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Mooki

Es mag ja schön sein als Single zu leben aber auf die Länge fühlte ich mich irgendwie allein. Besonders an den Abenden nach Ladenschluss fiel mir oft die Decke auf den Kopf. Immer die gleiche Leier, Laden schliessen, Nachtessen kochen, Klavier spielen oder Fernseher einschalten, es war ätzend. Klar, ich habe Freunde und Bekannte aber wenn man jemanden bräuchte und sei es nur zum reden, ist natürlich gerade niemand zur Stelle. Ausser Kurt meinem Freund natürlich, der ist immer da, wenn man ihn braucht.

Der langen Rede kurzer Sinn......eine Frau musste wieder her. Eine Frau welche das Haus ausfüllt, weche man küssen kann und überhaupt....jemanden zum Reden an den langen und einsamen Abenden. So etwas Ähnliches wie eine Familie wäre schön. Aber wie finden?

Da wäre Caroline, eine hübsche Arztgehilfin. Wegen ihr habe ich extra meinen Hausarzt gewechselt. Sie kommt ab und zu in meinen Laden um geschliffene Edelsteine zu kaufen denn sie ist Hobbygoldschmiedin und an Bastler verkaufe ich die Steine sehr billig. Ich habe da eine kleine Schachtel in der es aussieht wie in einem Gemischtwarenladen. Darin lagere ich alle geschliffenen Edelsteine, auch unechte, denn ich habe einfach keine Zeit diese alle auf Ihre Echtheit zu prüfen. Ein grosser Teil stammt auch aus altem Schmuck da ich viel Altgold aufkaufe und alle Steine welche nicht besonders schön oder gross sind, wandern in die Schachtel. Auch kleine Diamanten verkaufe ich jeweils zum Schleuderpreis da ich ja nur das Ausfassen berechnen muss.

Mein Handel mit Altgold hat sich inzwischen zu einem guten Geschäft gemausert, ich mache damit inzwischen fast die Hälfte meines Umsatzes, manchmal auch viel mehr, ich hätte es nie für möglich gehalten. Anfangs brachten mir die Leute so viel Altgold, das mir wie schon gesagt manchmal das Geld ausging  und ich auf der Bank schnell Nachschub holen musste. Wenn es ganz dringend war musste ich Kurt anrufen, damit er mir schnell ein paar Tausender von seinem Sparschwein brachte. Ich verdiene pro Gramm etwa zehn bis zwanzig Franken, je nach Goldkurs. Das ist nicht schlecht, denn hundert Gramm sind eigentlich schnell zusammen, zumal es Kundinnen gibt welche fette Armbänder und Ketten bringen die oft einzeln schon allein über fünfzig Gramm wiegen. Natürlich muss ich das Gold auf seine Reinheit prüfen, vor allem wenn die Teile keinen Stempel tragen. Anfangs hatte ich grosse Mühe den Reinheitsgrad mit meinen Prüfsäuren zu bestimmen, aber inzwischen bin ich ein richtiger Experte geworden und ich kaufe das Gold kiloweise. Zuerst nehme ich einen starken Magneten und schaue ob das Teil Stahl oder Eisen enthält. Wenn ja, dann ist die ganze Sache meistens schon gelaufen weil das Teil dann oft nur vergoldet ist. Wenn nein, dann schleife ich mit einer feinen Feile ein Stück von der Oberfläche weg, ich will ja nicht die Vergoldung prüfen sondern das Innenleben des Teils. Nun schaue ich mit der Lupe wie die angeschliffene Fläche aussieht. Glänzt sie weiss, dann ist es wieder nicht gut. Ich habe dann entweder Edelstahl, welcher nicht magnetisch ist oder vergoldetes Silber vor mir. Glänzt es aber goldig unter meiner Lupe sieht die Ganze Sache gut aus, ausser eben es handelt sich um vergoldeten Kupfer, aber den erkennt man mit ein bisschen Uebung sofort an der roten Farbe, aber Vorsicht, hat das ganze Stück einen Rotstich, so kann es sich um Rotgold handeln, vor allem bei sehr altem Schmuck. Als letzte und wichtigste Prüfung reibe ich die angeschliffene Goldfläche auf meinem schwarzen Keramikprüfstein bis sie eine goldene Spur hinterlässt. Nun nehme ich meine verschiedenen kalibrierten Prüfsäuren und gebe von jeder einen Tropfen auf die goldene Spur. Nach etwa dreissig Sekunden wische ich die Säuretropfen weg und sehe das Resultat. Hatt die Säure das Gold weggefressen, so hat das Gold eine niederere Konzentration als auf der Säureflasche steht. Dort wo das Gold aber bestehen bleibt hat es aber die Konzentration welche auf der Flasche steht oder höher. Mit meiner gekauften Säuresammlung für acht, vierzehn, achtzehn und zweiundzwanzig Karat lässt sich somit der Goldgehalt einfach bestimmen. Allerdings braucht es auch dazu ein bisschen Uebung. Ich habe am Anfang immer mit gestempelten Ringen geübt. Anschliessend werden die Steine aus den Schmuckteilen entfernt, falls vorhanden. Handelt es sich um Top Steine wie grosse Diamanten, Rubine, Saphire und Smaragde, so kaufe ich diese zum halben Grosshandelspreis, andernfalls gebe ich sie den Kunden zurück oder sie wandern in die besagte Schachtel. Ist mindestens ein halbes Kilo Gold zusammen, so verkaufen wir dieses einer Scheideanstalt welche es raffiniert und wieder Bleche und Drähte daraus macht. Ich habe versucht, das Gold selber zu schmelzen aber das Resultat war ein Rohling mit Blasen und Lunkern. Auf gut deutsch, zu nichts zu gebrauchen. Soviel zu meinem Gold. Nun, mit den Steinen ist es auch so eine Sache aber dazu später.

