Zurück nach Thailand

 

Das wirkliche Thailand ist auch ein Land der dritten Welt mit viel armen Leuten und jeder muss mehr oder weniger schauen wie er über die Runden kommt. Als Tourist merkt man wenig davon, man sieht eben nur die Schokoladenseite des Landes.

Thailand ist ein schöne Land um Ferien zu machen aber um in Thailand wirklich leben zu können, muss man schon gute Nerven haben.

Ich habe wirklich gedacht, Thailand sei das Paradies, aber langsam entwickelt es sich manchmal zu einem Albtraum.

Die Thais sind nette Leute wenigstens vordergründig.  Wir Ausländer oder Farang, übersetzt Langnase, sind willkommen um Devisen zu bringen. Fast jede Thaifrau wünscht sich einen Farang, damit sie für die Zukunft ausgesorgt hat.... denkt sie wenigstens. So sieht man oft alte Opas mit zwanzigjährigen Frauen herumziehen. Kann ja sein, dass sich die alten Männer mit einer sehr jungen Freundin auch jünger fühlen. Wenn wir zu Hause in der Schweiz zehn verschiedene Leute einladen dann werden wir nachher mindestens von acht dieser Gäste gelegentlich auch wieder eingeladen, nicht so in Thailand. Wir haben hier sehr oft schon Leute zum Essen eingeladen, selber wurden wir jedoch noch kaum eingeladen. Gehe ich mit meiner Thaifrau ins Museum dann bezahlt sie 50 BHT Eintritt, ich dagegen muss, obwohl verheiratet mit einer Thai, 250 BHT also fünfmal soviel Eintritt bezahlen. So viel zur Fremdenfreundlichkeit. Man wird hier behandelt wie ein reicher Asylant. Und so geht es weiter. Als Tourist bezahle ich überall Touristenpreise, auch auf dem Markt. Wem das Handeln nicht liegt der bezahlt immer zuviel. Um es auf den Punkt zu bringen, die Thais sind immer auf ihren Vorteil bedacht, gut, sie haben ja auch nicht viel und leben genügsam  aber mit dem Fernsehen sehen sie halt, dass es auch Leute gibt welche mehr haben und das weckt Gelüste und Bedürfnisse. Ein Thai kann aber noch so arm sein, einen Fernseher und ein teures Handy hat er garantiert. Darauf folgt dann ein Moped und als Krönung ein geleastes Auto.

Die Thais an sich sind sehr saubere Leute, oftmals sauberer als die Leute bei uns in Europa. Trotz der Hitze habe ich noch nie einen oder eine Thai getroffen die übel riecht. Vor allem die Frauen achten sehr auf ihr Aeusseres, aber im Bezug auf die Umwelt leben sie noch in der Steinzeit. Es ist überall dreckig und ausser in grossen Städten wird kaum etwas weggeräumt oder systematisch geputzt. Wir wohnen hier in Prachuap auf dem Land. Das Städtchen hat ungefähr fünfzigtausend Einwohner und ist wunderschön gelegen, direkt am Meer mit wunderbarer Aussicht auf das Wasser und die vielen Fischerboote, mit ein paar hübschen Bergen im Hintergrund.

Leider ist alles ein bisschen und verlottert für unsere Begriffe. Einmal im Jahr macht die Stadt eine grosse Werbeaktion für den Tourismus, aber das ist eher eine halbherzige Sache. Touristen wünscht man sich nur zu Hauf damit selbige hier ihr Geld liegen lassen. Aber etwas unternehmen damit sich die Touristen hier wohlfühlen will niemand sofern ein schneller Gewinn nicht sichtbar ist. Es fühlt sich niemand für irgendetwas zuständig und die Aktionen sind deshalb alles Eintagsfliegen. Auf den Strassen fährt alles kreuz und quer. Der beste Platz um sich überfahren zu lassen ist der Fussgängerstreifen. Selbst bei starkem Regen fahren die Thais wie die Irren und nicht selten kommt ein kleiner Bus ins Schleudern und es gibt wieder einmal ein paar Tote wie eigentlich jeden Tag. Aber das scheint niemanden gross  zu stören. Die Polizei ist immer dort, wo es gerade nichts zu tun gibt. Kein Wunder bei der lausigen Bezahlung.

Uberall streunen wilde Hunde auf den Strassen herum, verscheissen alles und man muss immer aufpassen, dass man keinen dieser armen Hunde überfährt oder noch schlimmer, einen Tempelaffen die hier in Prachuap eine reine Plage sind. Auf den Gehsteigen ist ein flanieren, vorbei an den Geschäften und Schaufenstern unmöglich, denn jeder Hausbesitzer betrachtet diesen Platz als sein Eigentum, der Name Gehsteig hat hier keine Bedeutung. Er ist also meistens verstellt mit Mopeds und mobilen Verkaufsständen oder mit kleinen eisernen Rampen um die Mopeds in das Haus zu schieben. Man ist meistens gezwungen, auf der Strasse zu marschieren, immer in der Hoffnung, dass man nicht von hinten überfahren wird.

