Die besseren Leute studieren und lernen Latein

 

Es lief mir gut und nicht gut in der Primarschule. Ich hatte nicht viele Freunde aber um so mehr Neider. Denn obwohl ich es eigentlich nicht wollte, war ich scheinbar ein Streber und ein Grübler. Vor allem ein Grübler der alles hinterfragt. Eigentlich habe ich nur das Bedürfnis gehabt, alles mehr oder weniger perfekt zu machen. Dass dies nicht gut gehen kann sagte man mir leider erst später. Wenn man in der Schulklasse bei den besten mithalten kann, macht man sich vor allem die weniger fleissigen zum Feind. Das sind leider aber oft wie schon gesagt die, welche mit reichlich Muskeln gesegnet sind, sich im Sport hervor tun und ein grosses Maul haben. Das bekam ich des öfteren auch eindrücklich und schmerzhaft zu spüren. Dass ich keinen Vater habe, welcher mich beschützt, hat schnell die Runde gemacht. Und wenn ich wieder mal eine Tracht Prügel bezog, konnte ich wohl nicht drohen mit ....das sag ich meiner Mutter, ohne hämisches Gelächter zu ernten.

 Nun, die Frage....was willst du denn einmal werden....wurde mir immer öfter gestellt und ich hatte eigentlich keine Ahnung. Ich wollte fischen, Fahrrad fahren, durch den Wald streifen und meine Katze streicheln.

Bei einem Familienfest wurde wieder einmal beratschlagt, was man mit mir Nichtsnutz und Träumer machen soll am Ende dieses Schuljahres. Ich zählte alle Berufe auf welche mir bekannt waren oder auch nicht so genau bekannt waren, aber es kam nichts Brauchbares dabei heraus. Onkel Eduard als Handwerker vertrat eher die praktische Seite und Onkel Arnold ...der Studierte.... machte mir die Vorzüge eines Studiums klar, was mir denn auch einleuchtete. Mein Freund, Walti Dobler, seine Eltern besassen in Olten ein wirklich grosses Schreibwarengeschäft und eine riesige Villa am Dürrenberg in Trimbach, wohlverstanden mit Dienstmädchen, war scheinbar auch zu höherem berufen. Unsere Mütter steckten neuerdings nach der Kirche oft die Köpfe zusammen und mir schwante dabei nichts Gutes. Es war ein ungleiches Duo diese beiden Mütter. Die von Walti war reichlich mit irdischen Gütern gesegnet, also steinreich, meine dagegen repräsentierte das andere Ende der Skala. Nicht gerade mausarm aber wir hatten nicht viel, nicht einmal Schulden.

Ich sollte wieder einmal recht behalten mit meinen unheilschwangeren Vorahnungen. Beim nächsten Sonntagsbraten wurde mir erklärt, dass Frau Dobler Walti und mich für die Aufnahmeprüfung am Progymnasium in Olten angemeldet hätte. Meine Freude hielt sich in engen Grenzen denn ich hasse Veränderungen aller Art obwohl ich kein Authist bin. Nach zwei Wochen, also am Freitag fuhren wir also mit dem Fahrrad von Trimbach nach Olten zum Gymnasium. Ein bedrohlich wirkender,  leicht angeschwärzter klotziger Bau erwartete uns. Das Gebäude sah aus wie eine alte mufflige Kaserne und so roch es auch. Es war Gott sei Dank alles beschildert, so dass selbst zwei Landeier wie wir den Weg ins Prüfungszimmer fanden. Wir wurden getrennt und jeder Prüfling musste sich allein in eine Schulbank setzen. Das war total fies, denn so konnte ich überhaupt nichts abschreiben beim Nachbarn.

Ich schrieb ein dofes Diktat bei dem der Lehrer fast erstickte, so genau nahm er es mit der Aussprache, wahrscheinlich hatte er anschliessend den Kieferkrampf. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt. Ein Aufsatz folgte und sonst noch ein paar Schikanen an welche ich mich Gott sei Dank nicht mehr so genau erinnere. Als der Stress nach vier Stunden zu Ende war radelten wir wieder nach Hause. „Wie ist es gelaufen“, fragte meine Mutter ganz nervös. Ich aber meinte, ich hätte keine Ahnung, worauf wir zur Tagesordnung übergingen. Nein, nicht ganz. Bestanden oder nicht bestanden, das war die Frage welche mich nun täglich verfolgte, sogar des Nachts. Auch Schulkameraden fragten mich immer wieder, wie es gewesen sei. Uuuunheimlich schwierig, sagte ich natürlich, um im Ansehen ein gewaltiges Stück empor zu steigen. Nun, die Prüfungsresultate wurden an unsere Schule geschickt und somit war auch der Lehrer ziemlich gespannt. Er meinte, dass es der Intelligenzbolzen Walti schafft, das war uns allen klar. Aber ich kleines, armes Würstchen...

