My home is my castle

„My home is my castle“ schrieb irgendein bekannter Dichter und er hatte nicht ganz unrecht. Vor allem nicht ganz unrecht wenn man dauernd Zoff hat so wie meine Frau mit ihrer Mutter die ja auch schlussendlich meine Schwiegermutter ist. Ich komme zwar recht gut aus mit ihr aber irgend wo hat sie schon eine Meise im Kopf. Der Schwiegervater ist eine Marjonette welcher sich von seiner Frau herumdirigieren lässt. Er ist aber literarisch sehr gebildet. Er liest dauernd in seinen Sparbüchern am Wochenende.

Die Schwiegermutter leidet unter krankhaftem Geltungsdrang und sie würde selbst das Klo  vergolden, wenn es denn nur alle Nachbarn sehen könnten.

Als es mit den Reibereien immer schlimmer wird planen wir ein Haus zu bauen, auch wenn wir eigentlich das Geld dazu nicht haben. Schulden haben wir aber auch keine im Moment und so ist unsere Lage nicht hoffnungslos und träumen darf man schliesslich. Die Pensionskasse meiner Firma vergibt zur Zeit Bauhypotheken zu sehr günstigen Bedingungen. Wir bitten also alle unsere Freunde, sich für ein geeignetes Grundstück umzuschauen welches wir uns auch leisten können.

Onkel Eduard horcht bei seinen Kollegen herum und der Schwiegervater verspricht auch, sich umzusehen. Allerdings stellt  sich später heraus, das alles nur leere Versprechungen waren, denn der Schwiegervater wollte gar nicht, dass wir bei ihm wieder ausziehen, dieser falsche Fünfziger. Mit seinem Beruf als Verkäufer von Beschlägen für Türen und Fenster kennt er jeden Schreiner in der näheren und weiteren Umgebung und es wäre für ihn ein leichtes gewesen ein passendes Grundstück zu finden, aber eben....der edle Mann denkt an sich selbst zuletzt. Das Komma kann jeder machen wo er will bei diesem Satz.

Nun, meine Frau Edith hat eine Freundin deren Vater Baumeister in Hägendorf  ist. Hägendorf war mal ein reines Bauerndorf und hat sich zu einem Neubaugebiet hochgerappelt. Sie ruft also selbige Dame an, diese spricht mit ihrem Vater und schon können wir ein paar Grundstücke besichtigen.Wir kommen auch bald ins Geschäft mit dem Baumeister. Dafür dass er die Baumeisterarbeiten ausführen darf, verkauft er uns ein schönes Grundstück am Sonnenhang in Hägendorf. Es gibt auch komische Zufälle in diesem Dorf. Hat doch der Baumeister zufällig einen Freund der Architekt ist und die beiden sind Mitglied im gleichen Schützenverein und somit sollen wir es also mit diesem Architekt versuchen. Das wäre also auch geregelt und nun geht es an die Planung. Es ist nicht so einfach ein Haus zu planen wenn das Geld eine Rolle spielt, jeder will etwas anderes und ich muss alles unter einen Hut bringen. Die Schwiegermutter will ein Schloss zum angeben, damit jeder sieht was wir haben (oder eben nicht). Meine Frau schwärmt für ein Haus mit einer offenen Galerie im Wohnzimmer, das ist gerade grosse Mode und ich möchte eine grosse Werkstatt im Untergeschoss. Also setzen wir uns mit dem Architekten zusammen und einigen uns auf ein Konzept. Ich weiss eigentlich nicht mehr genau, auf was wir uns wirklich geeinigt haben, denn der Architekt schenkte immer wieder nach von seinem hervorragenden Calvados und nach einer Stunde oder auch zwei war ich so besoffen, dass ich eh alles unterschrieben hätte und ich torkelte nach Hause in der Gewissheit, dass mein grösstes Problem noch vor mir liegt, nämlich die Beschaffung des Geldes. Meine Firma, besser gesagt deren Pensionskasse finanzierte nur achzig Prozent der Baukosten, das heisst, mir fehlten noch achtzigtausend Franken. Also woher sollte ich diese nehmen ohne zu stehlen??

Ich, nicht faul, fragte den Architekten, ob er den Kostenvoranschlag ein bisschen frisieren könne oder besser gesagt um hundertfünfzigtausend Franken erhöhen. In der nicht unberechtigten Hoffnung auf ein gutes Geschäft ging er sofort auf den Vorschlag ein und ich konnte nun guter Dinge meinen getürkten Kostenvoranschlag bei der Pensionskasse einreichen.