Auch Silber habe ich angefangen zu kaufen. Ich brauche zwar 10 Kilogramm, damit sich das Schmelzen lohnt. Aber seit ich für eine alte 5-Fr. Münze 3500.- Franken eingeheimst habe schaue ich mir die Teile genauer an. Wie gesagt, der Altmetallhandel hat mich in gewissem Sinn reich gemacht. Weniger froh macht mich das Gold der Diebe und der Mafia denen ich zwar nichts beweisen kann, ich aber sicher bin, dass das Edelmetall alles geklaut ist. So viele Eheringe, Halsketten und goldene Uhren wie manche verkaufen kann man gar nicht haben.

Nach einigen Andeutungen, ich bin immer noch ein schüchterner Esel, klappt es endlich und ich lade die Frau meiner Träume am Sonntag zum Mittagessen ein. Ich scheue keine Kosten und gehe mit ihr ins Restaurant Klus, ein Begriff für Feinschmecker, gelegen inmitten von Weinbergen und auch nicht gerade billig. Nach einem hervorragenden Essen gehen wir noch ein wenig spazieren. Meine bescheidenen Annäherungsversuche scheitern aber kläglich und ich blase die Aktion ab. Nach einigen weiteren Treffen und mehreren Investitionen in Form von kleinen Edelsteinen aus meinem Fundus habe ich sie endlich so weit, dass ich sie wenigstens küssen kann. Sie macht mir aber auch unverblümt klar dass es dabei bleibt und dass dies das höchste aller Gefühle sei.

Langsam aber sicher wird mir Dussel klar, dass ich mir eine Dame vom anderen Ufer geangelt habe und dass sie es nur auf meine Steine abgesehen hat. Das kann ja nur mir altem Esel passieren.

Nicht verzagen, weiter suchen. Im Laden habe ich einige Kundinnen welchen ich scheinbar gefalle aber für mich kommen sie für eine längere Beziehung nicht in Frage. Jene die mir gefallen würden sind für mich zu jung oder sie sind schon anderweitig vergeben, vermute ich wenigsten und jemandem die Freundin auszuspannen finde ich richtig fies. Da wäre dann noch die Freundin einer Freundin welche mir sehr gefällt. Sie hat aber, wie sie mir erzählt, schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht und will sich momenten nicht auf eine Beziehung einlassen und ich muss mir eingestehen, dass ich für sie wohl  zu alt wäre. Aber wir sehen uns ab und zu und sind gute Freunde geblieben.

Mir kommt die grosse Erleuchtung als ich am PC sitze. Die Lösung heisst Internet. Mein Sohn hat seine Frau schliesslich auch im Internet kennen gelernt warum also ich nicht auch. Ich forste also das Internet durch, das Angebot ist schier unübersehbar. Also was will ich?

Meine Putzfrau, eine hübsche Brasilianerin welche mit einem Schweizer Banker verheiratet ist will mich mit einer ihrer zahlreichen Freundinnen verkuppeln. Ich rufe diese Freundin also an und verabrede mich mit ihr in Aarau vor einem netten Restaurant. Als ich eintreffe steht schon etwas exotisches vor der Türe. Klein aber nicht unsichtbar denn sie ist behängt wie ein amerikanischer Weihnachtsbaum. Am liebsten hätte ich gleich die Flucht ergriffen aber dazu war es nun zu spät und das wäre auch gemein gewesen. Wir begrüssten uns, treten ins Restaurant ein und setzen uns an einen Ecktisch. Ich bot ihr einen Apero an. sie aber bat um Champagner. Na ja, ich bestellte mir ein Bier und für sie ein Glas Champagner. Das war schon in Ordnung, soll sie weiterträumen vom grossen Geld. Das Essen war gut und wir hatten eine rege Konversation über Gott und die Welt und Brasilien. Wir tranken noch Kaffee, tauschten unsere Adressen aus und verabschiedeten uns auf dem Parkplatz. Also wieder nichts. Mit ein paar Frauen aus Deutschland und Frankreich  hatte ich auch noch Kontakt aber für mich war nichts dabei und mir verleidete die ganze Sache langsam.

Neben meinem Freund Kurt wohnt ein Polizist welcher mit einer Thailänderin verheiratet ist. Ich treffe sie mal in Kurts Garten und denke, hallo, das ist es was ich suche, zierliche Figur, Mandelaugen, wau. Ich melde ich also an bei ThaiLoveLink und bin platt, wer da alles Männer sucht. Eine Frau schöner als die andere. Die meisten Frauen waren sehr jung, zwischen achtzehn und fünfunddreissig, das kam für mich nicht in Frage. Andere wiederum suchten einen Mann zwischen zwanzig und achzig, die wollten also um jeden Preis fort von zu Hause und einen anderen Pass haben. Kommt für mich auch nicht in Frage. Ich blättere so die Seiten durch und plötzlich lacht mich ein fröhliches, hübsches Gesicht an. Wer sagts denn?

Es war Liebe auf den ersten Blick. Die Sache hatte einen Haken. Ich Trottel bin in der Aufrregung auf eine falsche Taste gekommen und das Gesicht war weg und somit auch alles was mich interessierte. Ich hätte mich ohrfeigen können aber das half nun alles nichts mehr.