Vier Wochen später, an einem trüben Morgen, trat der Oberlehrer mit einem Brief in der Hand ins Klassenzimmer. Seid mal still, rief er, es ist so weit. Ich hielt die Luft an. Also, meinte er nach einer kurzen Pause......der Walter hat es leider nicht geschafft. Betretenes Schweigen und mein Freund Walter sah aus, als wäre ihm das Butterbrot auf den Boden gefallen, die Butter nach unten natürlich. Nun ist es für uns also schlecht gelaufen, denke ich.........aber der Stefan hat die Prüfung bestanden und zwar mit einem Glanzresultat. Ich stand da, wie vom Blitz getroffen und gleich darauf war im Klassenzummer die Hölle los,

denn eher kommt der Teufel in den Himmel als ein doofes Landei wie ich ins Gymnasium nach Olten..... sagte man. Alle wollten mir gratulieren und ich fühlte mich wie bei einem Staatsempfang.

Somit war bewiesen dass reich nicht zwangsläufig intelligent heissen muss. Ich versuchte meinen Freund zu trösten so gut es ging aber es wollte mir nicht so recht gelingen. Nicht einmal meine Luftpistole welche ich bei ihm zu Hause versteckt hatte, wollte er haben und ich hatte doch extra meiner Oma das Geld geklaut um sie zu kaufen. Die Schulferien standen vor der Türe und von meiner Mutter erfuhr ich eines Tages so nebenbei, dass Walter weg sei. Seine Mutter hatte ihn in ein Internat verfrachtet, nun, Geld hatten sie ja im Ueberfluss. Nicht so wie meine Mutter, welche immer alles gut zusammenhalten musste. Das war übrigens auch ein Ansporn für mich um zu studieren. Ich malte mir aus dass ich, wenn ich studiert hätte, sicher viel Geld verdienen würde. Ich würde meiner Mutter ein schönes Haus und ein Auto und weiss noch was alles kaufen, was man sich eben so zusammenträumt als Habenichts.

Die Schulferien gingen langsam zu Ende, wie immer, viel zu schnell für mich. Um meine bevorstehenden Lerntätigkeiten zu unterstützen schenkte mir Onkel Arnold eine tolle Ledermappe wohl in der Hoffnung ich würde mich beim Lernen nun doppelt anstrengen was ich mir auch ernsthaft vornahm. Dass das Problem nicht die Ledermappe war, welche weder etwas von Latein noch von Mathematik verstand, sollte ich bald merken.

Der erste Tag am Progymnasium war nicht besonders anstrengend. Wir wurden in Klassen eingeteilt und uns wurden die Lehrer (entschuldigung, die Professoren) vorgestellt, mit welchen wir es zu tun hatten in Zukunft.

Da waren schon ein paar spezielle Typen dabei, fand ich. Aber von was hatte ich denn schon eine Ahnung.

