Glück gehabt

 

Nun, wenn man als Mann älter wird kann es schon vorkommen, dass man mit dem urinieren ein bisschen Probleme hat und der Wasserstrahl nicht mehr über das Bahngeleise reicht wie früher.

Mir ging es jedenfalls nicht anders musste ich leider feststellen. Der Hausarzt meinte bei meinem letzten Besuch, mein Prostatawert, auch PSA genannt, sei gestiegen, wenn auch nicht alarmierend, man müsse ihn im Auge behalten. Aber wie es eben so ist, man schiebt jeden Besuch beim Spezialist so lange vor sich hin wie es eben geht. Kaum einer mag es wenn ihm der Arzt auf gut deutsch mit dem Finger im Arschloch herum bohrt um die Prostata zu kontrollieren ausser man sei denn schwul. Es tut nicht weh aber man geniert sich eben ein wenig, ich besonders.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es mit dem urinieren immer schlechter ging und besuchte zwei Monate später den Hausarzt abermals. Als er mir die neuen Blutwerte vorlegte meinte er, es sei vielleicht doch mal an der Zeit einen Spezialisten aufzusuchen um die Angelegenheit genauer zu prüfen. Bei mir kam keine wirkliche Freude auf und beim nächsten gemeinsamen Mittagessen mit meinen Freunden brachte ich die Angelegenheit auf den Tisch. Beide berichteten mir einstimmig, dass Dr. Frei in Basel der richtige Mann sei für mich. Obwohl der Hausarzt nicht zur Eile drängte, wollte ich die Angelegenheit so schnell wie möglich erledigen und vom Tisch haben denn die Vorstellung liess mich nicht mehr los, es könnte etwas ernstes sein. Ich meldete mich also telefonisch in der Praxis an und vereinbarte einen Termin. In der darauffolgenden Woche am Mittwoch stand ich morgens um neun Uhr in einer hochmodernen Praxis mitten im Zentrum von  Basel. Ein älterer freundlicher kleinerer Herr stellte sich vor mit Dr. Frei und dieser fragte mich einen Haufen Zeugs. Ich war nicht ganz bei der Sache denn mir schwante schon jetzt nichts Gutes. Meine Prostatawerte seien zu hoch meinte er und überhaupt machen wir jetzt ein paar Röntgenaufnahmen. Eine sehr hübsche Assistentin machte Röntgenaufnahmen, das entschädigte mich ein bisschen für die beklemmenden Gefühle welche sich schon wieder einstellten. Ich wartete anschliessend im Warteraum bis die Bilder fertig waren. Ihre Prostata ist wirklich sehr gross, meinte er. Das gefällt mir gar nicht. Wir sollten eine Biopsie machen. Beim Wort Biopsie wurde mir leicht schwindlig denn ich wusste, dass er mir was herausoperieren oder herauszwicken wollte. Er sah mir wohl an dass ich alles andere als frohen Mutes war, meinte aber, die Untersuchung sei überhaupt nicht schmerzhaft und so vereinbarte ich mit ihm widerwillig einen Termin in der nächsten Woche. Ich mag mich noch erinnern, dass ich bis zu diesem Termin jeden Abend meine zwei oder drei Gläser Wein trank um die Gedanken einen Moment zu vertreiben was da auf mich zukommen könnte, denn man hat ja so seine üblen Fantasien, ich besonders.

Eine Woche darauf , wieder am Mittwoch, trabte ich wieder an bei Dr. Frei in der Praxis und harrte der üblen Dinge die da kommen sollten. Freudlos folgte ich ihm zu einem Röntgengerät und er plazirte mich auf dem vorderen Rand eines Stuhls. Seine Assistentin, eine ältere freundliche Dame kam ebenfalls mit einer Art Harpune, welche er mir flux hinten rein steckte. Es machte klack und es zwickte ein wenig, tat aber wirklich nicht weh. So ging das vierzehn mal bis er alle gewünschten Proben hatte. Ich zog meine Hose schnell wieder an und verliess die Praxis im Stechschritt. Ich fühlte mich nicht besonders gut, denn das Resultat der Proben war ungewiss. Ich vegetierte nun drei Tage lustlos vor mich hin, mit jeweils weiteren 3 Gläser Wein am Abend, bis der neue Termin fällig war. Ich kann mich nicht mehr erinnern ob ich den Wein noch mit einem Whisky nachspülte aber möglich gewesen wäre es schon. Mit dem Tram fuhr ich wieder zum Aeschenplatz und schleppte mich zur Praxis hoch in den ersten Stock. Ich musste auch nicht lange warten bis Herr Dr. Frei mich in sein luxuriöses Büro bat. Ich nahm Platz  und er kramte in einem Haufen Papier. Nun, sagte er kurz angebunden, sie haben Krebs. Acht der vierzehn Proben sind positiv. Mir wurde zum zweiten mal schwindlig in dieser Praxis. Wenn wir sofort operieren haben sie eine gute Chance zu überleben. Wären sie sechs Monate später gekommen wäre es zu spät gewesen. Innerlich verfluchte ich meinen Hausarzt der alles auf die leichte Schulter nahm. Die Tatsache dass ich Krebs hatte traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel und ich musste mich zuerst erholen bis zur nächsten Konsultation. Für mich hatten immer nur andere Leute Krebs, aber doch nicht ich. Ich liess mich aber gleich voranmelden in einem guten Privatspital mit Namen Bethesta, dort wollte mich Dr. Frei operieren, er war Belegarzt in diesem Spital und auch noch in einem anderen. Ich bekam eine lang anhaltende Hormonspritze die das Wachstum der Krebszellen blockierte und wartete dann eben auf den Operationstermin.