Von nun an stocherte ich jeden Abend eine Ewigkeit lang im Angebot herum aber ich fand sie einfach nicht mehr. Nach etwa einer Woche, ich hatte alle Hoffnungen schon begraben, war das Gesicht wieder auf dem Bildschirm. Starr und bewegungslos blieb ich sitzen und langte nichts mehr an. Ich schrieb mir sofort ihre Referenznummer auf damit ich sie auch sicher wieder finden konnte unter den vielen Mitbewerberinnen. Danach schrieb ich ihr eine mail und teilte ihr mit, dass ich sie gerne kennen lernen würde. Ich schaute mir nochmals ihren Steckbrief an im Internet und war sprachlos. Sie war sechsundfünfzig Jahre alt und sah höchstens aus wie vierzig. Gut, sie war einen guten Kopf kleiner als ich und mager war sie auch nicht gerade, aber mit dem konnte ich leben. Wir sendeten uns zahreiche mails hin und her und erzählten uns so allerlei. Ich erfuhr, dass sie an der Chulalongkorn- Universität arbeitet und dass ihr Mann vor zehn Jahren an Krebs gestorben sei. Sie arbeitete in der Finanzabteilung und überwachte die Ausgaben und Saläre. Ich erzählte ihr ebenfalls von meinem Rentnerdasein und sagte ihr, dass ich mich manchmal allein fühle wie eine Maus im Käfig. Das erzählt sie mir heute noch oft und lacht dabei. Am ersten November hatte sie Geburtstag, wie ich leicht aus ihrem Steckbrief erfahren konnte also schickte ich ihr hundert Franken, damit sie sich ein Geburtstagsgeschenk kaufen konnte. Sie freute sich riesig aber wie ich heute weiss gab sie das Geld nicht aus, sie hat es immer noch. Die Sache nahm ihren Lauf und nach Weihnachten schickte ich Ihr das Geld für ein Flugbillet. Nun meine Tochter warnte mich und zählte mir alle möglichen Schauerszenarien auf und meint immer dass Thaifrauen nur einen Schweizerpass wollen um dann irgendwie wieder nach Thailand zu verschwinden. Das trübte meine Freude natürlich beträchtlich und ich frage mich immer wieder, habe ich schon wieder einen Fehler gemacht? Ich hatte wieder einen Konflikt, welchen ich nicht selbst verursacht hatte. Ich meldete mich also wieder einmal, wie immer wenn mich grosse Probleme belasten, bei meinem Psychologen und fragte ihn um Rat. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte und die Bedenken meiner Tochter und dass ich nicht sicher sei ob sie mich nur warnen oder ob sie nur Angst hatte dass sich ihr Erbe drastisch verringern könnte. Mein guter Psychologe hatte wieder einmal einen weisen Rat.

Er meine nach kurzem Ueberlegen, wenn sie mit der Frau nur ein Jahr glücklich sind, hat sich die Sache gelohnt und wo er Recht hatte, hatte er Recht.

Endlich Anfang März  hatte Passamontr ihr Visa und sie konnte in Bangkok das Flugzeug besteigen. Sie fragte ihre Freundin Fahsai ob sie sie begleiten würde zum Flughafen denn ihre Freundin war schon mal geflogen und kannte sich mit den Gepflogenheiten eines Flugplatzes aus. Aber wie gute Freundinnen eben so sind, man lernt sie erst kennen wenn man sie wirklich braucht. Merke:“ wer Freunde hat braucht keine Feinde“. Dass hiess sie half ihr nicht, sie hatte keine Zeit.

Anderntags fuhr ich mit meinem Auto nach Zürich auf den Flughafen. Es dauerte ein bisschen bis ich den richtigen Eingang zum Parkplatz fand aber endlich hatte ich es geschafft.

Ich suchte den unterirdischen Eingang zum Flughafen und fand ihn auch. Schnell betrat ich das Flughafengebäude und suchte den nächsten Blumenladen.

Nachdem ich mich ein bisschen umgeschaut hatte war mir schnell klar, dass dies ein sehr teurer Laden sein musste. Mir war das aber egal. Für meine neue Freundin kaufte ich drei rote Rosen mit den längsten Stielen die ich fand. Mit meinen teuren Rosen in der Hand pilgerte ich zur Passkontrolle wo die Fluggäste schlussendlich den Flughafen verlassen konnten. Ich stand von einem Bein aufs andere und wartete und wartete. Wenn man auf etwas wartet kommt einem manchmal eine Minute wie eine Stunde vor, so auch mir.

Endlich kam wieder ein Schub von Reisenden mit einigen schlitzäugigen Leuten. Für mich war nichts dabei …. Doch, ganz am Schluss der Kolonne tauchte ein lachendes Gesicht  auf welches ich vom Internet her kannte. Es war Mooki. Ich eilte auf sie zu und umarmte sie aber sie wich ein bisschen zurück. Ich Unwissender wusste natürlich nicht, dass es in der Thailändischen Kultur  nicht üblich ist, dass man eine Frau öffentlich umarmt oder küsst.

Mooki war noch kleiner als sie auf dem Bild im Internet aussah aber sie hatte ein freundliches Gesicht und ich fühlte sofort, dass sie eine gute Seele war. Ich wusste noch nicht unter welchen traurigen Umständen sie aufgewachsen war und wie sie an der Uni gemobbt wurde, nur weil sie der Boss der Finanzgruppe war und wie mies ihr Monatsgehalt war.

Wir machten uns also schnell aus dem Staub Richtung Parkplatz. Ich konnte nun ein bisschen angeben mit meinem schönen und bequemen Auto welches ich von Kurt übernommen hatte. Wir fuhren nach Hause und ich führte sie voller Stolz im Laden und im Haus herum. Inzwischen war es Abend geworden und ich lud Mooki zum Abendessen ein. Wir fuhren ins nahe gelegene Frankreich und genossen ein hervorragendes Essen. Den bestellten Wein musste ich allerdings alleine trinken da Mooki keinen Alkohol trank, das war aber weiter nicht schlimm. Anschliessend fuhren wir wieder nach Hause  und da es schon spät abends war und wir ein bisschen müde, fragte ich Mooki anstandshalber ob sie im Gästezimmer schlafen wolle, was sie Gott sei Dank mit einem listigen Augenblinzeln ablehnte.

Nun, Mooki hatte nur drei Wochen Ferien bekommen an der Uni. So hatten wir nicht viel Zeit uns gegenseitig zu beschnuppern. Ich fuhr mit ihr viel in der Gegend herum und versuchte, ihr ein bisschen etwas von der Schweiz zu zeigen.

Wir besuchten meine Freunde und Bekannten, meinen Sohn und meine Tochter. Meine Tochter freute sich nur beschränkt wie es mir schien. Aber was soll es. Man kann es nie allen recht machen.

