Medizin auf Thai

 Ich habe nun bald mein Idealgewicht erreicht und bin von 104 kg auf 85 Kilo geschrumpft. Aber nicht etwa aus gutem Vorsatz sondern wohl eher durch die veränderte Lebensweise. Ich habe hier in Thailand mehr Bewegung und die allabendliche Schlemmerei mit Wein, Käse, Nudeln, Brot welcher ich oft gefrönt hatte war Vergangenheit. Das Essen hier in Thailand ist vielfältig und gesund und verspricht ein langes Leben.

Hatte ich diesen Montag wie angeworfen Halsweh, so steigerte sich selbiges bis am Mittwoch so sehr, dass ich nur noch mit Mühe zwei Löffel Suppe essen und ein wenig Tee trinken konnte.

Zuerst versuchte ich mein Halsweh mit einem Schmerzmittel zu bekämpfen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Da ich nicht dauern das starke Schmerzmittel Namens Ponstan nehmen wollte suchte ich einen Arzt auf welchen man mir empfohlen hatte. Der Arzt arbeitete normalerweise in einem nahe gelegenen Spital und hatte hier noch eine eigene Klinik um sein Taschengeld aufzubessern. Die Klinik hatte zwei Abteilungen, sprich Zimmer, wie mir auffiel und sah ziemlich gepflegt aus. Die einte Hälfte der Klinik betrieb seine Frau als Schönheitstempel die andere Hälfte betrieb ihr Mann als Arztpraxis.

Der gute Mann bat mich bald in sein Behandlungszimmer und fragte nach meinem Anliegen. Da mir das Sprechen ein wenig schwer fiel erklärte ihm meine Frau wo mich der Schuh drückt

besser gesagt der Hals schmerzt. Er packt wild entschlossen sein Stethoskop und horcht meinen Brustkasten ab. Ihre Lunge ist sauber meint er worauf ich ihn nochmals krächzend darauf hinwies, dass mir der Hals weh tut......nicht die Lunge.

Er fordert mich also auf mein Maul weit zu öffnen was mir auch fast gelingt. Oh, a little bit red...( ein wenig rot ) meint er. Das werden wir gleich haben. Ich frage mich nur, wie er ohne die obligatorische Lampe etwas sehen konnte den so gross ist mein Maul nun auch wieder nicht dass man viel sieht wenn man einfach so hinein schaut. Wie dem auch sei, er verpasst mir kurzerhand Antibiotika für 3 Tage und ein paar Brausetabletten deren Wirkung mir unbekannt

war.

Voller Hoffnung liess ich mich wieder nach Hause fahren und schluckte brav immer zur vorgeschriebenen Zeit meine Pillen. Meine Schmerztabletten nahm ich weiterhin da ich auch nach zwei weiteren Tagen noch gewaltige Schmerzen hatte. Ich erwog schon, das Hospital in Hua Hin aufzusuchen da packt meine liebe und kluge Frau die Medikamente ein und ging damit in die Zentralapotheke. Der Bericht den sie mir nach Hause brachte haute mich fast um. Der Doktor hat mir Antibiotika für Kleinkinder mitgegeben welche bei meinen fast neunzig Kilo gar nichts bewirkten, eher das Gegenteil.

Ich schlucke von nun an die neuen Antibiotika für Erwachsene und ich kann nach einem Tag wieder zwei Löffel Suppe mehr essen, aber das war's dann auch schon. Die Schmerzen blieben.

Ich dachte nun dass Selbsthilfe an der Zeit war. Mit Hilfe eines Spiegels und der Nachttischlampe schaute ich in meinen Rachen. Was ich da sah gefiel mir gar nicht und erinnert mich an meine frühe Kindheit vor der Mandeloperation. Der Rachen war nicht leicht rot sondern zündrot mit weissen Eiterpunkten. Ich hatte es doch geahnt.

Ich erstatte meiner Frau sofort Bericht und sie fragt bei unseren Bekannten herum nach der Adresse eines guten Arztes. Nicht lange darauf kroch ich ins Auto und wir fuhren zum neuen

Arzt. Dort angekommen wunderte ich mich schon ein wenig. Keine schöne Klinik sondern ein alter, arg vergammelter Laden indem schon ein dutzend Thais warteten. Das konnte man schon an der Schuhsammlung sehen welche vor der Türe lag. Wiederwillig trat ich ein doch dann dämmert es mir, dass ich vor zwei Jahren schon einmal bei diesem Doktor war. Als Farang, sprich Ausländer, musste ich nicht lange warten. Wir werden fast überall bevorzugt behandelt, wir bezahlen ja auch gut, das heisst für uns gilt ein anderer Tarif. Das ist zwar nicht in Ordnung aber angenehm. Die Praxis sah fürchterlich aus. Boden und Wände waren vergammelt und vergilbt. Überall gab es Gestelle mit Medikamenten und sonstigem Krempel. Einer der Behandlungsräume war mit einem Röntgenapparat ausgestattet der aussah als käme er aus einem Museum. Der zweite Behandlungsraum enthielt eine Liege welche auch schon bessere Zeiten gesehen hatte dem abgeschabten Polster nach zu urteilen. Rund herum wieder Regale mit alten medizinischen Utensilien.

Es war nun so dass der Doktor ein freundlicher alter Herr war und sein Wissen beeindruckt mich. Später erfuhr ich, dass er der pensionierte ehemalige Direktor des hiesigen Hospitals war. Er schaut schnell ( diesmal mit Lampe) in meinen Hals und sagt nur...wow...das ist aber eine schlimme Infektion, da langen Pillen nicht mehr und er verpasst mir mit Hilfe einer Spritze eine tüchtige Portion Antibiotika in meinen Hinterteil. Er gab mir noch eine Ladung Pillen gegen die Entzündung und die Schmerzen und siehe da, nach ein paar Stunden geht es mir schon besser.....noch nicht gut, aber besser. Um die Praxis des vorherigen Arztes mache ich in Zukunft einen grossen Bogen.

 Der Arzt behandelte viele arme Thais fast zum Nulltarif hatte aber die Einrichtung aus dem Museum, so schien es mir wenigstens. Sollte mein Hals wieder gut werden bekommt der Mann eine Spende von mir. Nach einer Woche waren die Schmerzen verschwunden. Ich hielt mein Versprechen und brachte ihm vier Flaschen von meinem selbstgebrauten Ananaswein und stopfte einige Geldscheine in die Sammelbüchse für arme Thais, welche auf dem Tresen stand. Er freute sich ungemein und wir sprachen noch ein bisschen über biologischen Gartenbau.

 Der Koffer für das Privatspital in Hua Hin bleibt aber gepackt........für alle Fälle.