Stefan muss sofort heiraten

 

„Bei mir ist es auf jeden Fall nicht passiert“, meinte meine Mutter und blickte meine zukünftige Schwiegermutter vorwurfsvoll an, wobei sie sich aber gewaltig täuschte mit dieser Aussage. Sie wusste ja nicht, was ich an jenem Mittwoch vor zwei Monaten spät Abends auf ihrem Sofa mit Edith so getrieben habe nachdem sie schon schlafen gegangen war. Ich schmuste mit meiner Edith und plötzlich gingen meine Finger auf Wanderschaft, wobei meine Hand dann plötzlich, ich weiss auch nicht mehr wie, zwischen ihren Beinen landeten und sofort hochkletterten, wo ich meine Forschungen weiter führte. Es gab da eine sehr feuchte Stelle und jedesmal wenn ich sie berührte zuckte Edith zusammen und gab seltsame Töne von sich was mich wiederum beflügelte meinen Zeigefinger tiefer in die vorgefundene Oeffnung zu stecken.  Auch ihre Hände wurden immer aktiver. Sie öffnete meine Hose und langte hinein und als sie meinen Stengel umfasste, war dieser schon so hart wie ein Hammerstiel. Mir wurde abwechselnd heiss und kalt und ich hatte plötzlich das Bedürfnis, die Aktion beschleunigen zu müssen und begann unter unserer Wolldecke welche uns als Tarnmantel diente, ihr den Slip herunter zu ziehen, was im ersten Moment gar nicht so einfach war, doch Edith entledigte sich selbst des überflüssigen Kleidungsstückes und zwar recht schnell. Edith hauchte mir ins Ohr dass es heute ungefährlich sei, was auch immer das heissen mochte, denn ich hatte wie gesagt von nichts eine Ahnung und abgesehen davon hatte ich im Moment andere Interessen. Ich hatte in dieser Beziehung nur sehr lückenhafte bis keine Kenntnisse, denn über Sex wurde bei mir zu Hause nie gesprochen und wie katholischer Sex funktionierte wusste ich nicht. Von wegen ungefährlich stellte sich später heraus dass dies eine gravierende Falschinformation war. Edith beschäftigte sich weiter mit meinem Penis was meinerseits meine Erregung ins Unerträgliche steigerte. Ungeachtet aller eventuell doch noch vorhandenen Gefahren und früheren Warnungen meines Onkel Eduards packte ich ihre beiden Pobacken und rammte  ihr meinen Penis zwischen ihre Beine und drang so tief ins sie ein, wie ich eben nur konnte. Ich rechnete mit einer heftigen Abwehr, aber eine Art Freudenschrei war die Antwort und ich bemühte mich fleissig weiter. Kurz darauf hatten wir keinen Orgasmus sondern es war eher eine riesige Explosion, vergleichbar mit einem Vulkanausbruch kombiniert mit einem Erdbeben. Für mich war dies der erste wirkliche Sex in meinem Leben, abgesehen von ein paar früheren erfolglosen Versuchen mit Freundinnen welche sich meist im Dunkeln abspielten, wo ich fast nichts sah und auch nicht so recht wusste, was eigentlich zu machen war und was man von mir erwartete. Mein Grundwissen bestand vor allem aus Warnungen und Verboten mit welchen ich ebenfalls nichts anzufangen wusste. Internet gab es noch nicht und in der einschlägigen Literatur kannte ich mich auch nicht aus, eben ein Hinterwäldler wie er im Buch steht. Auf jeden Fall hatte sich das Blatt nun zu meiner Freude gewendet. Wir blieben noch eine Weile ineinander verschlungen auf dem Sofa liegen, danach standen wir auf und verliessen das Sofa und das Haus meiner Mutter hastig.