Nach dem ich, wie vorauszusehen war, von der Pensionskasse grünes Licht bekam, scheuchten wir den Baumeister auf und vierzehn Tage später frass sich schon der Bagger durch unser frisch erworbenes Grundstück und machte ein riesiges Loch für das zukünftige Fundament. Nebst den Bauverträgen für diverse Handweker haben wir auch, (Gott sei gepriesen) eine Bauversicherung abgeschlossen. Eigentlich reute mich das Geld aber ich hatte eben schon unterschrieben. Anders sah es nach zwei weiteren Wochen aus, als es plötzlich zu regnen begann wie aus Kübeln und auch nicht mehr so schnell aufhörte. Alle Bautätigkeiten standen still und eines morgens rief mich meine Frau im Geschäft an und teilte mir aufgeregt  mit, dass der grösste Teil der Baugrube eingestürzt sei. Nun war ich aber froh ob der Versicherung,welche für den ganzen Schaden und für noch ein bisschen mehr aufkam. Der Regen suchte sich bald einen anderen Platz und die Arbeiter reparierten die Baugrube und begannen mit dem betonieren des Fundamentes. Ein Haus zu bauen ist schon eine aufregende Sache, vor allem, wenn man keine Ahnung davon hat, so wie wir. Gott sei Dank hatte der Cousin meiner Frau kurz vorher ein Haus gebaut in der Nachbargemeinde Kestenholz, so dass wir ein bisschen von seinen Erfahrungen profitieren konnten. Jede freie Minute waren wir nun unterwegs um Fenster, Türen, Bodenplatten, Heizkörper und vieles andere auszusuchen. Die Auswahl war aber meistens so gross, dass man schlussendlich einfach etwas bestellt von dem man denkt es könnte passen. Wir mussten kostengünstig bauen und so überlegten wir, was wir wohl selber an Arbeiten erledigen konnten und da kam schon einiges zusammen, zumal ich handwerklich ziemlich geschickt bin. Meine Frau war sich auch nicht zu fein einen Farbpinsel in die Hand zu nehmen oder den Hammer zu schwingen. Dach isolieren, Täferarbeiten, Malerarbeiten, Platten verlegen und so weiter. Nebst meiner Arbeit im Geschäft war das ein ganz schön harter Brocken Arbeit. Fast jeden Abend, besser gesagt jede Nacht, Samstag und Sonntag mit eingeschlossen abeiteten wir auf der Baustelle. Meine Frau versorgte daneben noch den Haushalt und unsere zwei kleinen Kinder. Sepp, mein alter Freund und gleichzeitig Maler von Beruf, unterstützte uns jeden Abend und meistens auch noch am Wochenende bei der Arbeit. Wir arbeiteten oft bis ein- oder zwei Uhr morgens und tranken Unmengen von Bier und Kaffe mit Apfelschnaps. Meine Frau fuhr jeden Tag auf die Baustelle um zu kontrollieren ob alles seine Richtigkeit hat. Bald stellte sich heraus, dass der Architekt nicht zu den besten gehörte und der Baumeister war leider auch nur Mittelklasse. Der Polier seinerseits sass am liebsten in der Baubaracke und trank Bier. Meine Frau machte ab und zu Kontrolle auf der Baustelle und scheuchte den faulen Polier aus seiner Baracke.

Beide, Architekt und Baumeister waren zwar korrupt aber nicht besonders kompetent. Dafür schaufelten sie sich gegenseitig alle Bauaufträge der Gemeinde zu, auswärtige Unternehmer wurden einfach nicht zugelassen. Es waren mafiöse Verhältnisse.

Eines Abends betrat ich den Rohbau und besichtigte die neu erstellte Betondecke im Obergeschoss. Was ich sah freute nicht einmal mich als Laien. In der Betondecke waren riesige Kiesnester zu sehen weil die Arbeiter zu faul gewesen waren den Zement richtig zu vibrieren. Ich rief den Architekten an aber der meinte nur dass dies die Festigkeit nicht beeinträchtigen würde. Ich traute der Gilde nicht mehr und rief kurzer Hand den Statikingenieur an. Als dieser am nächsten Morgen die Bescherung sah machte er ein grimmiges Gesicht und rief seinerseits den Baumeister an. Das Gespräch war laut und unfreundlich wenn ich das so sagen darf. Auf jeden Fall waren die Arbeiter am Nachmittag mit dem Presslufthammer tätig und rissen die marode Betondecke wieder weg.

