Auswanderung

Nach dem ich Mooki gebeten hatte sich um einen Bauplatz zu kümmern machte sie sich auf die Suche. Alles mit meinen Vorstellungen abzugleichen war nicht einfach. Ich wollte auf dem Land wohnen und nicht in einer Touristenmetropole. Weiter sollte das Grundstück in der Nähe des Strandes sein damit ich, wenn mir danach war, fischen gehen konnte.

Ich bekam immer die aktuellen Bilder per Internet zugestellt. Es war jedoch schwierig sich ein Urteil bilden zu können, denn für mich sah irgendwie alles gleich aus. Doch eines Abends kam die Nachricht dass Mooki einen kleineren Ort an der Küste gefunden hätte. Ruhig, wenig Touristen und moderate Preise, was auch immer das hiess. Ich fragte also meinen Freund Kurt ob er nicht Lust auf eine kleine Reise mit der Fischrute hätte. Es war Mitte Januar und die Heuschnupfenzeit stand vor der Türe. Aus diesem Grund benötigte ich keine grossen Überredungskünste. Wir pilgerten also wieder einmal auf das Thailändische Konsulat in Basel und bestellten uns ein Visum. Anschliessend instruierte ich meine Goldschmiedin was in meiner Abwesenheit zu tun sei und wir begannen uns bereit für die Reise zu machen.

Ein Tag in Prachuap

Hotel Prachuap Beach

Wie in den Ferien. Im Moment sitze ich auf der Hotelterasse und blicke über das Meer. Es ist ein richtiger Bilderbuchtag.  Das Meer rauscht leicht und hat die Farbe von hellem grün und gegen das offene Meer hinaus wechselt sie in ein dunkles Blau. Die Hotelterasse befindet sich direkt an der Uferstrasse und auf der andern Strassenseite befindet sich ein breiter gepflästerter Gehsteig. An die niedere Ufermauer haben die Fischer rechteckige Drahtgitter gelehnt auf denen kleine Fische ausgebreitet sind zum trocknen. An ein paar Gestellen hängen auch grössere Brocken. Die Fischchen verbreiten einen strengen Geruch aber im Lauf der Zeit gewöhnt man sich daran. Wo die zahlreichen Fischen herkommen, kann man leicht erraten wenn man all die kleinen Fischerboote sieht welche momentan am Ufer vor sich hindümpeln. Seit einer Woche ist hier in der Bucht für drei Monate Schonzeit für die Fische und es darf nicht mit Netzen gefischt werden sondern nur noch mit Angelruten auf die grossen Brocken. In der Nacht fahren die Fischer aufs offene Meer, machen blaues Neonlicht auf den Booten und fangen zentnerweise kleine Tintenfische. Ist die Schonzeit wieder vorbei wechselt das Licht auf weiss um die Fische wieder anzulocken. Es ist eine anstrengende Arbeit die Fischerei. Am frühen Morgen habe ich den Fischern oft zugeschaut wie sie ihren Fang ausladen und die Kunststoffbehälter mit Eis füllen, damit die Fische nicht verderben. Es ist unglaublich, wieviel sie mit ihren kleinen Booten fangen. Jedes Bötchen bringt mehrere Zentner an Fisch und das oft sieben Tage in der Woche.

 

 

Um halb sieben Uhr ist es schon hell geworden am Morgen. Ich schaue aus dem Hotelfenster und beschliesse, mich nochmals im Bett umzudrehen. Passamontr schläft noch, also ist alles in Ordnung. Wir haben uns hier im Prachuap Beach Hotel für drei Monate eingemietet und da Passamontr gehandelt hat wie ein alter Pferdehändler haben wir einen sehr guten Preis herausgewirtschaftet, das heisst, wir bezahlen für unser riesiges Doppelzimmer knapp dreissig Franken pro Nacht. Andern Tags um halb acht Uhr piepst mein Handy und ich quäle mich aus dem Bett.

Mooki schwadert schon unter der Douche und ich messe schon mal meinen Blutdruck um ihn dann im Laptop einzutragen. Ich mache eine schöne Tabelle mit den Werten und eine passende Grafik, ebenso für Passamontr. Nachdem man mich auch unter die Douche gelassen hat suche ich mir ein passendes Outfit. Eigentlich immer das gleiche. Kurzes T-Shirt, Shorts, Sandalen und Sonnenbrille. Eigentlich ist das schon zu viel für dieses Klima. Ich trete aus dem Zimmer und ein  warmer Windhauch schlägt mir entgegen. In den ersten Tagen habe ich gedacht, ich bekomme den Herzkasper ob der Hitze aber ich habe mich eigentlich schnell eingewöhnt . Man muss die direkte Sonne meiden und man schwitzt halt immer ein bisschen. Ich habe entgegen meiner Schweizer Gewohnheit schnell gelernt mich ja nicht mehr als nötig zu bewegen. Ich schnappe mir den nächsten Lift und fahre vom vierten Stockwerk wo wir logieren nach unten. Ich stecke meinen Kopf  durch die Fensteröffnung der Frühstücksküche. Tum, die Besitzerin des Hotels lächelt mir entgegen. Ich gebe halb auf Thai und halb auf Englisch kund, was ich gerne zum Frühstück hätte ohne zu vergessen knom pang ping sam pen kiem kiem, was etwa heisst mit drei Stück Tost, sehr knusperig. Mooki macht immer noch Toilette. Wenn es gerade passt frühstücken wir zusammen, sonst halt in zwei Schichten. Das Frühstück ist nicht gerade ein  Renner aber für diesen Preis kann man nicht viel sagen. Tost, eine Scheibe Schinken, ein Würstchen, ein Glas Orangensaft, Marmelade, ranzig riechende Butter und Kaffee indem wohl eine einzelne Kaffeebohne ihre Füsse gewaschen hat. Nach dem Frühstück machen wir das Städtchen unsicher.