Ich bewohnte zu jener Zeit ein Zimmer in Basel und zwar im Hotel Cavalier, wo wir uns ab sofort öfter trafen. Es war keine Luxusresidenz, aber zum Schlafen und vor allem für unsere Sexforschungen reichte es vollkommen aus und wir probierten alles aus was uns in den Sinn kam, wobei die Ideen eher von meiner Freundin kamen und wo sie diese alle her hatte......weiss der Teufel. Das Zimmer hatte auch den Vorteil, dass es keine Schlummermutter gab und ich war somit ausser Kontrolle. Nur die Putzfrau vom Hotel kam ab und zu, aber dann war ich meistens bei der Arbeit. Leider ergab sich für mich nun ein neues, schwerwiegendes Problem. Fast täglich telefonierte ich mit Edit und die Antwort auf meine Frage war immer die selbe: „Nein, ich habe meine Periode noch nicht bekommen“. Die bange Warterei zieht sich von nun an in die Länge bis mir Edith eines Tages mitteilt: Ich war beim Arzt, ich bin schwanger und du wirst Vater“. Die Überraschung war gelungen, ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Auf jeden Fall stand ich da, wie vom Donner gerührt. Mein Erster Versuch war also schon ein Volltreffer.

 Inzwischen sind einige Tage vergangen und der Bruder von Edith, die Plaudertasche Viktor, meldete den Betriebsunfall brühwarm meinen zukünftigen Schwiegereltern. Mein zukünftiger Schwiegervater war ein cholerischer Armleuchter, welcher zu Hause nichts zu sagen hatte, sich aber für den Mittelpunkt der Erde hielt. Er drohte mir, mich auf recht unfeine Art zu ermorden, falls er meiner habhaft würde. Auf jeden Fall wurde sofort der Badersche Familienrat wieder zusammengerufen, bestehend aus meinen zukünftigen Schwigereltern Ernst und Josephine, welche sich zum Geldadel des Quartiers zählten, dem Bruder von Edith, namens Viktor, ewiger Student und Querulant, welcher seinen Vater bei jeder Gelegenheit zur Schnecke machte und ihn provozierte wo er nur konnte, aber eben auch ein Gelehrter und somit unangreifbar war. Weiter Hildi, die Schwester von Edith, welche sich zu höherem berufen fühlte und sozusagen das Badersche Management in der Hand hatte. Ihr Mann Peter, genannt Professor, er war eigentlich nicht Professor sondern Lehrer an der Handelsschule in Olten, er war intelligent und hatte den Doktor der Wirtschaft an der Handelshochschule in St. Gallen erlangt. Was er sagte, war immer richtig und war als Gesetz zu betrachten beim Baderschen Clan, aber was zu sagen war, bestimmte seine Frau Hildi, die Frau Professor und ältere Schwester von Edith. Sie dirigierte und lamentierte lauthals in der Gegend herum und wenn ihr Status nicht ausreichend war musste der arme Peter in die gleiche Trompete blasen. Nicht zuletzt waren Edith und ich armes Würstchen vorgeladen und anwesend. Wir waren die einzigen, welche bei dieser Party nichts zu sagen hatten, denn wir beide waren finanziell eindeutig in der Minderheit.

Ohne lange Einleitung beschloss also der Familienrat, dass wir sofort zu heiraten hätten, weil das für uns das Beste sei. Im Gegenzug durfte ich meinem Schwiegervater „Papa“ sagen, was mich zutiefst bewegte. Meiner Schwiegermutter durfte ich dem zu folge „Mama“ sagen, damit war ich nun ein vollwertiges Mitglied des Familienrates, allerdings ohne Stimmrecht.

Darauf teilte Edith dem versammelten Gremium mit, dass sie nicht zu heiraten gedenke. Darauf brüllte mein Schwigi seine Tochter an und schimpfte sie eine verdammte Hure. Alle schrien durcheinander und es entstand ein fürchterliches Tohuwabohu und der Clan zerstreute sich darauf wieder in alle Richtungen.

