Meine Mutter kauft ein Haus und ich finde einen Freund

 

Meine Tante Elsi war ziemlich krank, die Arme. Der Chirurg musste ihr etwas herausschneiden, aber ich weiss nicht genau was. Es gab da Teile am und im Körper, die wurden, sofern sie unter der Gürtellinie lagen, in unserer Verwandtschaft nicht beim Namen genannt. Alle waren ja streng katholisch, ausser Tante Elsa. Sie war protestantisch und das war ein weiterer schwarzer Fleck in ihrem Reinheft von Mutter und Grossmutter aus gesehen. Jeden Sonntag wenn wir zur Messe gingen, folgte uns Onkel Eduard mit seinen beiden Jungs. Derweilen pilgerte Tante Elsi in die protestantische Kirche wo die „Heiden“ ihrem Gott huldigten. Warum Tante Elsi gerade ins Oltener Kantonsspital kam, das nicht unbedingt den besten Ruf hatte, weiss ich auch nicht genau. Es war eben nicht weit weg von ihrer Wohnung und Onkel Eduard konnte seine Frau nach der Arbeit umso öfter besuchen gehen. Auch meine Mutter konnte sie öfter besuchen, obwohl es wohl mehr Höflichkeitsbesuche waren, denn die beiden konnten sich im Grunde genommen nicht besonders riechen und so hielten sich diese Besuche in Grenzen.  Hatte Elsa doch meiner Mutter sozusagen den Bruder weggenommen und meiner Grossmutter den Sohn. Etwas Gutes hatte die Angelegenheit aber auf jeden Fall. Im gleichen Krankenzimmer wie meine Tante Elsa lag auch Frau Peier, die ganz in unserer Nähe wohnte und ein hübsches zweistöckiges Einfamilienhäuschen ihr Eigen nannte. Nachdem Tante Elsa wieder hergestellt war (wie ich erst später erfuhr man hatte ihr die Gebärmutter entfernt)  besuchte  meine Mutter weiterhin Frau Peier und es entwickelte sich so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Sie waren beide erzkatholisch und gingen in die gleiche Kirche in Trimbach. Eines Abends kam meine Mutter von der Arbeit nach Hause und erzählte mir, dass Frau Peier ihr angeboten hätte, das obere Stockwerk ihres Häuschens zu mieten und dass sie, falls sie sterben sollte, meine Mutter das Häuschen für einen passablen Festpreis kaufen könnte. Ich war natürlich von dem Vorschlag begeistert, aber wie immer wenn es um Geld ging, traute meine Mutter der Sache nicht. Und so gab es ein längeres Hin und Her. Meine Mutter war in Geldsachen übervorsichtig, da sie mit selbigem ihr Leben lang sorgfältig umgehen musste. Ich dagegen war schon risikofreudiger, erst recht wenn es nicht um mein eigenes Geld ging. Das Tauziehen ging so eine Zeitlang hin und her aber Gott sei Dank konnte ich mich wenigstens diesmal durchsetzen und meine Mutter ging auf den Handel ein, wenn auch mit sehr gemischten Gefühlen, endlosen Bedenken und voraus gegangenen Diskussionen. Bei unserer Bank in Form einer Hypothek Schulden zu machen fand sie widernatürlich und über Schulden redete man zur damaligen Zeit sowieso nur hinter vorgehaltener Hand. Aber nach einem Besuch bei unserer Hausbank sah die Sache schon ganz anders aus. Es gelang dem Bankangestellten die Bedenken meiner Mutter zu zerstreuen und er meinte einer Hypothek in dieser geringen Höhe stehe nichts im Weg. Kurz darauf fand jedenfalls der Umzug statt und da wir nicht gerade mit irdischen Gütern gesegnet waren, hielt sich der Aufwand in Grenzen. Ich fühlte mich in dem Häuschen sofort heimisch, auch wenn ich als Lehrling in Basel wohnte und nicht all zu oft zu Hause war, eben nur an den Wochenenden. Ich hatte inzwischen in Basel ein Zimmer gemietet, was mir erstens ein gewisses Mass an Narrenfreiheit und zweitens einen kürzeren Arbeitsweg bescherte.Vor allem der Kontrolle meiner Mutter zu entgehen war es die Sache wert. Früh aufstehen war noch nie meine Stärke gewesen und so genoss ich es sehr, am Morgen eine Stunde länger schlafen zu können. Ebenfalls genoss ich es, nach Feierabend mit meinen Kumpels in der Stadt herumzuziehen, ein Bier zu trinken oder auch zwei und gleichzeitig den hübschen Mädchen nachschauen zu können. Um konkretere Kontakte zu knüpfen war ich eindeutig zu scheu, ein Hinterwäldler eben und ein Landei aber ich fühlte mich immer gut wenn eine schöne Frau in meiner Nähe war.

