ich nur mit Unterhosen bekleidet im Garten meinem nassen Handwerk nachging. Auf dem tiefer gelegenen Grundstück eines anliegers bildete sich ein Sumpf mit dem Nachteil dass des Nachts hunderte von Fröschen dermassen quakten, nein, eher schrien wie schwangere Kühe, dass an ein Schlafen bei offenem Fenster nicht mehr zu denken war. Mein Nachbar Chanvud hat ja eine Privatschule mit über tausend Kindern und in seiner Schule stand das Wasser nach zwei Tagen einen halben Meter hoch. Das Militär kam zu Hilfe und pumpte das Wasser in den nahe gelegenen Fluss. Wir waren tagsüber mit Hacken im Garten und gruben kleine Kanäle, damit wenigstens ein Teil des Wassers durch diese Löcher in den Mauern abfliessen konnte.

Nun scheint aber das Schlimmste vorbei zu sein und es regnet nur noch einmal täglich für eine oder eine halbe Stunde. Passamontr hat Buddha gebeten, es dabei zu belassen damit sie den Garten nicht bewässern muss und oh Wunder, mehr oder weniger hält er sich an die Bestellung.