                        Als ich meiner Mutter die frohe Botschaft mitteilte, war auch bei ihr nicht eitel Freude angesagt ob der Nachricht dass sie Grossmutter wird, aber sie erholte sich schnell von dem Schrecken und die Sache war für sie soweit in Ordnung, ich glaube sogar, dass sie sich ein bisschen freute.  Meine Mutter war trotz ihrer ultrakatholischen Erziehung sehr weltoffen, gebildet und grosszügig. Ihre Sorge galt nur uns und der Frage, wie wir unsere Zukunft gestalten wollten. Onkel Arnold lachte nur, als ich ihm die Geschichte erzählte und Onkel Eduard gratulierte uns zum bevorstehenden Nachwuchs. So verschieden sind eben die Leute.

Meine Angebetete zog darauf für eine Weile nach Lausanne denn sie hatte dort eine temporäre Arbeit als Kinderbetreuerin gefunden, standesgemäss bei einer sehr reichen Familie mit Villa und Park direkt am Ufer des Genfersees. Ich besuchte sie regelmässig und bekam dort eine Ahnung, was wirklich „reich“ heisst. Edith wohnte in der riesigen Villa am Seeufer, diese lag mitten in dem grossen Park. Wie ich erfuhr, besass die Herrschaft auch noch ein Schloss mitten in Paris und ich hätte mich nicht mehr gewundert, wenn es neben Versailles gelegen hätte. Ab und zu gingen wir am Ufer entlang des Sees spazieren. Es war wirklich ein schöner Fleck Erde, gemacht zum entspannen. Am späteren Nachmittag musste ich dann mit meinem Auto den Heimweg antreten. Es war zwar ein weiter Weg aber ich fuhr gerne mit meinem Auto und es war mir ein Vergnügen.

Edith wusste immer noch nicht, ob sie mich heiraten wollte oder nicht und dazu kam noch, dass sie in der Nähe von Solothurn mit einem Lehrer mit Rufnamen Urs befreundet war, für meinen Geschmack all zu gut befreundet. Ich malte mir in Gedanken alle möglichen und unmöglichen Situationen aus. Da ich nicht wusste was sie ausserhalb meiner Reichweite trieben war ich natürlich ausserordentlich eifersüchtig und war der Meinung, mindestens fünfzig Prozent Anspruch auf unser Kind und neunzig Prozent auf Edith zu haben. Und so litt ich unsägliche Qualen, konnte nachts nicht mehr schlafen und fragte mich dauernd: will sie mich….will sie mich nicht ? bis sie mich mich eines Tages anrief und sagte: „ich heirate dich!“ Mir fiel ein Zentnerstein von der Seele, ich war aber der lebende Beweis, dass die naiven Leute nie aussterben. Heute weiss ich inzwischen, dass meine Schwiegereltern dauernd auf ihre Tochter eingeredet, Zuckerbrot und Peitsche benutzt haben, um sie gefügig zu machen.

Schlussendlich hat Edith den Kampf wohl aufgegeben, nicht meinetwegen sondern ihretwegen und mit Aussicht auf ein einigermassen angenehmes Leben.

Einige Wochen später kehrte Edith zurück und wir begannen mit der Wohnungssuche. Da wir nicht gerade auf Rosen gebettet waren, entwickelte sich die Wohnungssuche zu einer längeren Aktion. Wir suchten eine Wohnung in Basel, aber die meisten Wohnungen waren sehr teuer. Schliesslich ging Edith aufs Sozialamt welches subventionierte Wohnungen vermietete und wir bekamen eine wunderschöne Wohnung mit drei Zimmern und einer Küche im Lehenmatt- Quartier. Die Wohnung lag in einem Hochhaus im elften Stock und direkt an der Birs, einem kleinen Flüsslein mit einer schönen Allee. Die Aussicht von der neuen Wohnung aus war atemberaubend. Man sah über die ganze Stadt bis nach Deutschland und Frankreich und der Mietzins war sehr moderat. Den Weg zur Arbeit konnte ich mit dem Bus zurücklegen. Am Abend wenn der Kleine schlief passte später manchmal die Tochter unseres Nachbars auf Christoph auf und wir konnten ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen.