  Das Verhältnis zwischen Frau Peier, der Wohnungsvermieterin meiner Mutter, und mir war auch gut und sie freute sich immer, wenn sie mit mir einen Schwatz halten konnte. Sie konnte mit meiner Mutter über kirchliche Angelegenheiten stundenlang diskutieren und ab und zu besuchten die beiden Frauen auch gemeinsam den Gottesdienst. Sie hatten schon ganz abgewetzte Knie von der Kirchenbank.

Frau Peier war erstens nicht mehr die Jüngste und zweitens kränklich. Wie krank sie war ahnten wir allerdings nicht. Die Arme litt an offener Tuberkulose, was ich aber erst später erfuhr. Das hatte zur Folge, dass eines Morgens sehr früh, ich lag noch im Bett, im unteren Stockwerk ein lautes Rumpeln zu hören war. Beim Frühstück teilte mir meine Mutter mit, dass Frau Peier eben in der Nacht verstorben sei und dass das Rumpeln vom Herumschieben des Sarges herrührte. Ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde kam und desinfizierte die ganze Wohnung. Wir mussten auch zum Arzt und uns kontrollieren lassen. Zum guten Glück hatten wir nichts abbekommen und wir waren ja auch geimpft gegen TBC. Frau Schleusener, ihre Schwester, die sie schon seit ein paar Tagen gepflegt hatte, liess keine unnötige Zeit verstreichen und begann sofort den Besitzstand ihrer Schwester in „brauchbar“  und  „nicht brauchbar“ einzuteilen, wobei bereits einige der guten Stücke wie von Geisterhand im Nichts verschwanden bevor der Beamte vom Erbschaftsamt das Inventar aufnehmen konnte. Bald traf auch der Rest der Verwandten ein und es ging zu wie auf dem Flohmarkt. Allen, die den Film „Alexis Sorbas“ mit Anthony Quinn gesehen haben, kann ich nur bestätigen, die Darstellungen sind nicht übertrieben. Und ein gut gemeinter Rat an alle Leser, gebt Euer Geld aus, solange ihr noch lebt und etwas davon habt, denn nach euerm Tod kratzen sich die Verwandten und Erben gegenseitig die Augen aus bis alles verteilt ist.

Gott sei Dank hat Frau Peier schriftlich festgehalten, dass meine Mutter das Haus für einen anständigen Betrag erhalten sollte und so war die Angelegenheit mit unserer Hausbank schnell geregelt, denn für diese war die Summe ein Taschengeld.

 Früher gab es ja die Möglichkeit, dass man sich mit Hilfe eines Ablasses in den Himmel einkaufen konnte. Daran hat sich scheinbar bis heute nichts geändert, denn mit Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass von den achtzigtausend Franken für den Hauskauf, sechzigtausend Franken direkt an die Kirchgemeinde zu zahlen waren. Die Gebühr für die letzte Ölung allein kann es ja wohl nicht gewesen sein und so war es mir schnell klar, wieso der Herr im schwarzen Rock, fälschlicherweise Pfarrer statt Dieb genannt, Frau Peier so oft besuchte um ihr den Himmel näher zu bringen. Es war wohl eher eine Art moralische Erpressung. Nun ja, jeder kann natürlich selber entscheiden, ob er in den Himmel will oder nicht. Alles hat seinen Preis, wie es scheint, so  auch der Eintritt in das Reich Gottes. Sollte ich mal irrtümlicherweise im Himmel landen, glaube ich aber kaum, dass ich dort einen Pfarrer dieser Glaubensgemeinschaft antreffen werde.