Der Vorarbeiter war der Meinung die Baugrube rund ums Haus sei dazu da um den Unrat wie Plastikabfall und leere Gebinde zu entsorgen. Ich machte ihm klar dass das bei mir nicht geht und stellte ihm ein Ultimatum. Ich gab ihm zwei Tage Gelegenheit den Abfall zu entsorgen oder ich würde meine Zahlungen sofort einstellen. Wie mir andern Tags schien hatte er die Warnung begriffen.

Mit dem Fertigstellen des Rohbaues kamen die Zimmerleute und montierten den Dachstock. Bald stellten wir fest, dass der Architekt sich verrechnet hatte und die Dachbalken falsch verteilt waren. Es war zwar nur ein Schönheitsfehler aber er störte mich, doch es liess sich nichts mehr ändern.

Mit der Fertigstellung des Dachstocks war nun die „...Aufrichte...“ fällig, das Fest der Arbeiter. Und ich muss sagen, sie haben sich keine Blösse gegeben. Sie haben gegessen und getrunken wie die Weltmeister, vor allem getrunken. Hätten diese auch so gearbeitet, wäre das Haus wohl in der halben Bauzeit fertig geworden. Wir bekamen viele Geschenke zur Einweihung, nützliche und auch weniger nützliche. Aber in unserer Baugrube war ja wieder Platz für allerhand Dinge. Weiberheld Max, mein Widersacher und Hausfreund brachte meiner Frau einen Engel aus der alten Glocke der Kirche von Mels, da er ja Direktor in einer Giesserei war. Meine Frau liess die Figur im Fries über dem offenen Kamin einmauern. Hätte ich zu dieser Zeit schon alles über Max gewusst hätte ich ihn an Stelle der Glockenfigur eingemauert oder noch lieber an den Firstbalken des Dachstocks genagelt.

Nun, die Arbeiten gingen gut voran. Ich verlegte Fliesen, ich täferte Decken, ich malte, schraubte und sägte und das alles zusammen mit der guten Seele Sepp. Edit malte Täfer und Dachbalken mit einer Farbe welche Xyladekor hiess. Diese war so giftig dass meine Nachmieter noch an gesundheitlichen Problemen litten.

Wir legten einen schönen Garten an, die meisten Bäume klauten wir im Wald, dort standen sie eh zu dicht und unsere finanziellen Mittel waren langsam am Ende. Man konnte bereits sehen, es würde ein wunderschönes Haus werden. Alles ging langsam dem Ende entgegen. Die Arbeiten, meine Nerven, mein Geld und meine Gesundheit, aber wen interessierte das schon. Mit Störungen des vegetativen Nervenzentrums war alles erklärt und auf einen Nenner gebracht. Die Zeiten welche nun folgten waren ein Wechselbad zwischen Glück, Frust, Himmel und Hölle.

Zu eben dieser Zeit war unser Neubau in Hägendorf  in vollem Gang. Handwerklich nicht ganz ungeschickt machten wir vieles selbst soweit es den Innenausbau des Hauses und den Garten betraf. Für unsere zukünftige Villa hatten wir eine offene Galerie geplant, so dass man später im Innern des Hauses vom ersten Stockwerk direkt ins Wohnzimmer hinunter sehen konnte. Für eben diesen Innenbalkon oder diese Balustrade benötigte ich ein Geländer damit niemand von dieser herunterstürzen konnte.

Es kam mir nun zugute, dass ich in Basel des Abends jeweils für eine Maschinenfabrik die elektronischen Steuerungen baute, einerseits weil ich das Geld gut gebrauchen konnte und anderseits weil mir diese Arbeit Spass machte und sehr interessant war. Ich fragte also den Fabrikbesitzer, Suter Alois  hiess er, ob er mir wohl eine grössere Menge Profileisen verkaufen würde und ob ich dieses in seiner Fabrik zu einem Geländer zusammenschweissen dürfte. Herr Suter hatte nichts dagegen und so rückte ich am nächsten Abend mit Hansruedi, meinem Feinmechaniker und Arbeitskollegen in der Fabrik an und wir sägten und schweissten, bis das Geländer soweit fertig war, dass wir es auf der Baustelle nur noch eingiessen und anmalen mussten. So bestiegen wir in Basel spät abends an der Holleestrasse unser Auto und brausten Richtung Olten davon. Viel Verkehr gab es damals noch nicht auf der neu erbauten Autobahn von Basel nach Egerkingen und so kamen wir zügig voran. „Komm noch schnell zu mir nach Hause auf einen „Kaffe fertig“  lud ich Hansruedi ein und er war trotz der späten Stunde nicht abgeneigt mein Angebot anzunehmen. „Kaffee fertig“ ist eine Schweizer Spezialität welche vor allem in der Innerschweiz gerne getrunken wird. Man nimmt  ein Glas mit einem Stiel und gibt mindestens zwei gehäufte Kaffeelöffel Zucker hinein. Danach gisst man so viel Kaffee auf den Zucker, bis man den Zucker von oben nicht mehr sieht, dann wird mit Apfelschnaps aufgefüllt, bis man den Zucker von oben wieder sieht. Der Kaffee ist bei diesem Getränk die unwichtigste Komponente aber die Mischung schmeckt ausgezeichnet und hat es in sich.