Eine Woche vor dem anberaumten Operationstermin hatte ich eine Besprechung mit dem Anästhesisten. Er erklärte mir, dass eine Narkose im Rückenmark gemacht werde. Ich machte ihm klar, dass dies für mich nicht in Frage käme, denn ich hätte gelesen, dass nach einer solchen Narkose Patienten gelähmt waren. Diese Narkose kam für mich nicht in Frage, Routine hin oder her. Er brummelte irgend etwas und meinte dann aber er hätte früher mal Narkosen mit einem Methadongemisch gemacht, das hätte ganz gut funktioniert. Da kam bei mir Freude auf und ich unterschrieb den Papierwisch für die Narkose. Sollte ich nach der Narkose nicht mehr aufwachen hatte ich ja auch keine Probleme mehr.

 

Nun, die Zeit schlich immer langsamer dahin, wie zäher Honig. Ich wollte die Sache möglichst schnell hinter mich bringen, wie auch immer, ohne Rücksicht auf Verlust. Es waren lange Abende so allein. Ich schaute viel Fernsehen und brachte meinem Weinkeller arge Verluste bei, mein sonst so guter Appetit dagegen hielt sich in Grenzen.

Endlich war es so weit, ich gab Marlis und meinem Freund Kurt  je einen Hausschlüssel, damit sie die die Blumen giessen und die Post aus dem Kasten nehmen konnten. Marlis ist die Freundin meiner früheren Frau. Ein bisschen exzentrisch aber ausserordentlich zuverlässig. Auch Kurt ist sehr zuverlässig und nimmt alles sehr genau so dass ich manchmal denke er hätte die Genauigkeit erfunden. Wie dem auch sei, mein Haus war bei den beiden in den besten Händen.

Meine Goldschmiedin arbeitete weiter wie bis anhin.

Am nächsten Nachmittag holte mich Kurt mit seinem blitz blank geputzten Lexus ab. Alles war wunderbar nur das Reiseziel passte mir gar nicht aber das interessierte niemanden. Viel zu schnell waren wir am Ziel beim Bethesta Spital. Eigentlich sah es mehr wie ein Luxushotel aus und war auch dem entsprechend eingerichtet aber das Endziel war eben noch immer der Operationssaal.

Ein Schwester zeigte mit ein schönes Einzelzimmer mit einem grossen Panoramafenster zum Park. Ich verabschiedete mich Kurt, zog meinen frisch gebügelten Pijama an, legte mich mit meinem Krimi ins Bett und harrte der Dinge die da kamen......und sie kamen. Zuerst kam Dr. Frei und teilte mir mit dass er mich am nächsten Morgen operieren werde aber das heiterte mich in keiner Weise auf. Kaum hatte er die Türe hinter sich geschlossen kam eine Krankenschwester und zapfte mir eine Spritze voll Blut ab. So ging es nun Schlag auf Schlag. Am Schluss kam noch der Anesthesiearzt und erkundigte sich nach meinem befinden. Endlich kam wieder eine hübsche Krankenschwester und brachte mir eine Speisekarte wie im Hotel. Neben diversen Speisen gab es auch Bier und Wein, unglaublich. Ich bestellte mir also ein feines Tellerchen und ein Glas Wein.

Nach einer unruhigen Nacht in welcher ich nicht viel geschlafen hatte weil mir dauernd etwas durch den Kopf ging wurde es endlich Morgen, wie jeden Tag.