Mooki wollte mir unbedingt etwas kochen und so fuhren wir mit dem Tram nach Basel. Wir fanden einen Thailaden in der Nähe vom Bahnhof und dort kauften wir ein wie die Weltmeister. Es hatte zwar in meinem Städtchen auch einen Thailaden. Aber da ich einmal dort tiefgefrorene Ente kaufte und mir nach deren Genuss drei Tage so schlecht war dass ich nicht mehr wusste ob ich Männchen oder Weibchen war und so mied ich diesen Laden fortan wie der Teufel das Weihwasser.

Wir schauten uns noch ein bisschen um in Basel dann fuhren wir wieder nach Hause. Mooki kochte das Nachtessen und es war absolut köstlich. Den scharfen Chili war ich nicht gewohnt und mir kamen manchmal beim Essen die Tränen. Aber mit jedem Bissen wurde das Essen noch besser. Ich freute mich auf meine kulinarische Zukunft. Erst in Thailand erfuhr ich, dass man für einen Gast mindestens drei verschiedene Speisen kocht, alles andere wäre unhöflich.

Die drei Wochen vergingen wie im Flug und ich versprach Mooki sie bald in Bangkok zu besuchen. Ich hatte noch eine Überraschung für sie. Ich fuhr mit ihr auf eine Jura Höhe, dort lag noch Schnee. Ich wusste, dass Mooki noch nie Schnee gesehen hatte und so war das schon eine Überraschung für sie. Wir stiegen aus dem Auto und sie stapfte im Schnee herum und freute sich wie ein kleines Kind. Wir blödelten ein bisschen herum, bewarfen uns gegenseitig mit Schneebällen, dann kehrten wir in einem rustikalen Gasthof ein und liessen uns mit einer kalten Fleischplatte verwöhnen.

Leider rannte uns die Zeit davon und viele Dinge die wir uns vorgenommen hatten mussten wir verschieben denn es war für Mooki schon wieder Zeit den Koffer zu packen. Auf dem Weg zum Flughafen versprach ich ihr, sie möglichst bald in Bangkok zu besuchen. Das würde für mich die erste wirklich lange Reise werden. Ich schaute dem Flugzeug noch lange nach wie es in der Nacht verschwand und träumte vor mich hin…

Der Alltag hatte mich wieder und in meinem Schmuckladen war immer etwas los. Kunden bedienen, Bestellungen machen, Schmuck reparieren, Schmuck taxieren und Altgold kaufen… ich hatte Arbeit im Überfluss. Als Single musste ich ja auch mein Essen besorgen und schauen dass Bier und der Wein nie ausgingen.

Ich hatte Mooki versprochen dass ich sie in Thailand besuchen werde und zwar bald. Sie kannte ein paar Edelsteinhändler in Bangkok und erzählte mir von der Perlenfarm in Phuket. Ich fand das alles sehr interessant. Also plante ich so bald wie möglich Thailand heimzusuchen.

Ich suchte also mein gewohntes Reisebüro auf und buchte einen Flug ein paar Tage nach Weihnachten, denn dann war es im Geschäft wieder ruhiger. Damit ich nicht so eingeengt reisen musste, der Flug dauerte doch gute elf Stunden, buchte ich die Businessklasse. Das Ticket war zwar teuer aber es lohnte sich. Mit dem Ticket suchte ich am nächsten Tag die Thailändische Botschaft auf und beantragte ein Visum. Die Botschafterin war eine Baselerin alten Geschlechtes, das konnte man am Namen erkennen, denn Burckhardt mit ck und dt hiess nicht jeder und wir sagen dann in Basel nur: es ist ein oder eine CKDT.

Drei Tage später konnte ich mein Visa abholen, gegen entsprechende Bezahlung natürlich. Mein Visa hatte eine Gültigkeit von dreissig Tagen und somit war die Dauer meines Ferienaufenthaltes klar. Für die Dauer meiner Abwesenheit gab es noch einiges zu organisieren im Laden damit der Betrieb auch einigermassen weiterlief wenn ich abwesend war.

Ich begann, meinen Koffer zu packen und besuchte meine Bank. Den Schlüssel für meinen Safe hatte ich schon zurecht gelegt. Ich öffnete den Safe und nahm und nahm die darin enthaltene stählerne Stahlschachtel heraus und öffnete sie. Da man dem Geld eigentlich nicht ansah dass es Schwarzgeld war nahm ich ein Bündel der schlafenden Tausender in meine Tasche, verschloss alles wieder und machte mich auf den Weg nach Hause.

Der Tag der Reise kam schneller als mir lieb war. Da mein Flug um Mitternacht stattfand hatte ich genug Zeit gemütlich mit dem Zug zum Flughafen zu fahren. Die Bahn fuhr direkt in das  Flughafengebäude und das war sehr praktisch. So musste ich nur noch einige Rolltreppen bezwingen mit meinem grossen Koffer und dann ging die Sucherei los. Ich ging zur Auskunft, stellte dumme Fragen bis mich endlich eine nette Dame zum Check-in brachte. Eine lange Menschenschlange stand vor den Schaltern. Ich schaute mich um und sah ganz am Ende einen Schalter mit der Überschrift „ Business Class and First Class“. Da dort praktisch keine Leute warteten fragte ich am Schalter ob ich da richtig sei. Ich zeigte mein Reisedokument und darauf wurde ich wie ein rohes Ei behandelt. Man bemächtigte sich meines Koffers, eine Dame klebte zwei Zettelchen auf mein Ticket, eine weitere Dame schob mich zur Passkontrolle und schubste mich durch eine Türe auf der stand „ Eintritt verboten“ und schon war ich in der Abflughalle. Die nette Frau zeigt mir noch den Weg zur Lounge und ich musste mein Ticket nochmals vorweisen am Eingang. Es war ein grosser feudal ausgestatteter Raum mit Polstergruppen, einer Bar und einem Buffet. Alles war kostenlos und man konnte hier ruhen, trinken und schlemmen bis man das Flugzeug besteigen musste. Ich kam mir ein bisschen deplatziert vor unter all den „ vornehmen“ Leuten  aber da ich ja auch bezahlt hatte liess ich es mir gut gehen. So vergingen die anderthalb Stunden die ich noch warten musste im Flug. Vollgefressen mit Würstchen und ein bisschen besäuselt vom bereits genossenen Wein pilgerte ich zum Gate mit der Nummer welche sich auf meinem Flugschein befand. Eine stattliche Anzahl von Fluggästen warteten schon auf Einlass. Bald darauf ertönte eine Glocke und die abgesonderten Gäste der ersten Klasse konnten eintreten in das Flugzeug, es war ein winziges Grüppchen. Danach wurde die Businessklasse aufgerufen mit meiner Wenigkeit.