Aber auweiha, schon in der ersten Mathematikstunde wurde mir schnell klar dass ich mich nicht mehr in einer Dorfschule befand wo ich mich mühelos an der Spitze halten konnte. Ich war hier nicht mehr der beste unter vielen Dummen wie vorher, sondern einer der Dümmsten unter all den Guten. Dank unserem blöden Schulsystem waren mir die andern um etwa ein Jahr voraus und das hiess, ich musste mich furchtbar anstrengen um auch nur einigermassen mithalten zu können und zu verstehen um was es überhaupt jeweils ging. Es sollte noch schlimmer kommen. Anderntags am Nachmittag, am Vormittag war Turnen angesagt, auch nicht gerade mein liebstes Fach, aber danach begann der Lateinunterricht. Der Lehrer, pardon, der Professor, erzählte uns von den alten Römern, was ich ausserordentlich interessant fand. Damit hatte es sich aber nicht, denn anschliessend erklärte er und die Grundzüge der lateinischen Grammatik und da begannen nun schon die Probleme. In Olten an der Schule wurde im Deutschunterricht eine andere Nomenklatur verwendet als auf dem Land bei uns. Sie verwendeten Nominativ, Genetiv, Dativ..... und so weiter, wir hatten den Werfall,Wesfall und anstelle des Futurums die Zukunft verwendet. Es lebe die Schweizerische Freiheit und der Kantönligeist. Nun, ich versuchte mich umzustellen aber bis ich das Zeug in meinem Kopf passend transformiert hatte war der Herr Professor mit seinem Latein schon am Ende und ich hatte eigentlich von allem mehr oder weniger nichts mitbekommen. Es war auf gut deutsch gesagt eine totale Scheisse. War ich vorher mit Freude von der Schule nach Hause gegangen um das neu gelernte zu vertiefen und danach auf meinem heiss geliebten Klavier eine oder zwei Stunden zu klimpern, oder ein spannendes Buch zu lesen, so schlich ich mich nun Tag für Tag frustriert nach Hause um dofe lateinische Vokabeln zu büffeln und an der lateinischen Grammatik herumzuwerkeln, von der ich eigentlich gar nichts verstand und auch nichts mitbekam. Es blieb natürlich nicht lange verborgen wie es um mein Latein stand. Meine Prüfungsblätter sahen aus, als hätte ich sie mit Rotstift geschrieben aber das war ja nur die Korrektur vom Herrn Professor. Ich bekam langsam Depressionen. Ich war nicht das einzige Landei am Gymnasium welches mit Deutsch und Latein Probleme hatte. Also liess uns der Herr Professor jeden freien Mittwochnachmittag zwei Stunden nachsitzen um die neue Nomenklatur und die Grammatik mit uns zu üben. Das war ja sehr nett vom Professor, eigentlich, aber die wenige Freizeit die wir sowieso nur noch hatten, wurde uns nochmals gekürzt was nicht unbedingt zur allgemeinen Hebung der Moral beitrug. Ich wurde für etwas bestraft wofür ich nichts konnte. Wir verstanden den Professor immer noch nicht und der Professor verstand uns nicht, er konnte sich nicht vorstellen dass man mit so einfachen Grundlagen Probleme haben kann aber wir hatten diese einfachen Grundlagen nun einmal eben nicht. Ich verstehe es heute auch nicht....aber eben, heute ist heute. So muss es beim Turmbau zu Babel gewesen sein als jeder den andern nicht mehr verstand. Es kam wie es kommen musste, einer nach dem andern meiner Leidensgenossen vom Land warf das Handtuch und verliess das Gymnasium. Ich seuchte mich weiter durch und Onkel Arnold versuchte, mir den fehlenden Stoff einzutrichtern aber er war wohl ein hervorragender Theoretiker aber ein oberlausiger Lehrer. Er war ja auch nur Samstags und jeweils Sonntag zum Sonntagsbraten anwesend und so endete auch diese Situation mit einem Patt, zumal ihm auch die Nerven für das Lehramt fehlten und er schnell ausrastete wenn ich etwas seiner Meinung nach Logisches nicht gleich kapierte. Das Schicksal ereilte somit auch mich nach einem knappen Jahr und ich gab offiziell bekannt, dass es für mich zu Ende war. Ich konnte einfach nicht mehr und sah in der ganzen Mühe auch keinen Sinn mehr. Es war mir nun lieber unter den schlechteren Schülern wieder der Beste zu sein als unter den Besten einer der schlechtesten und immer hinten anstehen zu müssen. Das eben erhaltene Zeugnis war eine Katastrophe, nicht einmal im Singen hatte ich eine gute Note, aber nur weil ich viel zu viele Hemmungen hatte alleine vor meinen Klassenkameraden vorzusingen, denn später habe ich es in der Musik ziemlich weit gebracht, konnte ich doch mit meinem Klavierlehrer ohne weiteres auf zwei Klavieren eine Mozartkonzert spielen , auch ein paar eigene Blues habe ich geschrieben, welche gar nicht so schlecht tönten.

Meine Musiklehrerin erwog schon früh, mich am Konservatorium in Basel anzumelden da ich gute Fortschritte auf dem Klavier machte und mit der Musik ein wesentlich besseres Verhältnis hatte als mit dem Latein. Ich war aber dagegen und bedankte mich. Ich war sicher nicht schlecht auf dem Klavier aber eben nur nicht schlecht. Ich wollte am Konservatorium nicht wieder ein kleiner Fisch in einem Fischschwarm sein. Ich besuchte meinen alten Primaroberlehrer, klagte ihm mein Leid und ich durfte zurück in das letzte Semester der sechsten Klasse um mich auf die Prüfung in die Bezirksschule vorzubereiten, was ich auch mit viel Freude wieder tat. Eines war sicher, schlimmer als es im Gymnasium gewesen war konnte es nicht mehr werden und so war es auch. Hundertachzig Schüler machten die Prüfung, vierundvierzig wurden aufgenommen und ich war wieder bei den vordersten. Wer sagt es denn, es geht doch.