Um neun Uhr wurde ich samt Bett in den Operationssaal verfrachtet, nicht ohne vorher in den Genuss eines Spitalnachthemdes zu kommen, welches hinten offen war. Eine OP- Schwester montierte mir EKG- Elektroden und verpasste mir eine Spritze von welcher mir schnell schummerig wurde. Den Narkosearzt nahm ich auch noch wahr, so im Halbschlaf. Er montierte mir eine Infusion und dann war es auch schon finster, aber nicht lange.

Ich schwebte bald in einem riesigen dunklen Raum ohne Grenzen. Um mich herum war ein ganz feiner Nebel, durchsetzt mich kleinen Lichtpünktchen. Ich hatte absolut kein Zeitgefühl den es gab keine Zeit mehr. Ich hatte keinen Körper mehr aber sehen konnte ich ausgezeichnet. Es war ein ubeschreiblich schönes Gefühl, es stand alles still, man hörte nichts, ich war einfach da. Ob der Zustand zehn Sekunden oder hundert Jahre gedauert hat, ich hätte es nicht sagen können. Das musste der Himmel sein oder ein weit entfernter Platz im Universum. Ich hatte den Wunsch hier zu bleiben für immer.

Irgendjemand rief meinen Namen und berührte meinen Arm und somit war ich wieder in der diesseitigen Welt, was mich irgendwie irritierte. Die vorherige Welt hatte mir wesentlich besser gefallen und ich wäre gerne geblieben für immer. Auf jeden Fall schaute mich eine OP- Schwester besorgt an und fragte mich....wie geht es ihnen. Es geht mir gut sagte ich, es ist mir noch nie so gut gegangen, denn ich hatte weder Kopfweh noch sonst Schmerzen und ich fühlte mich wie neu geboren.

Später verstand ich die Sorge der Schwester als man mir erzählte, ich sei für lange Zeit praktisch klinisch tot gewesen. Das ist auch der Grund dass ich vermutete, im Himmel oder was wir uns eben als Himmel vorstellen gewesen zu sein. Wie gesagt, ich wäre gerne dort geblieben und wenn das wirklich unser Himmel war, können wir uns nur darauf freuen. Seit ich dort war, betrachte ich den Tod nicht mehr als Katastrophe oder Gegner.

Ich musste mich also wieder mit dieser Welt anfreunden und stellte auch bald fest, dass ich mit Schläuchen und Kabel versehen war und das nicht zu knapp. Ich sah aus wie eine Laborratte. Das Gekabel schränkte meine Bewegungsfreiheit schon ein und wir mussten uns arrangieren, die Kabel und ich. In meinem Penis steckte ein Schlauch, den nannten sie Katheter und an dessen Ende gab es einen Plastikbeutel zum sammeln des Urins. Links und rechts in meinem Bauch steckte auch ein dünner Schlauch, sie dienten zum Ableiten der Flüssigkeit aus der Bauchhöhle. Die Beutel hingen links und rechts am Bett und waren nun meine ständigen Begleiter. Zum Essen gab es nur jeweils ein bisschen Griessbrei, da meine Verdauung noch nicht arbeitete. Trinken durfte ich soviel ich wollte, ich sollte sogar viel trinken. Das Trinken war praktisch denn am Ende war das Beutelchen welches alles sammelte. Eine Nacht musste ich noch zur Kontrolle auf der Intensivstation bleiben also betrachtete ich intensiv die hübschen Krankenschwestern.

Am nächsten Tag schob mich ein guter Geist wieder in mein schönes Zimmer ans Panoramafenster. Ich versuchte ein bisschen zu lesen aber es war mir zu anstrengend, ich lese auch sonst nie im Bett. Also schaltete ich die Musik ein vom Radio und ebenso den Fernseher. So vergingen die Tage, zwar langsam, aber sie vergingen. Bereits am nächsten Tag kam eine Schwester von der Physiotherapie und selbige komplementierte mich aus dem Bett. Von nun an gab es täglich ein Fitnesstraining das sich gewaschen hatte. Atemtraining mit einer komischen Plastikmaschine in welche ich möglichst lange und stark hineinblasen musste, sie erinnerte mich an den HAU DEN LUKAS am Jahrmarkt nur dass ich eben an Stelle von schlagen blasen musste. Da war auch noch der tägliche Langstreckenlauf, mindestens zwanzig Meter und das alles mit einem dofen Gestell mit Rädchen, an welchem meine Beutelchen hingen.