Nun heute, viel später, wird mir so manches klarer. Das Haus meiner Tante Sofie (sie war nicht wirklich meine Tante) wanderte auch plötzlich in den Besitz der Kirchgemeinde, obwohl die Tante, die alleinstehend war, mir oft versprochen hatte, das ich ihr Haus nach ihrem Tod bekommen werde.

Nachdem mein Tantchen ein bisschen an Demenz erkrankte, wurden ihre Finanzen von der Gemeinde und vom Pfarrer schnellstens geregelt, natürlich zu Gunsten der Kirchgemeinde. Als ich meine Mutter fragte, wo meine Tante nun sei, bekam ich zur Antwort „Man hat sie versorgt“. Heute sehe ich das anders:

„amtlich ausgeraubt und weggesperrt“ und so verstarb sie auch kurz darauf, mutterseelenallein und unbeachtet im Altersheim noch bevor ich sie dort besuchen konnte. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Gemeinde und der Pfarrer meine Tante Sofie noch in der gleichen Nacht entsorgt hätten, um ja allen dummen Fragen, die noch hätten kommen können, aus dem Weg zu gehen.

Das Haus ging also postwendend an die Kirchgemeinde und so ist die katholische Mafia erneut wieder einmal zum Ziel gelangt. So gab es in Trimbach  weiterhin eine Kirche für die Armen, denen reichlich Trost gespendet wurde und eine Kirche für die Reichen, die wie bis anhin das Geld scheffelten. Es ist ja nicht so, dass ich auf das Haus besonders scharf gewesen wäre, nein, was mich ärgert sind Ungerechtigkeiten von Leuten, die behaupten Gott zu vertreten. Oder stiehlt Gott etwa...?

Nachdem nun das Haus meiner Mutter gehörte, fand ich es  an der Zeit, selbiges ein bisschen zu renovieren. Da eine reguläre Firma für eine Renovation aus Kostengründen nicht in Frage kam, fragten wir ein bisschen bei unseren Bekannten herum. Auf der Suche nach einem Maler wurden wir auch bald fündig und bekamen eine Telefonnummer. Nachdem ich mich am gleichen Abend telefonisch angemeldet hatte, fuhr ich am nächsten Abend mit meinem alten Volkswagen ins „Ausserdorf“ und klingelte bei einem ein bisschen in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhaus, an dessen Klingel Sepp Hürzeler stand. Als die Türe geöffnet wurde stieg ich in den vierten Stock hinauf. Ich klingelte nochmals an der Wohnungstüre und eine Frau mit rabenschwarzen Haaren und Knopfaugen öffnete die Türe. Sie war nicht gross, aber so breit wie hoch und ihre Brüste waren sehr bemerkenswert. Sie waren so gross, dass sie damit zwei Männer gleichzeitig hätte erschlagen können. Hinter ihr erschien ein kleines mageres Männchen. Der Unterschied zwischen den beiden hätte nicht grotesker sein können. Sie erinnerten mich sofort an Laurel und Hardy. Nun, das Männchen war seines Zeichens Maler, ein grosses Schlitzohr und Universalgenie mit Namen Sepp, wie sich später herausstellte.

Sein Bruder, kein Haar besser, hatte immer Ärger mit der Polizei und verkaufte fleissig Fernsehgeräte, die irgendwo beim Transport „verloren“ gingen und auch andere Gerätschaften, die in einem grossen Radio- und Fernsehgeschäft eben so sinnlos herumlagen. Ich sage es nicht gerne, aber auch ich profitierte mehrere Male von seinen guten Diensten, indem er mir günstige Fernsehgeräte und Radios für meine Privatkunden besorgte, denn damit war ich preislich konkurrenzlos.