Diese Schule war gut, genau was ich brauchte. Sie war mehr auf Technik ausgerichtet als das Gymnasium. Ich musste Französisch lernen aber da meine meine Mutter perfekt französich sprach, war das kein wirkliches Problem ausser dass ich meistens zu faul war die Vokabeln zu lernen. Mein Zeugnis war dem entsprechend. Daneben gab es Chemie, Physik, Geometrie, Algebra und was eben sonst noch dazu gehörte wie auch das dofe Turnen.

Die Lehrer waren alle sehr nett bis auf einen, Edi Lutz. Ein richtiger Militärkopf, Hauptmann in der Armee und ein totaler Psychopath und Dreinschläger. Er brüllte nur in der Gegend herum und schlug bei jeder Gelegenheit drein, ob Mädchen oder Bube, da gab es schon die Gleichberechtigung, ein richtiges Arschloch und eine Schweinebacke die alle fürchteten, leider auch die Eltern. Ein oder zwei mal lief auch ich ihm ins Gärnchen und es setzte eine Tracht Prügel ab. Ansonsten war er eine faule Sau, ich kann es nicht anders sagen. Sein Standardsatz zu Beginn der Schulstunde war....wir nehmen die Biebel....und er holte jeweils ein dickes gebundenes Buch unter seinem Pult hervor.

Nun, die legendäre Biebel war die Summe aller Schulhefte seiner Unterrichtsstunden eines Jahres. Ende des Jahres wurden unsere Hefte eingesammelt und fein säuberlich als Buch gebunden. Nun, alle drei Jahre begann das Spielchen von vorne und so musste Edi nie etwas vorbereiten, solange er, und das tat es immer, seine Biebel benutzte.

Die drei Jahre vergingen aber doch wie im Flug. Ich war nicht mehr der beste der Klasse aber gar nicht schlecht. Seit dem Physikunterricht wollte ich unbedingt Physiker werden. Die Maturitätsprufung, besser gesagt die Aufnahmeprüfung für die Kantonsschule in Aarau stand vor der Türe. Obwohl diese jedermann zugänglich war wie ich im Nachhinein erfuhr, bestimmte der Oberlehrer Edi Lutz wer an die Prüfung zu gehen hatte. Das ging ganz einfach. Du und du und du und du....sagte er sieben mal, das wars dann. Ich war leider nicht dabei obwohl ich mir heute sicher bin, dass ich die Prüfung geschafft hätte. Ich hatte eine Mordswut im Bauch aber weder meine Onkels noch meine Mutter trauten sich, dem Tyrannen zu wiedersprechen und ihm eimal den Tarif zu erklären. Heute würde ich ihn kurzerhand auslachen und mich selber anmelden aber was nun?

Ich sass mein letztes Jahr auch noch ab in der Bezirkschule und die Zeit verging im Flug. Als das Jahr vorüber war, ich hatte es gut gemeistert und bekam ein gutes Zeugnis, war es nun an der Zeit dass ich mich für eine Lehrstelle umsah. Gleichzeitig suchte ich eine Gelegenheit um meine maroden Finanzen aufzubessern. Ich wusste, dass meine Mutter nicht im Geld schwamm und es war mir deshalb unangenehm immer Sonderzahlungen für mein karges Taschengeld zu fordern.

Elektrizität hat mich schon immer fasziniert seit ich einen tüchtigen Schlag vom Transformator meiner Eisenbahn erhalten hatte. Das Arbeitsgebiet war also klar.

Als erstes ging ich zur Redaktion des „Oltener Tagblatts“ und liess ein Inserat drucken mit dem Wortlaut „ ICH repariere alles, wobei das Wort ICH  ganz gross und fett erschien, so dass man es überhaupt nicht übersehen konnte.

Ich hatte weder Berufserfahrung noch eine grosse Ahnung von dem, was ich zu tun gedachte, aber ich hatte nun wenigstens eine eigene „ Firma“ und somit war mein vorrangiges Ziel erreicht. Ich besorgte mir einschlägige Fachliteratur und bildete mich selber weiter. Ein bisschen.....das meiste was in den Büchern stand verstand ich sowieso nicht oder ich konnte es nicht gebrauchen.