Jeden zweiten Tag besuchte mich Doktor Frei, welcher mich operiert hatte. Er freute sich an meinem Zustand und auf sein bevorstehendes Honorar. Nun, ich mag es ihm gönnen. Er hat wirklich gute Arbeit geleistet wie es scheint. Ich hatte ja noch einen Leisten- und einen Nabelbruch. Der nette Chirurg dachte sich, wenn wir ihn schon offen haben reparieren wir das auch gleich und er baute mir ein Nylonnetz in den Bauch, so dass jetzt alles wieder am richtigen Ort ist und mein Bauchnabel nicht mehr aussieht wie eine abgebundene Leberwurst. Allerdings hat das Schlitzohr der Krankenkasse das Aufschneiden zweimal verrechnet und das bescherte ihm grossen Ärger.

Am Nachmittag des dritten Tages schaue ich vergnügt durchs grosse Panoramafenster. Die Sonne scheint warm durchs Fenster herein und ich betrachte aus langer Weile die Wolken und Wölklein welche dauernd ihre Form ändern. Hunde, Katzen, Fabelwesen, alles ändert sich dauernd. Ich schaue dem Wolkenspiel zu da ändert sich plötzlich etwas. Von links her beginnen sich die Wolken einzufärben vornemlich in violett und rosa. Die Farben waren so schön und intensiv wie ich sie in der Natur noch nie gesehen hatte, ich verstand nicht, was los war. Ich schaute in meinem Krankenzimmer an die Wand, alles wie vorher. Ich betrachte die Wolken und die Farben erscheinen wieder. Ich glaubte ich spinne. Ich klingelte nach der Krankenschwester welche auch sofort erschien. Ich fragte sie, was die Wolken für eine Farbe hätten. Sie schaut mich verstört an und sagt ... weiss, wieso. Ich mache ihr mühsam klar, dass meine Wolken farbig waren... und wie. Sie schaut mich besorgt an und meint ich solle mehr trinken und kontrollierte meinen Blutdruck, dann verschwand sie wieder. Ich schütte einen halben Liter Mineralwasser in mich hinein aber es ändert nicht an der äusseren Farbgebung. Wieder klingele ich nach der Krankenschwester welche wieder umgehend erscheint. Sie erzählt mir, dass sie die Geschichte dem Narkosearzt erzählt hätte und dieser hätte furchtbar gelacht ob den pink Wölklein.

Ich fand das überhaupt nicht lustig und befahl ihr sie solle im ausrichten er möge bitte seinen Hinterteil in mein Zimmer bewegen. Und wirklich, nach einer Stunde endlich tauchte der Arzt grinsend auf. Als ich ihn abr fragte ob meine Halluzinationen Ueberbleibsel von seiner Methadonnarkose seien verging ihm das Lachen. Er meinte, nach vier Stunden sei alles abgebaut im Körper. Er zündete mit einem Lämpchen in meine Augen und stellte mir diverse Fragen welche alle keine befriedigende Antwort erbrachten. Dann hatte er aber eine gute Idee. Er bat mich, meine Sonnenbrille aufzusetzen und siehe da, der Farbenzauber verschwand nach kurzer Zeit und wir hatten die Antwort. Der sehr starke UV-Anteil welcher durch das Panoramafenster meine Augen traf, regte mein Gehirn zur Produktion von Morphinen an welche Halluzinationen bewirkten. Ich behielt also meine Sonnenbrille auf und der Zauber war beendet. Fast schade könnte man sagen, denn ich habe in meinem Leben noch nie so schöne intensive Farben gesehen. Es würde mich interessieren ob die Drogenabhängigen welche Methadon bekommen auch so schöne Farben sehen.

Die Zeit in meinem Spital- Hotel ging schnell zu Ende. Ich bekam ab und zu Besuch so dass mir nie langweilig wurde und der Tag des Austrittes näherte sich. Meine Verdauung kam wieder in Gang und ich genoss jeden Tag das hervorragende Essen und den guten Wein. Die zwei Schläuche in meinem Bauch wurden jeden Tag ein Stück weiter herausgezogen und ende Woche waren sie nur noch Geschichte. Die Löcher wurden mit zwei Pflaster abgedichtet und das wars dann.

Mehr Probleme machte die Entfernung des Katheters denn meine Harnröhre  hatte sich entzündet und ich hatte furchtbare Schmerzen, so dass ich kaum Wasser lassen konnte. Ich bekam zwar Schmerzmittel aber die waren viel zu schwach. Ich verlangte ein stärkeres Medikament aber die Krankenschwestern durften mir das passende nicht geben, da gerade kein Arzt anwesend sei. Da platzte mir aber der Kragen und ich schrie die Krankenschwester an in welchem Saftladen sie denn arbeiten würde, sie solle gefälligst den Chirurgen zu Hause anrufen sonst würde ich Amok laufen. Das wirkte. Sie sah mich mit grossen Augen an, denn diese Seite von mir kannte sie noch nicht. Sie verschwand wie der Blitz und nach zwanzig Minuten kam sie mit ein paar sehr grossen Pillen. Ich schluckte schnell eine und nach weiteren zwanzig Minuten konnte ich wieder aufatmen und ich spürte fast nichts mehr auf dem Klo.