Ich nahm Platz auf meinem luxuriösen Polstersitz. Er war gross und breit mit eingebauter Massage für (fast) alle Körperteile und einem eigenen Fernseher. Ich bekam ein Paar Bettsocken, eine Wolldecke und einen Beutel mit Reissverschluss. Der Beutel enthielt eine Zahnbürste, Zahnpaste und noch eine weitere Auswahl an Dingen für die Körperpflege. Der Sitz hatte Motorantrieb und man konnte ihn vom Stuhl bis zum Bett in alle Lagen bringen. Nachdem ich es mir so richtig bequem gemacht hatte gedachte ich ein Nickerchen zu machen aber daraus wurde nichts. Kaum hatte ich es bequem da kam eine sehr hübsche Thai und fragte mich nach meinen Wünschen. Ich schaute sie lange an, lächelte und bestellte mit meinem fürchterlichen Englisch einen Tomatensaft. Der Tomatensaft war noch nicht unten da kam die Dame schon wieder mit einem Zettel welcher sich als Speisekarte entpuppte. Es galt das Nachtessen, das Morgenessen und das Mittagessen anzukreuzen. Neben mir sass eine jüngere flotte Dame. Sie kannte sich scheinbar mit fliegen gut aus, lachte mich an und half mir das Essen auszusuchen. Es war gar nicht so einfach, denn die Auswahl war beachtlich. Inzwischen wurde der Abflug vorbereitet. Wir schnallten uns an und die Flugbegleitung demonstrierte was wir zu tun hätten falls das Flugzeug explodiert, abstürzt oder auf Tauchstation geht. Niemand interessierte es, denn wir warteten auf das Nachtessen.

Die Turbinen jammerten eine Runde, es rumpelte und darauf drückte uns eine eiserne Faust in die Sitze. Wir stiegen auf in den Nachthimmel und bald sahen wir unten nur noch ein paar Lichtlein vom Flughafen und kurz darauf war der Flughafen nur noch eine vage Erinnerung. Thailand wir kommen.

Nun wurde mit Wägelchen das Essen serviert, es duftete köstlich und so schmeckte es auch. Zum Essen lies ich mir einen guten Bordeaux einschenken. Ein Glas reichte allerdings nicht für das gute Essen. Zum krönenden Abschluss gönnte ich mir noch einen Kaffee und einen Cognac… das war’s dann vorerst.

Ich begann eine Konversation mit meiner Nachbarin zu meiner Linken. Wie ich herausfand war sie Immobilienmaklerin und reiste jeden Monat einmal nach Thailand. Sie lebt in Zürich wie sie mir erzählte und arbeitete für eine grössere Firma. Die Flugbegleiter verteilten Wasserflaschen für die Nacht. Wir machten unsere Sitze flach und ich versuchte zu schlafen. Gott sei Dank schnarchten nur zwei der Anwesenden so dass ich gut schlafen konnte… mehr oder weniger. Es war natürlich nicht ein Bett wie ich es von zu Hause gewohnt war sondern eine gute Notlösung. Einige male wachte ich auf aber im Grossen und Ganzen war es ein ruhiger Flug. Früh am Morgen um sechs Uhr wurde das Frühstück serviert, gut und reichlich. Ich liebte es zuzuschauen wie draussen die Wolken vorbei zogen und wie unter uns die Landschaft dauernd wechselte. Ich sprach ein bisschen mit meiner Nachbarin und schlug die Zeit mit Lesen tot.

Die Flugbegleiter teilten schon die Formulare aus für die Einwanderungskontrolle am Thailändischen Zoll. Da ich die Hälfte mit meinem Superenglisch nicht so gut verstand musste mir meine Nachbarin wieder unter die Arme greifen. Nach dieser Aktion gab es die Zollfreien Artikel zu kaufen, wie immer. Alles war überteuert und ein Kauf lohnte sich kaum. Asser vielleicht Zigaretten und Parfum. Ich brauchte beides nicht.

Gegen zwölf Uhr wurde das bestellte Mittagessen serviert, natürlich wieder mit einem guten Tröpfchen Wein… oder auch zwei. Das Essen war wirklich hervorragend. Nur der nachfolgende Kaffee liess sehr zu wünschen übrig. Den halben Becher liess ich stehen und spülte den Geschmack  mit einem Orangensaft herunter. Kaum war das Geschirr abgetragen wurde im Lautsprecher bekannt gegeben dass wir in einer halben Stunde in Bangkok landen werden. Was ich zu sehen bekam war gewaltig. Von oben gesehen schien Bangkok unendlich gross mit seinen geschätzten siebzehn Millionen Bewohnern.

Die Landung verlief ruhig und ich packte meine sieben Sachen zusammen und verliess das Flugzeug. Die Crew stand am Ausgang und verabschiedete uns. Es war als würde ich einen Dampfkochtopf betreten und ich entledigte mich schnell aller Kleider die nicht unbedingt notwendig waren und platzierte sie auf meinem Koffer.