 

Aber ich fühle mich trotzdem wie in den Ferien. Momentan sitze ich auf der Hotelterasse und blicke über das weite Meer. Es ist ein richtiger Bilderbuchtag.  Das Meer rauscht leicht und hat die Farbe von hellem grün und gegen das offene Meer hinaus wechselt sie in ein dunkles stahlblau. Meine Hotelterasse befindet sich direkt an der Uferstrasse und auf der andern Strassenseite befindet sich ein breiter gepflästerter Gehsteig. An die niedere Ufermauer haben die Fischer rechteckige Drahtgitter gelehnt auf denen kleine Fische ausgebreitet sind zum trocknen.  Die Fischchen verbreiten einen strengen Geruch aber im Lauf der Zeit gewöhnt man sich daran. Wo die zahlreichen Fischlein herkommen, kann man leicht erraten wenn man all die kleinen Fischerboote sieht welche momentan am Ufer vor sich hindümpeln. Seit einer Woche ist hier in der Bucht für drei Monate eine Schonzeit verordnet worden. Es darf nicht mit Netzen gefischt werden sondern nur noch mit Angelruten auf die grossen Brocken. In der Nacht fahren die Fischer aufs offene Meer, entfachen blaues Neonlicht auf den Booten und fangen zentnerweise kleine Tintenfische. Ist die Schonzeit wieder vorbei wechselt das Licht auf weiss um die Fische wieder anzulocken. Es ist eine anstrengende Arbeit die Fischerei. Am frühen Morgen habe ich den Fischern oft zugeschaut wie sie ihren Fang ausladen und die grossen Kunststoffbehälter mit Eis füllen, damit die Fische nicht verderben. Es ist unglaublich, wieviel sie mit ihren kleinen Booten fangen und an Land bringen. Jedes Bötchen bringt mehrere Zentner an Fisch und das oft sieben Tage in der Woche.

Die Aerzte in unserer Stadt sind auch gewöhnungsbedürftig. Jeder hat eine hochtrabend angeschriebene „Klinik“, aber bei den meisten sieht es aus wie bei mir im Keller, nur nicht so aufgeräumt. Es gibt aber auch Ausnahmen, helle saubere Räume. Mein Hausarzt kann nicht einmal Blut abnehmen oder den Blutzuckertest machen, er hat nur ein Stethoskop und kann den Blutdruck messen. Für alles andere lässt er jeweils eine Krankenschwester vom nahen Hospital antreten, welches ein Labor zur Verfügung hat. In Thailand gibt es nur ein wichtiges Medikament und das sind Antibiotika. Antibiotika welches man hier für nahezu jede Krankheit bekommt und zwar reichlich. Meistens füllt der Herr Doktor die farbigen Pillen einfach ab und die Patienten wissen gar nicht was sie eigentlich schlucken. Das  ist aber nicht so schlimm ad viele sowieso kaum lesen und schreiben können. Wenn einem wirklich etwas fehlt ist man sowieso gut beraten ein Krankenhaus aufzusuchen. Wir haben hier zwar eine Krankenversicherung abgeschlossen aber für uns Ausländer halten sich die Kosten sehr in Grenzen wenn man nicht gerade eine Herztransplantation braucht. Es gibt ein paar sehr gute Krankenhäuser in der Umgebung welche durchaus modern eingerichtet sind. Ich war bis jetzt zwei mal im Krankenhaus wegen einer Allergie und einmal in Bangkok in der besten Klinik wegen Zahnweh , die Rechnungen waren jeweils kaum der Rede wert.

Das Essen ist am Anfang für uns Ausländer eine Umstellung aber man bekommt alles frisch auf den Teller und die diversen Gemüse, Salate, Meeresfrüchte, Fische und Früchte sind eine wahre Köstlichkeit. Ich bin ein guter Esser aber ich habe in zwölf Monaten bereits zehn Kilo an Gewicht abgenommen trotzdem dass ich gerne zweimal am Tag ein kaltes Bier trinke oder auch mal zwei. Allerdings habe ich im Lauf der Jahre festgestellt, dass das Essen in den Food Shops an Qualität verloren hat. Um Kosten zu sparen wird immer mehr billige Ware eingekauft und man ist gut beraten selber zu kochen und für das Material dafür ein bisschen mehr zu bezahlen.

Wem die Tretmühle im teuren Europa verleidet ist, kann ich Thailand wärmstens empfehlen. Auch mit einer kleineren Pension kommt man hier gut über die Runden, denn auch die Wohnungsmieten sind niedrig. Ein schönes Haus zu finden für 300 Euro im Monat ist durchaus immer noch möglich und wer noch eine hübsche Thaifreundin findet, was hier kein Problem ist, hat auch noch eine Köchin.

Man kann sich auch für wenig Geld ein Haus bauen hier. Es ist Ausländern zwar nicht erlaubt, Land zu erwerben in Thailand. Man kann aber das Land auf 30 Jahre pachten wenn man keine Thai zur Frau hat und ein Haus bauen ist nicht teuer. Das Haus wird auch nicht für die Ewigkeit gebaut wie bei uns. Hier in der Nähe des Meers verrottet alles ziemlich schnell und so ist die Auswahl der Baumaterialien meistens auf Beton, Zement, Chromstahl, Plastik und Asbestplatten beschränkt. Holz hält nicht lange ausser man verwendet denn das teure Edelholz. Zusammengefasst kann man sagen, meinen Entschluss den Lebensabend in Thailand zu verbringen habe ich noch nicht bereut.