 Da Edith mich nun heiraten wollte, traf der Familienrat wieder zusammen um eine standesgemässe Hochzeit zu planen, denn man wusste ja nie, was die Nachbarn so alles mitbekamen. Standesgemäss hiess möglichst protzig und so war man sich bald einig, dass der Rittersaal im Schloss Bottmingen genau der richtige Ort für die Zeremonie war. Mein Schwager Peter hatte im Nobelschloss Binningen geheiratet, das war noch eine Stufe teurer aber ich war ja auch nicht Professor.  Da Geld viele Wunden heilt wie ich damals noch meinte  und ich die Rechnungen nicht selber bezahlen musste war mir eben alles recht.

Wir schrieben stundenlang Einladungen, immer darauf bedacht, dass sich beide Verwandtschaften etwa die Waage hielten. Ich malte mit Tusche Platzkarten, für jeden ein passendes Bild und schrieb einen Spruch aus dem Buch von Willhelm Busch darunter. Anderntags bestellten wir beim Stadtpfarrer Räber in Olten das Aufgebot und die Schwiegereltern mobilisierten gleichzeitig Pater Renward, den Privatgeistlichen meiner zukünftigen Verwandtschaft, welcher von Zeit zu Zeit Spenden bezog; ich möchte hier nicht sagen, welchen sie eingekauft haben, wie alles, was man so braucht um besser dazustehen als die „gewöhnliche“ Menschheit. So kam der Tag der Wahrheit näher und näher und eines Morgens stand der geschmückte Autobus vor der Türe. Edith mit einem teuren, weissen Hochzeitskleid und ich mit einem Frack und schwarzem beschissenem Zylinder den mir mein Schwigervater verpasst hatte. Mit dem schwarzen Deckel auf dem Kopf fühlte ich mich eher als Magier und komische Figur denn als Hochzeiter. Aber der schmelzende Blick meiner Schwiegermutter sagte mir, dass alles in bester Ordnung sei (wohlbemerkt in ihrer Ordnung).

Vom Haus zum Autobus schritten wir ganz langsam damit die Nachbarn ja nichts verpassten. Wir fuhren zuerst in die Marienkirche, wo uns vor der Kirche die Hochzeitsgäste, die Gratulanten welche die Prüfung für eine Einladung nicht bestanden hatten und der Pfarrer und Pater Renward mit seinem Rauschebart erwarteten. In der Kirche versammelte sich die ganze Gesellschaft und Pater Renwart legte los mit seiner Ansprache. Eine absolut passende Strafpredigt für die Schwiegereltern. Er meinte unter anderem, dass es nichts bringt, gegen aussen mehr sein zu wollen als man in Wirklichkeit ist. Wie gesagt, der kirchliche Teil fand in Olten in der Martinskirche statt, Messe und Predigt hielt Kapuziner Renward, er trug einen mächtigen Rauschebart. Da er wohl unsere ganze Leidensgeschichte kannte war die Predigt deshalb gleichzeitig auch eine passende Strafpredigt für meine Schwiegereltern aber ob all ihrem Dünkel verstanden sie die Winke mit dem Zaunpfahl wohl nicht.