Wie dem auch sei, nach einer mehr oder weniger ruhigen Autofahrt kamen wir bei mir zu Hause an, wobei ich feststellte, dass Edith, meine Frau, nicht zu Hause war. Nun ja, wir setzten uns ins Wohnzimmer und ich braute in der Küche zwei „Kaffee fertig“. Hansruedi sass schon auf der Polstergruppe und ich setzte mich dazu.

Während wir redeten und unseren hochprozentigen Kaffee schlürften drehte ich mal meinen Kopf hin zur Gang Türe, welche offen stand. Eigentlich war das Rechteck der Zwischentüre nur ein schwarzes Loch, da im Gang kein Licht brannte, aber plötzlich stand Edith in der Türe und schaute mich an, ohne etwas zu sagen. Sie trug eine neue, hübsche Frisur und einen eleganten Pelzmantel, welchen ich noch nie an ihr gesehen hatte und mich nicht erinnern konnte ihn gekauft zu haben mit meinem knappen Budget. Hansruedi machte eine Bemerkung zum Kaffe und ich wendete mich ihm wieder zu.  „Na, Edith scheint endlich zu Hause zu sein“ sage ich und rief:“ Hallo Edith, komm doch auch und trink etwas mit uns!“. Keine Antwort ….. ich schaue wieder zur Gang Türe, aber Edith steht nicht mehr dort. Ich finde es sehr unhöflich, seine Gäste nicht einmal zu begrüssen und so mache ich mich auf den Weg Richtung Gang, um Edith zu holen. Nichts ! Ich verstehe die Welt nicht mehr. Erst noch stand Edith in der Türe und nun konnte ich sie in der ganzen Wohnung nicht finden. Hansruedi meinte, er hätte Edith nicht gesehen. Kurzerhand stelle ich mich ans Wohnzimmerfenster. Von hier aus sah ich auf die Strasse, auf die Parkplätze der gegenüberliegenden Strassenseite wo wir normalerweise unsere Autos parkierten. Aber Fehlanzeige, nichts war zu sehen. Ediths Auto stand nicht da wo es üblicherweise steht wenn es nicht on the road ist. Ich glaube, ich spinne sagte ich zu meinem Kollegen Hansruedi.

Ich setze mich wieder zu Hansruedi und wir diskutieren noch über die anstehenden Arbeiten im Geschäft. Plötzlich höre ich auf der Strasse ein Auto vorfahren. Das ist doch Ediths Auto denke ich, denn das Motorengeräusch kannte ich und siehe da zwei Minuten später trat sie auch schon ins Wohnzimmer und begrüsst uns fröhlich. Ich fand die Situation überhaupt nicht lustig. Mir stockte der Atem und die Haare standen mir zu Berg. Sie hat eine neue schöne Frisur und sie trug eben den eleganten, schwarzen Pelzmantel, welchen ich vor zwanzig Minuten samt ihr im Türrahmen gesehen habe. Es war der absolute Horror. Ich musste eben erst gerade in die Zukunft gesehen haben. Dieses Gefühl war so furchtbar, dass es mir eine Scheissangst einjagte. Ich möchte das nie wieder erleben ….. aber mein Wunsch sollte sich leider nicht erfüllen. Auf jeden Fall erzählte ich den beiden, so gut ich konnte, was sich soeben ereignet hatte.

Edith gab zu, dass sie direkt von Maxen‘s Sauna kam (was auch immer das hiess und was sie dort getrieben haben mochten) und dass sie vor zwanzig Minuten das Gefühl hatte, sie müsse unbedingt nach Hause. Den besagten Pelzmantel hatte sie von Max bekommen, ein wirklich teures Stück. Aber zu einer Edelmätresse gehört schliesslich auch ein edler Mantel, wenigstens das habe ich nun endlich begriffen. Wir sollten uns vielleicht noch ein Hündchen zulegen. Edith ist eine sehr schöne Frau, die Männer drehen sich überall nach ihr um und mir wurde klar, dass es mit meinem introvertierten Charakter nur eine Frage der Zeit war, bis ich ernsthafte Konkurrenz bekam. Unsere Kinder hätten wirklich etwas Besseres verdient.