Zum ersten Mal stand ich also in der Ankunftshalle des Flughafens Suwanaphumi oder wie auch immer er genau heisst. Ich sah sofort, auch in Thailand sind sie nicht überall von gestern, alles war supermodern. Ich stellte mich in die lange Schlange der Ankömmlinge und hielt meinen Pass in der Hand. Es ging alles ein bisschen langsam aber die Leute warteten alle geduldig. Es gibt kein Gedränge und Gemetzel wie ich es von anderen Flughäfen kannte und trotzdem stand auch ich bald vor dem Häuschen der Passkontrolle. Die Dame aus dem Häuschen faucht mich freundlich an und zeigt mit dem Finger auf den Boden. Aha, das waren zwei Füsse aufgemalt und ich soll mich darauf stellen, denn ich wurde fotografiert. Sie schaute meinen Pass und mich an, knallt einen Stempel drauf und scheucht mich weiter. Hier war alles überdimensional und dazu noch auf  Thai beschriftet. Die englischen Schilder musste man schon suchen und ich mit meinem pseudoenglisch und Computerenglisch hatte so meine Schwierigkeiten. Ich suchte die Gepäckausgabe aber ein Laufband reiht sich an das andere, schier unendlich. Gott sei Dank konnte ich meine nette Reisebegleiterin vom Flugzeug fragen die gerade angetrippelt kam. Das Laufband der Thai Airways war ganz hinten und versteckt, das hätte ich wohl erst am nächsten Tag gefunden. Nun, mein Koffer war bald da und ich schlich durch die Passkontrolle, wenn ich etwas gefragt werde, antworte ich mit Schweizerdeutsch und die Sache hatte sich schnell erledigt. Nach der Passkontrolle hatte es reichlich Leute, welche, wie ich annahm auf irgendwen warteten. Weit weg sah ich ein Schild auf dem stand MEETING POINT und dort zog es mich auch magisch hin. Am Rande der wartenden Menge entdeckte ich Passamontr und war ehrlich erleichtert. Das Notfallszenarium, wohin, wenn ich Passamontr nicht finde würde, fiel aus. Wir begrüssen uns distanziert, wie das in Thailand so üblich zu sein schien. Kein Geschmuse und Gefingere wie bei uns... leider. Ich gab ihr meine Orchidee welche ich im Flugzeug bekommen hatte und sie freute sich scheinbar darüber   ...auch das weiss man bei einer Thai nie sicher, denn man sieht ihnen nie an was sie wirklich denken.

Gemeinsam suchten wir den Ausgang aus dem Flughafen, das war gar nicht so einfach bei dieser Grösse. In den Gängen gab es Laufbänder welche wir benützen konnten. Es müssen hunderte wenn nicht tausende von Meter sein, denn das Ende einer Halle, und es hat davon mehrere, war jeweils kaum oder gar nicht zu sehen.  Wir fanden den Ausgang, aber schon traf mich der nächste Schock. War es in der Halle relativ kühl und klimatisiert so traf mich nun der heisse feuchte Atem des hiesigen Klimas wie ein Hammer. Es war als hätte mich jemand durch die Türe in eine Sauna geschubst. Aber das Leiden war von kurzer Dauer. Passamontr dirigierte mich zu einer Reihe von Taxis und begann gleich eine rege Diskussion über den Fahrpreis. Ihrem Kopfschütteln war zu entnehmen dass der Preis nicht akzeptiert wurde. Als sie aber nickte wurde mein Koffer eigeladen vom Driver und wir stiegen hinten ein, wie das in Thailand so üblich ist.

Was nun kam wäre ein eigenes Kapitel wert. Wir rasten zuerst über die Stadtautobahn. Ja, wir rasten, denn wo auf den Tafeln sechzig stand hatten wir hudert und mehr drauf. Merke: der Auto fahrende Thai kennt keine Angst… Buddha passt schon auf. Gefahren wird wie in England links, überholt wird links und rechts, wo es eben gerade Platz hat. Sicherheitslinien werden hier mehr als Dekoration betrachtet. Nicht verwunderlich dass es täglich mehrere Verkehrstote gibt. Nach etwa einer Stunde erreichten wir die Innenstadt und der Horror erreichte seinen Höhepunkt. Ich bin ja auch kein zimperlicher Autofahrer, aber hier kann man das Fürchten lernen, wenn man den Verkehr nicht gewohnt ist. Einspurig, zweispurig, dreispurig, vierspurig, links und rechts überholen mit Volldampf und als der Driver dann noch sein Handy zückt um mit seiner Freundin zu palavern  ist es Zeit, die Augen zu schliessen. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir unser Hotel River Side. Den Namen trägt es zu Recht. Der grosse alte Kasten liegt direkt am Fluss bei einer Schiffsstation. Die braunen Wassermassen wälzen sich am Hotel vorbei gespickt mit schlanken Thaibooten und mit Lastenkähnen. Im Takt kommen die Kursschiffe welche hier den Autobus ergänzen. Die verschiedenen Linien haben verschiedenfarbige Fähnchen am Bug oder auf dem Dach, so kann man sie gut unterscheiden wenn man sich denn auskennt. Im Wasser schwimmen ganze Teppiche von grünen Wasserpflanzen und der obligate Plastikabfall.

Das Hotel war wirklich ein riesiger alter Kasten mit 14 Stockwerken. Er wirkte vornehm, veraltet und roch innen ein bisschen muffelig wie Omas Sofa früher. Die Empfangshalle war gross, ausstaffiert mit allerhand Firlefanz und auf der rechten Seite gab es eine lange Empfangstheke mit vier hübschen Damen welche sich um die vielen Gäste kümmerten. Nun, wir waren hier nicht im HILTON dafür war der Preis aber  recht günstig. Unser grosses Doppelzimmer im achten Stock kostete etwa vierzig Franken pro Nacht, das ist auch für Bangkok sehr billig. In unserem Zimmer angekommen packte ich erst mal meinen Koffer aus und stellte mich unter die Dusche. Ich wechselte meine Kleider gegen ein paar kurze Hosen und Sandalen dann pilgerten wie wieder in die Hotelhalle und liessen uns ein Taxi kommen. Passamontr wusste ja, dass ich Steine, Bilder und Antiquitäten liebe und so führt sie mich zum Chatuchak Weekend Markt der immer samstags und sonntags geöffnet ist. Wer in Bangkok zu Besuch ist, sollte sich den riesigen Markt nicht entgehen lassen. Ein absolut riesengrosses Chaos, das aber irgendwie doch geordnet abläuft. Es war eigentlich fast wie eine Kleinstadt mit etwa siebentausend Verkaufsständen und es gab meistens so viele Leute dass eine unerträgliche Hitze herrschte die nur ab und zu von einem Ventilator gemindert wurde. Man gewöhnte sich aber mit der Zeit daran aber dann war es auch noch eng so dass man Platzangst bekommen könnte. Dazu kam noch, dass es ein richtiges Abenteuer ist, was man da alles finden kann. Die Preise sind immer verhandelbar und ein guter Rabatt ist allemal möglich wenn man geschickt verhandelt und so tut, als wolle man wieder davonlaufen. Wer denkt dass hier nur billiger Schrott verkauft wird täuscht sich gewaltig. Hochwertige Kunstobjekte und Schmuck vom Feinsten kann man hier auch finden. Hier habe ich meine ersten Sternrubine aus Myanmar, früher Burma, gekauft. Es war mein erster Einkauf hier und so wurde ich auch prompt über den Tisch gezogen. Recht geschieht dem doofen Ausländer.