Frau Hürzeler sah aus, wie man sich eine Putzfrau vorstellt und sie war auch eine. Ihre Umgangssprache war nicht die feinste, aber sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck, obwohl sie nichts zu lachen hatte. Ihr Mann hatte einen Unfall mit dem Moped erlitten, konnte einen Arm nicht ordentlich bewegen und lebte so recht und schlecht vom Malen, von Schwarzarbeiten und von einer Teilinvalidenrente, um die er immer wieder von neuem kämpfen musste. Die beiden hatten vier Kinder. Der jüngste Sohn war schwer mongoloid und verbrachte die meiste Zeit in einem Heim. Wenn er zu Hause war, sass er in einer Stubenecke und zerriss Zeitungen in kleine Teile. Der ältere Sohn war geistig auch ein bisschen behindert, hatte Hodenkrebs und konnte nicht gut sprechen, schuld war der Hausarzt. Die Geburt dieses Sohnes fand unvorhergesehen im Badezimmer statt. Obwohl der Hausarzt rechtzeitig  gerufen wurde und dieser keinen langen Weg zurücklegen musste, fand er wohl, dass es nicht so eilig wäre, kam eine Stunde zu spät  und so bekam das Neugeborene, weil die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt war, ein bisschen zu lange keinen Sauerstoff für sein Gehirn. Ich als Vater des Kindes hätte den Arzt wahrscheinlich umgebracht oder wenigstens verklagt. Die beiden Töchter, beide im Teenageralter, waren mehr oder weniger gesund, wenn man von Rückenproblemen der älteren Tochter absah. Trotz all dieser Schicksalsschläge waren die Hürzelers eigentlich immer gut drauf und gaben sich mit ihren Kindern ab, wo und wann auch immer es gerade ging. Nie habe ich erlebt, dass eins der Kinder je ausgeschlossen wurde. Ich habe mit der Familie samstags oder sonntags oft stundenlang Karten gespielt. So lernte ich Sepp immer besser kennen und wir trafen uns oft bei ihm zu Hause. Wir spielten Karte oder Eile mit Weile und ich fühlte mich bald als Teil der Familie. Noch etwas lernte ich bei Sepp kennen: „Kaffee fertig“ das ist Kaffee mit Apfelschnaps und Zucker. Sepp hatte immer einen grossen Verbrauch an Apfelschnaps und so wusste ich immer, was ich ihm schenken konnte. Nun, Sepp handelte auch mit allem, was ihm in die Finger kam und verdiente sich so nebenbei auch ein paar Franken.

Sepp Hürzeler und ich waren uns bald einig, dass wir die Renovation gemeinsam durchführen wollten und so begannen wir bald drauf mit den Arbeiten. Da Sepp ja noch für eine Firma arbeitete und ich ebenfalls, konnten wir nur am Abend und am Wochenende arbeiten.

Zuerst riss ich die gesamte elektrische Installation aus Mutters Haus heraus, entfernte alle sichtbaren Leitungen und fräste Schlitze für Unterputzleitungen. Dann riss ich die beiden alten Küchen heraus und meine Mutter bestellte eine kleine, aber neue für sich. Die Gasheizung war noch in Ordnung und nachdem ich alle Leitungen neu verlegt hatte und Sepp die Schlitze wieder zugegipst hatte, bleichten wir noch die alten Eichenholzböden mit einem Gemisch aus Wasserstoffperoxid und Salmiak. Wir mussten alle zwei Minuten an die frische Luft, so plagte uns das Chemiegemisch in Augen und Nase. Anschliessend imprägnierten wir die schneeweissen Böden und versiegelten sie. Nun kam Sepp wieder zum Zug. Von oben bis unten malte er das ganze Haus innen frisch, belegte die Wände mit einem hellen Kunststoffputz, so dass wir das Gefühl hatten, es sei wieder wie neu. Ich sorgte für reichlich Bier und Kaffee mit dem nötigen Zusatz in Form von Apfelschnaps.

Wie gesagt, Sepp hatte einen enormen Verbrauch von Apfelschnaps und so kam ich auf die glorreiche Idee diesen selbst herzustellen.