Wir alle, welche nicht mit dem eigenen Auto gekommen waren, bestiegen den schön geschmückten Autobus. Nach einer schönen Fahrt mit Bilderbuchwetter erreichten wir das Schloss Bottmingen im Baselbiet. Ich schritt mit meiner Holden über die Zugbrücke, begleitet von den Blitzlichtern der zahlreichen Fotografen, dann über die Turmtreppe hinauf in den Rittersaal wo uns schon das Einmannorchester bedrohte. Wir nahmen an der langen U-förmigen Festtafel den Ehrenplatz an der Stirnseite ein und das Festmahl begann. Das Essen war wirklich hervorragend und der gute Wein floss in Strömen. Wir hätten das Mahl auch sehr genossen, hätten nicht schon die ersten Gratulanten mit den Festreden begonnen, allen voran mein Chef, welcher sich mehr oder weniger selbst eingeladen hatte, mit seiner Frau natürlich. Er versicherte allen, was für ein netter Kerl ich sei (das Wort Trottel war ihm wohl im Gedränge entfallen)  und dass er schon auf mich achten würde, da ich ja keinen Vater hätte. Den Gästen kamen schier die Tränen vor Rührung, ich hätte ihn am liebsten für seine unpassende Rede erwürgt, den Graf von Bottmingen, denn so wurde er in Bottmingen genannt. Nach diesen mehrfachen verbalen Torturen war das Hauptgericht vorbei und unser Musikus begann, den gefürchteten Brautwalzer zu spielen. Ich versuchte also, meine Braut mit den Füssen niederzuwalzen, was mir auch einige male fast gelang. Darauf flüchtete ich mich auf das Klo und wartete solange, bis ich keine Musik mehr hörte. Pünktlich zum Nachtisch weilte ich wieder unter den Gästen. Wie bei den meisten Hochzeiten ging es weiter mit essen, trinken, reden, fotografieren und tanzen. Auch Kaffee, Zigarren und gebrannte Wasser wurden reichlich verteilt.

Langsam und unbemerkt kam der Abend und im festlich beleuchteten Rittersaal wurde das Dinner aufgetragen. Nachdem wir den heissen Schinken im Bierteig nieder gemacht hatten bis auf einen kleinen Rest Kartoffelsalat, begannen wir, unsere Hochzeitsgeschenke auszupacken, welche in Naturalien und in bar reichlich gespendet wurden, denn wer steht schon gerne als Geizkragen am Pranger. Um zwei Uhr morgens war der Rittersaal wieder fast leer und die letzten Gäste wälzten sich, sofern sie noch stehen konnten, nach Hause. Für die Alkoholleichen hatte man ein paar Taxis gemietet. Auch wir liessen uns heimfahren um zu schlafen. Die traditionelle Hochzeitsnacht hatten wir ja schon vorab eingezogen und so konnten wir erst einmal ausschlafen. Bald kehrte der Alltag wieder ein, ich musste wieder arbeiten, der Bauch von Edith wurde immer grösser und praller, meiner aber auch obwohl ich nicht schwanger war, denn Edith entpuppte sich als eine hervorragende Köchin. Kochen konnte sie ..... und wie.

Eines Tages rief sie mich im Geschäft an, ziemlich nervös. Aus Spargründen hatten wir alte Möbel vom Brockenhaus gekauft und Edith war daran, diese in der Küche abzulaugen und neu zu streichen. Als sich das Fruchtwasser in Form einer Pfütze auf dem Küchenboden sammelte, war es wohl an der Zeit, das Krankenhaus aufzusuchen wo sie nun auch weilte, immer noch mit Farbresten an Händen und Knien.