Ich machte mit Mooki also Bangkok unsicher. Es gab viel zu sehen und alles war neu für mich. Ich liebte es in Bangkok mit dem Taxi herum zu gondeln, denn hier ging niemand zu Fuss wenn er nicht musste. Die Taxis hatten meistens eine gute Klimaanlage und teuer waren sie nicht wirklich für uns Ausländer. Für die Einheimischen natürlich schon. Für die Lebensmüden gab es noch Motoradfahrer welche ihre Dienste anboten. Es war die billigste und schnellste Transportvariante, aber nicht ganz ungefährlich bei diesem Verkehrschaos. Ich probierte auch die Tucktuck aus. Ein Tuktuk sieht aus wie eine Mischung zwischen einem Leiterwagen und einer  fahrbare Gartenlaube. Das Gefährt ist meistens allseitig offen, hat links und rechts eine Sitzbank und vorne sitzt der Fahrer wie auf einem Moped. Dieser boxt sich im Slalom rücksichtslos durch den Verkehr ohne vorhandene Verkehrsregeln einzuhalten. Sie halten es wie Donald Trump „ Tuktuk first“.

Am nächsten Morgen, nach einem gewöhnungsbedürftigen Frühstück im Hotel welches vor allem für Chinesische Gäste zugeschnitten war fuhren wir in eins der grossen Warenhäuser. Die Ungetüme heissen hier Shopping Mall. Das Kaufhaus war gigantisch, es war eine Stadt in der Stadt. Auf fünf  Stockwerken reihten sich die Läden aneinander. Es gab unendlich viele Geschäfte die ihre Waren anboten. Durchaus auch im Luxussegment. Ich deckte mich mit ein paar leichten Hemden ein, denn die würde ich noch brauchen. Nach einer ausgiebigen Einkaufstour  fuhren wir mit der Rolltreppe in den vierten Stock wo sich viele Restaurants befanden. Wir betraten ein Restaurant das bekannt war für gutes Essen, wenn auch nicht ausgesprochen billig sondern eher Schweizer Preise. Es gab ein Salatbuffet und ein Buffet für den Nachtisch, alles vom feinsten. Wir bestellten als Hauptgang ein Steak vom Grill mit Gemüse und Nudeln. Dazu bekam ich ein kaltes Bier und Mooki geeistes Wasser da sie ja keinen Alkohol trinkt. Das Mittagessen war wie schon gesagt nicht billig aber ein kulinarischer Traum. Eine Stunde später verliessen wir das Lokal vollgefressen und zufrieden. Wir mussten leider zurück ins Hotel um einen Koffer zu packen. Mooki hatte mich in Phuket auf der Perlenfarm grossspurig als Schweizer Geschäftsmann und Perlenkäufer angemeldet. Ich war sehr gespannt auf den Ausflug. Sehr früh am nächsten Morgen bestellten wir uns ein Amerikanisches Frühstück mit Speck, Eier, Schinken  und Toast. Anschliessend sausten wir mit dem Taxi zum Inlandflughafen wo wir auch zügig abgefertigt wurden. Zwanzig Minuten später sassen wir schon in einem kleineren Flugzeug Richtung Phuket. Es war schön aus dem Fenster zu schauen und zu sehen wie die Landschaft an uns  vorbei zog. Der Flug dauerte nicht lange und wir konnten in Phuket das Flugzeug verlassen. Auf dem Flughafen war etwas los und man sah gleich dass wir in einer Touristenmetropole gelandet waren. Überrascht  war ich sehr als wir aus dem Flughafengebäude traten.  Vor dem Flughafengebäude wartete eine grosse schwarze Limousine der Luxusklasse und ein adrett gekleideter Chauffeur. Er hielt einen Karton in der Hand mit meinem Namen drauf. Wir gaben uns zu erkennen und der Chauffeur meinte er hätte den Auftrag uns abzuholen, also stiegen wir ein. Wir fuhren scheinbar in einen Aussenbezirk von Phuket. Nach einer nicht allzu langen Fahrt hielten wir vor einem modernen niederen Gebäude. Es war der Hauptsitz der Perlenfarm.

Man führte uns ins Allerheiligste und der Direktor der Farm begrüsste uns herzlich. Man offerierte uns kalte Getränke und wir tauschten Höflichkeiten aus. Wir sprachen über den Perlenhandel allgemein und ich bemerkte schon dass der Direktor schauen wollte ob ich auch eine kleine Ahnung von Perlen hatte. Als ich ihm aber ein paar fundamentale Fragen über Perlen stellte schaute er schon ein bisschen dumm aus der Wäsche. Er konnte ja nicht wissen, dass ich drei Wochen zuvor beim Gemmologischen Institut in Basel einen Fachkurs über Perlen besucht hatte. Ich konnte beim Thema Perlen also durchaus mitreden.