Die erste Konkurrenz kam eben in Form von Max. Mein Schwager und meine Schwägerin lernten Max auf einem Sonntagsspaziergang kennen. Er besass ein Ferienhäuschen auf einem Jurahügel mitten im Naturschutzgebiet. So ein Häuschen konnte man schon damals nur aufstellen wenn man gute Freunde bei der Regierung hatte. Heute ist das unmöglich. Es war ein Holzhäuschen mit einem Wohnraum und einem Schlafraum mit Kajüten-Betten sowie einem angebauten Lagerraum für das Feuerholz. Es gab keinen Strom aber eine eigene Wasserquelle nicht weit entfernt. Für das Licht gab es eine sehr helle Benzinlampe.

So wurstelten wir in unserer Ehe recht und schlecht weiter. Die letzten Bauarbeiten neigen sich dem Ende zu und der Umzugstermin von Olten nach Hägendorf stand bald vor der Türe.

Wir hatten noch ein bisschen was vom Baukredit übrig und so kauften wir uns noch zwei kleine Autos damit auch meine Frau und die Kinder mobil waren und wir die „ Ente“ unseren Freunden welche zur Zeit im Ausland weilten wieder zurückgeben konnten.

Meine Frau war eine hervorragende Köchin und wir hatten viel Besuch. Auch viel Besuch von Max welcher dauernd auftauchte, meist mit einer grossen Tüte mit getrüffelter Gänseleber, Chapagner und andere Köstlichkeiten welche wir uns nicht leisten konnten und nur vom Fernsehen kannten. Man muss unverblümt sagen, er kaufte uns Stück für Stück ein und ich wollte es allen recht machen. Wie immer und frass den Frust mit der Gänseleber in mich hinein und spühlte ihn mit dem Champagner herunter was mich auch nicht gesünder machte.

Dazu kamen die Schwiegereltern welche mir das Leben schwer machten. Sie schwärmten die ganze Zeit von ihrem andern Schwigersohn dem Herrn Professor. Er war aber nur Lehrer an der Handelsschule, hatte aber seinen Doktor gemacht an der Handelshochschule. Ich kam gut aus mit ihm, er war ein netter Kerl und sehr intelligent aber seine Frau, also die Schwester meiner Frau trieb ihn dermassen an um einen möglichst hohen gesellschaftlichen Status zu erreichen, dass er mir oft leid tat. Seine Frau Hildi hatte scheinbar den krankhaften Geltungsdrang ihrer Mutter geerbt. Ich tat mir auch leid denn meine Meinung war nie gefragt. Wenn ein Problem auftrat trat der Familienrat zusammen und der Herr Doktor sagte, was recht und falsch war. Ein zustimmendes Nicken war mir aber erlaubt.

Da war noch Viktor, der Sohn der Schwiegereltern und ewiger Student. Er lag seinen Eltern nicht nur auf der Tasche, er brachte es fertig bei fast jedem Familienfest seinen Vater so zu reizen dass die Fetzen flogen. Das Thema war meistens politischer Art und Viktor kannte die sensiblen Stellen seines Vaters exakt. Solche Familientreffen waren für mich immer die Hölle denn ich war mir solche Kämpfe nicht gewohnt und ich regte mich furchtbar auf, dass sich der Schwiegervater das alles gefallen liess nur weil sein beschissenes Söhnchen, dieses kleine Arschloch, studierte. Ich hielt mich also immer scheu zurück, bekam aber dar ob trotzdem ein halbes Magengeschwür. Wenn immer irgendwie möglich, machte ich einen grossen Bogen um diese Gemeinschaft. Jeder für sich war erträglich, aber alle zusammen waren wie ein Pulverfass mit brennender Lunte.

Ansonst erfreuten wir uns aber an unserem neuen Haus mit der offenen Gallerie die es uns erlaubte an Weihnachten einen vier Meter hohen Weihnachtsbaum aufzustellen. Ich hatte nun auch einen Rasen zu mähen und im nahen Wald holte ich mit den Kindern viel Brennholz um im Winter den Kamin zu heizen. Am nahe gelegenen Fluss holte ich grosse Steine und mauerte mir damit einen Gartengrill.

Das Haus war nun perfekt. Die Aussicht auf den Jura war wunderschön und wenn im Herbst der Nebel kam reichte das Nebelmeer manchmal genau bis an unsere Füsse wenn wir im Garten standen. An den Wochenenden war ich oft mit den Kindern im Jura underwegs mit Rucksack, Hammer und Meissel um Fossilien zu suchen. Alle waren zufrieden und wir freuten uns über jeden Fund.