Ich kannte da ein kleines Fernseh- und Radiogeschäft in Trimbach welches viele alte und gebrauchte Fernseher am Lager hatten, eben Ladenhüter und Occasionen. Mit dem Besitzer des Geschäftes war ich bald einig, so dass er mir seine alten Fernseher und Radios für wenig Geld verkaufte. Ich schleppte also jeweils ein oder zwei der alten Kisten nach Hause und richtete mich im alten Pferdestall des Bauernhauses ein. Ich entstaubte die Fernseher innen und aussen, putzte und schmierte den Tuner mit Spray, tauschte defekte Röhren aus und brachte so etwa dreiviertel der Geräte wieder zum laufen. Aus dem Rest machte ich Ersatzmaterial. Ich zerlegte die Geräte und verwahrte die Komponenten sorgsam in passenden Schachteln.

 Ich machte einen Anschlag am Bauernhaus BILLIGE FERNSEHER OCCASION. Es war die Zeit der Gastarbeiter aus Italien, das heisst Goldgräberzeit und mein Verkauf lief gar nicht schlecht. Ich kaufte die Fernseher für 50 Franken und verkaufte sie wieder für 120 Franken, so blieb immer ein bisschen etwas hängen. Inzwischen meldeten sich auch schon die ersten Kunden auf meine Inserate und man brachte mir Radios, Fernseher, Plattenspieler, Staubsauger und vieles mehr zur Reparatur. Eben alles was man heute fortwerfen würde wenn es nicht mehr läuft. Das Geschäft lief gut und Geld verdiente ich auch ein bisschen. Ich war mir nicht zu fein und reparierte eben alles was man mir brachte, auch Staubsauger und Kaffeemühlen. Ich war damals ein Schlitzohr und zog die Kunden ab und zu über den Tisch um meinen Umsatz zu verbessern. Kunden die meinten mich plagen und hetzen zu müssen bezahlten das teuer. Da konnte ich dann schon sagen es handle sich um eine sehr komplizierte Reparatur obwohl ich nur eine Sicherung ersetzen musste und verlangte jeweils einen von mir aus gesehen unverschämten Betrag. Für junge Leute welche ihren Radio oder ihr Tonbandgerät wieder haben wollten arbeitete ich aber ab und zu auch umsonst wenn sie knapp bei Kasse waren. Langsam kam ich in Zeitnot und hatte arge Lieferzeiten. Ich war nun schon ziemlich gut im reparieren aber die ganze Sache verleidete mir langsam.

Auf ein „lukratives“ Nebeneinkommen wollte ich allerdings nicht verzichten und so überlegte ich mir krampfhaft wo ich ein neues Betätigungsfeld finden könnte. Ich war inzwischen achtzehn Jahre alt geworden, bestritt die Autofahrprüfung und kaufte mir einen alten Volkswagen, den mit der geteilten Rückscheibe, von meinem Lehrlingslohn. Einen kleineren Kredit musste ich noch bei meiner Mutter aufnehmen. Als ich die erste Panne hatte, den Vergaser aber selber reparieren, sprich reinigen, konnte, viel es mir wie Schuppen von den Augen. Autohandel war meine Zukunft.

Ich pilgerte zu meinem Gebrauchtwagenhändler und bearbeitete ihn, bis er ja sagte. Er war auch ein Schlitzohr und arbeitete seit Jahren an der Steuer vorbei und sparte somit zehntausende von Franken. Von nun an durfte er mir die alten Schwarten verkaufen gegen Schwarzgeld und sparte so fünfundzwanzig Prozent Steuern.

Meine Pferdewerkstatt war nun Autoreparaturwekstatt. Ich kaufte die Autos billig und schlug beim Verkauf ein paar Hunderter drauf. Mein Nachbar war Automechaniker und half mir manchmal gegen Bezahlung bei den Reparaturen. Er war auch nicht auf Rosen gebettet und freute sich wenn er nebenbei etwas verdienen konnte. Da ich nur Autos kaufte welche noch liefen, beschränkte sich die Arbeit meistens aufs putzen und Ersatzteile wechseln welche ich auf dem Autoabbruch besorgte. Garantie gab es bei meinen Autos keine. Auf der Rechnung stand immer „......wie gesehen und gefahren“. Ich wunderte mich, wie man leicht viel Geld verdienen kann wenn man nicht zu faul zum arbeiten ist. Dieses Geschäft betrieb ich auch noch während meiner halben Ausbildungszeit bis ich mit DEVATRONIK ein neues Kapitel schrieb.