Nach unserem Gedankenaustausch nahm uns der Chauffeur in Empfang. Wir fuhren irgendwo an den Strand wo ein Motorboot auf uns wartete. Mit dem Boot fuhren wir in die Lagune hinaus. Wir sahen die grosse Perlenfarm schon von weitem. Es war ein riesiges Floss mit vielen angebauten Stegen. Der Aufseher führte uns auf der Farm herum und zeigte uns alles. Zuerst betraten wir ein Gebäude mit grossen Tischen. Hier sassen Thaifrauen welche die Muscheln operierten. Sie pflanzten an bestimmten Stellen Keramikkügelchen oder auch Schalensplitter oder Kunststoffteile ein, um welche die Muscheln dann ihre Perlenmasse ablagerten, Schicht für Schicht. Die Muscheln hingen dann an langen Schnüren im Wasser bis zur Ernte. Es gab auch einen Fisch Zoo.

In Gitterbecken wurden verschiedene Meerestiere gehalten als Attraktion. Wir bekamen einen Topf mit kleinen Fischen und durften sie Füttern. In einem Gehege befand sich ein sehr grosser flacher Fisch. Der Aufseher hielt einen Besenstiel aus Holz in das Wasser. Der Fisch kam angeschossen, es gab einen Knall wie bei einer Explosion und dem Stiel fehlte ein Stück. Diesem Fisch möchte ich im Wasser nicht begegnen.

Nachdem wir nun alles besichtigt hatten auf der Perlenfarm fuhren wir bei strahlendem Wetter wieder zurück mit unserem Kapitän. Mit der Luxuskarosse ging es wieder zurück in die Perlenfirma wo uns der Direktor schon ungeduldig erwartete. Wir rühmten natürlich seine Perlenfarm, denn so viel wusste ich schon, ein Thai verträgt keine Kritik. Es gab aber auch nichts zu kritisieren an dieser schönen und interessanten Farm. Es war wirklich eine wunderschöne Anlage. In der Hoffnung, dass wir tüchtig einkaufen würden führte uns seine Assistentin in den Verkaufsraum. Es war eine Art Halle mit vielen Tischen auf denen Berge von Perlensträngen sich stapelten, alle nach Preis und Qualität sortiert. Es war ein riesiges Angebot aber ich musste bald feststellen, dass nicht alle Perlen von der Farm waren. Besser gesagt die wenigsten. Es gab viel Importware aus China, meist Süsswasserperlen. Ich wanderte zuerst lange den Tischen entlang, dann begannen wir mit dem Einkauf. Ich kaufte billige, mittlere und teure Perlen, aber nichts aus China. Ich zupfte jeweils die schönsten Stränge aus den Bündeln und bald hatten wir eine ansehnliche Kollektion beisammen und ich war  um ein paar Tausender leichter. Auch ein Dutzend schöne Ohrstecker wanderten in meine Tasche. Ich war zufrieden mit meinem Kauf und der Direktor scheinbar auch. Bei einem kühlen Drink verabschiedeten wir uns und versprachen in einem Jahr wieder zu kommen. Zurück im Hotel konnten wir uns endlich von den Strapazen erholen. Für den nächsten Tag hatten wir noch eine Inselrundfahrt mit dem Schiff gebucht. Abgesehen davon dass es für meinen Geschmack überall zu viele Touristen hatte war der Ausflug wunderschön. Er dauerte den ganzen Tag. Am Abend waren wir müde aber um viele Eindrücke reicher. Wir traten am nächsten Tag den Rückweg wieder an. Mit unseren gekauften Perlen trafen wir am nächsten Tag wieder in unserem Hotel ein, breiteten die Perlen auf dem Bett aus und erfreuten uns an ihrer Schönheit.

Tagsüber waren wir immer ein bisschen unterwegs in Bangkok. Mooki führte mich in einen Laden mit einer grossen Auswahl an Steinschmuck. Ich kaufte ein wie ein Weltmeister den die Preise waren günstig und ich konnte obendrein noch handeln. Es gab natürlich viel billige Massenware aber etwa ein Drittel des Angebots waren wirklich hochwertige Steine. Anfangs versuchte der Besitzer mir minderwertige Ware unterzujubeln. Aber als ich meine Edelsteinlupe auspackte liess er es dann bleiben. Ich kaufte etwa einhundert Kettenstränge und liess sie mit kleinen Preisen für den Zoll beschriften. Dann wurde alles eingepackt mit Lieferschein und der nette Mann schickte das Paket direkt in die Schweiz an meine Adresse.

Mooki meinte, sie müsse mir unbedingt noch Chinatown zeigen. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Das Gedränge war so gross dass ich das Gefühl hatte in einen Ameisenhaufen gefallen zu sein. Ich musste höllisch aufpassen dass ich meine Freundin in dem Gewusel nicht verlor. Hier wurde einfach alles angeboten was man sich vorstellen kann. Stoffe, Plastikartikel, Medizin, Gewürze und Essen. Ich kaufte mir eine grosse Ginseng Wurzel als Souvenir. Als wir vom Herumlaufen müde waren betraten wir ein kleines Restaurant. Es gab hier Spezialitäten wie Haifischflossensuppe. Als Tierschützer kam diese für mich nicht in Frage aber das restliche Essen war delikat. Zum Schluss gab es noch einen feinen Jasmin Tee und eine gesalzene Rechnung. Aber es war ein Erlebnis das ich nicht mehr missen möchte. Allein die hier herrschenden Gerüche in Chinatown von kotzübel bis himmlisch wohlriechend waren einmalig. Wir besichtigten noch verschiedene Sachen in Bangkok und Umgebung dann neigten sich meine Ferien leider schon wieder dem Ende zu. Vor der Heimreise besuchte ich nochmals die Strasse mit den Steinläden. Ich hatte ein kleines Geschäft gesehen welches feine Ketten aus Diamanten verkaufte. Das Geschäft war eine richtige Schatzhöhle. Ich überlegte lange aber dann kaufte ich vier feine Diamantketten in verschiedenen Farben. Sie waren wunderschön und ich konnte sie später im Laden gut verkaufen und die Kundschaft wollte noch mehr.