Ich eilte nervös ins Basler Frauenspital und suchte verzweifelt meine Frau. Eine mitleidige Krankenschwester steckte mich in eine weisse Kutte, gab mir weisse Überschuhe und schon unterschied ich mich nicht mehr gross vom Personal, welches überall herumrannte. Die Schwester schubste mich in den Gebärsaal, wo bereits Edith auf einem Schragen lag das Gesicht verzog und nach Luft schnappte. Zwei Aerzte und drei Krankenschwestern wuselten nervös um sie herum. Denn es war natürlich eine Geburt erster Klasse. Immer alles standesgemäss. Einer der Aerzte erklärte mir, dass mein Sohn die Nabelschnur um den Hals gewickelt hatte und alles müsse schnell gehen, da ihm sonst der Sauerstoff ausgehe. Also hielt ich meinem Weibchen die Hand und versuchte, nicht selbst zum Notfall zu werden. Alle redeten auf Edith ein, bis die Hebamme rief:“ der Kopf kommt „. Als der Oberarzt nach einer Spritze greift und diese hemmungslos in meine Frau bohrt, wohlgemeint an einer sehr empfindlichen Stelle, ja sozusagen an der empfindlichsten aller Stellen muss ich mich kurz abwenden. Die Schwester fragt mich, ob ich ein Problem hätte und ich sage tapfer nein. Da bereute ich meine Antwort schon. Der Oberarzt meinte, es sei ein bisschen eng und er greift nach einer Art Geflügelscheere. Dann tönt es, wie wenn man ein Hühnchen der Länge nach tranchiert und der Bösewicht fängt an, meine Frau ein Stück weit aufzuschneiden, natürlich wieder an der empfindlichsten Stelle. Dieses Geräusch geht mir heute noch nach und ich habe seither nie wieder eine Geflügelscheere angefasst.

Nun, unser Sohn war da und es war der schönste aller Säuglinge den ich je gesehen hatte. Die Schwester meinte, der Säugling sei schon recht, aber die Nase sei riesig und das werde einmal ein sehr intelligenter Mann (wer weiss?). Ihr könnt sie zunähen, meinte der Oberarzt und verschwand. Der Blutpegel meiner Frau wurde mittels zweier Blutbeutel wieder aufgefüllt und sie selbst ins Krankenzimmer gebracht um sich auszuruhen. Ich folgte der Krankenschwester in einen Nebenraum. Der Kleine wurde gewaschen, bekam ein Nabelpflaster und man rammte dem armen Kerl einen Plastikschlauch  durch den Mund in den Magen oder die Lunge, genau weiss ich es nicht mehr, dann wurde das restliche Fruchtwasser abgesaugt und der Schlauch wieder herausgezogen. Um die Tortur noch zu beenden stach ihn die Schwester noch in die Ferse um Blut abzuzapfen. Der Kleine schrie wie am Spiess.

Es war nun inswischen mittags zwölf Uhr geworden und zwei junge Ärztinnen fragten mich, ob ich mit ihnen essen gehen würde. Die Ärztinnen war ungemein hübsch aber mir war weder nach Hühnchen oder sonst noch nach essen zu Mut, ausserdem war ich ja immer noch verklemmt bis zum geht nicht mehr, aber mitgegangen wäre ich verdammt gerne. Nachdem ich mich mit einer fadenscheinigen Ausrede von den zwei Schönheiten verabschiedet hatte fuhr ich zurück ins Geschäft und ass mit meinen Kollegen in der Kantine. Nach Feierabend lud ich sie dann auf ein grosses Bier ein im Restaurant Drei Rosen. Wir feierten unseren Nachwuchs gebührend und es war schon dunkel als wir uns verabschiedeten.

Da Edith erster Klasse versichert war, musste sie noch ein paar Tage im Spital bleiben um den kleinen Christoph kontrollieren zu lassen und auch natürlich um dem Spital etwas zum verdienen zu geben. Am Freitag darauf konnte ich die beiden in Empfang nehmen und wir fuhren alle mit dem Taxi in unser neues Heim, Lehenmattstrasse 114 elfter Stock, wo eine schöne Wohnung und ein kleines Kinderbettchen auf uns wartete.

Der Alltag kehrte leider schnell wieder ein. Ich ging jeden Morgen wieder zur Arbeit und Edith kümmerte sich um den Kleinen. Zwischendurch, meist am Wochenende bekamen wir Besuch von Freunden und Bekannten. Die meisten unserer Nachbarn waren nett zu uns und die ältere Tochter einer Nachbarin hütete ab und zu unseren Nachwuchs gegen ein kleines Entgelt, so dass wir manchmal am Abend ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen konnten.