Ich hatte ja mal bei der Fa. Sandoz im Lehrlabor gearbeitet und destillieren war für mich kein Fremdwort. Ich besorgte mir also in meiner Firma zwei gebrauchte Plastikfässer, die waren gereinigt und wurden günstig angeboten. Zu Hause putzte ich diese nochmals gründlich mit Seifenwasser und liess sie trocknen. Mit Sepp holten wir bei einem Bauern hundert Kilogramm Fallobst und füllten es in das Fässchen. Sepp brachte ein grosses elektrisches Rührwerk, das er zum Mischen von Mauerputz verwendete. Damit zerkleinerten und zermantschten wir die Äpfel direkt im Fass. Anschliessend deckten wir das Fass zu und verschlossen es. Nun hiess es warten. Bald begann es im Fass zu blubbern. Ich hatte vorsichtshalber zur Gärhefe noch ein paar Kilogramm Zucker hinzugegeben, um den Alkoholgehalt zu steigern. Nach vier oder fünf  Wochen hörte das Blubbern auf und es roch im Keller schon  wie in einer Schnapsbrennerei. Eines Nachts, ich lag im Bett aber ich schlief noch nicht, gab es einen riesen Knall. Er kam aus Richtung des Kellers. Ich ging barfuss in den Keller und als ich dort ankam, gefiel mir gar nicht was ich sah. Der Überdruck in meinem Schnapsfass hatte den Deckel weggesprengt und der grösste Teil des  zuckerhaltigen Inhaltes klebte  an der Kellerdecke, den Wänden und dem Fussboden.  Um es kurz zu sagen, es war eine Riesensauerei. Alles Putzen half nichts und ich musste mit Sepp den Keller frisch streichen.

Entmutigen liessen wir uns aber nicht von dieser Panne, Lehrgeld muss schliesslich jeder bezahlen. Schon in der darauffolgenden Woche befüllten wir das Fass neu und bohrten ein paar Löchlein in den Deckel um allenfalls den Druck abzulassen. Alles funktionierte wunderbar und das Fass blieb diesmal ganz. Als es im Fass nicht mehr blubberte überlegten wir uns, wie wir  die Suppe in dem Fass brennen könnten. Ich wusste ja noch von meiner Laborantenzeit wie man eine Destillation macht und so „besorgte“ ich aus meiner Firma einen Glaskühler mit Thermometer, einen Gummischlauch  und einen Gummizapfen mit Loch. In Mutters Küche borgte ich mir den grossen Dampfkochtopf und entfernte das Ventil vom Deckel. Dort steckte ich den Gummizapfen mit dem Loch hinein und in das Loch kamen das Steigrohr und der Glaskühler, den ich mit dem Wasserhahn verband. Ich füllte den Topf zur Hälfte mit der „Apfelsuppe“, stellte ihn auf den Kochherd und begann langsam zu heizen. Als der Thermometer bei 75 Grad stand, begann es am Ausgang des Kühlers langsam zu tröpfeln, der Vorlauf kam und ich fing ihn auf. Anschliessend stellte ich die Temperatur höher und der Apfelschnaps begann zu fliessen. Ich destillierte meinen ganzen Vorrat und am nächsten Morgen hatte ich acht Liter feinsten Apfelschnaps. Ich musste natürlich die ganze Geschichte Sepp weitererzählen und dieser war so begeistert, dass er auch brennen wollte. Da er schliesslich mein Freund war, lieh ich ihm die Einrichtung und vergass die ganze Geschichte ein wenig.

Zufällig traf ich Sepp ein paar Wochen später wieder und fragte ihn: „Wie  geht’s?“. Nun, er schien mir ein bisschen verändert und er meinte müsse die Küche neu streichen und Ärger mit der Frau hätte er auch und zwar nicht zu knapp. Er erzählte mir seine ganze Leidensgeschichte. Wie gesagt, er wollte auch Schnaps brennen. Er machte auch alles so, wie ich es ihm beigebracht hatte, nur …. Sepp hatte eben keinen Elektroherd wie ich, sondern einen Gasherd und eben auf diesem  liess er seine Destillation laufen. Als die ganze Sache so richtig am Kochen und Dampfen war, muss aus einem Leck heisser Alkoholdampf ausgetreten sein. Es gab eine riesige Stichflamme, Sepp wurde leicht flambiert und die ganze Einrichtung flog ihm um die Ohren. Die Küche war hinüber, seine Augenbrauen und auch der Vorderteil seiner Haare fehlten ebenfalls.

Merke: wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe. Nun, die Arbeit mit der Renovation war getan und wir sahen uns leider nur noch selten und verloren uns ein bisschen aus den Augen, wie das halt so geht.......aber die Vorsehung sollte uns später wieder zusammenführen.