Nun, am nächsten Nachmittag holte mich mein Freund Kurt wieder ab im Spital und es ging nach Hause, nicht ohne meine Megapillen im Gepäck. Zuvor schenkte ich jeder Krankenschwester ein schönes Pashmina- Halstuch verpackt in einer schönen Tragtasche meines Geschäftes. Aus Dankbarkeit für die gute Pflege bekam der Anästhesist, welcher erst kurz vorher geheiratet hatte, von mir einen Sternrubin aus Burma welchen ich mit anderen Rubinen kurz zuvor aus Thailand mitgebracht hatte. Er freute sich sehr dar ob und versprach mir, seiner Frau einen Ring machen zu lassen.

Zu Hause angekommen musste ich zuerst einmal einen Grosseinkauf starten da ich nur noch Büchesenfutter am Lager hatte. Anschliessend briet ich mir ein Schnitzel und schaute, was der Weinkeller noch hergab. Die Auswahl war nicht mehr berauschend aber ich fand noch eine gute Flasche. Hurra, ich war wieder zu Hause und lebte noch.

Nun, die Sache war scheinbar doch nicht hundert prozentig ausgestanden. In der darauffolgenden Woche war eine Nachkontrolle fällig bei Dr. Frei und er machte mir gleich klar, dass ich noch bestrahlt werden müsse und zwar drei mal die Woche mit hochenergetischer Gammastrahlung um etwaigen Krebszellen welche noch vorhanden sein könnten zu beseitigen. Seine Vorzimmerdame vereinbarte auch gleich einen Termin mit dem Klaraspital und eine Woche später hatte ich eine Besprechung mit Professor Kolb, dem Leiter der Röntgenabteilung. Der Professor war ein sehr netter intelligenter Herr welcher mir alles anhand einer Computersimulation erklärte und da ich eh keine grosse Wahl hatte unterschrieb ich einen Stoss Formulare und meiner Bestrahlung stand nichts mehr im Weg. Drei Tage später lag ich das erste mal unter der riesigen Strahlenkanone zur Vermessung. Der Scanner lief mit lautem Getöse und mir wurden Markierungen auf die Hüftknochen tätowiert damit sie mich jedes mal exakt unter der Kanone positionieren konnten. Es war schon langweilig, jede Woche drei mal in den Spital zu pilgern um mich dann für zwanzig Minuten unter die Maschine zu legen aber Gott sei Dank hatte ich meinen Freund Kurt. Man sagt ja, wer Feunde hat braucht keine Feinde, aber ich war heilfroh, dass mich Kurt jeden zweiten Tag in das Spital fuhr, eine halbe Stunde tot schlug bis ich fertig war um mich anschliessend wieder nach Hause zu fahren. Da kann ich nur sagen Kurt sei Dank. Die Behandlung war schmerzlos aber machte mich immer müde.

Es tat mir nichts weh aber innwendig wurde ich halt doch ein bisschen angebruzzelt. Nun, die Therapie war schneller überstanden als ich zu hoffen wagte. Nach meinen dreissig Bestrahlungen ging ich wieder zur Kontrolle und Dr. Frei meinte.....die nächsten zehn Jahre sollten sie nun Ruhe haben, die spezifischen Messwerte für Krebs zeigen nichts mehr an. Ich war ausser mir vor Freude denn zwischen Tod und Leben war nur noch eine schmale Kluft gewesen.

Für den Rest meines Lebens will ich nur noch Gutes tun nach Möglichkeit. Auch wenn meine eigene Tochter nicht mehr mit mir redet bin ich doch froh, dass ich eine mausearme Thai mit Tochter heiraten werde. Ich werde bis an mein Lebensende und noch darüber hinaus dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt.

Vor dem Tod habe ich auch keine Angst, ich war ja schon ein paar Stunden tot. Ich denke ich habe das was wir Himmel nennen gesehen habe und es hat mir gut gefallen. Ich werde mich an der restlichen Zeit welche mir noch bleibt erfreuen und nicht unnützen Gedanken nachhängen und nicht mehr dem Geld nachrennen. Geld ändert nichts im Leben auch wenn manche Leute das Gegenteil behaupten, denn es ist die Zeit die wir nicht kaufen können.