Ferien an der Adria                                                                                                 

 

Für meine geplagte Mutter ist das Leben auch weiterhin kein Zuckerschlecken. Sie hat viel Arbeit im Geschäft und fährt über Mittag mit dem Fahrrad nach Hause, damit wir alle gemeinsam essen können und das bei fast jedem Wetter. Im Winter fährt sie mit dem Autobus von Trimbach nach Olten zur Arbeit. Es ist der Zeitpunkt gekommen, um eine längere Pause zu machen, mit anderen Worten, Ferien sind angesagt.

Trotz ihrer missglückten Ehe mit meinem Vater schwärmt meine Mutter noch immer für Italien, das heisst, wohl eher für die Italiener. Mein Vater ist schliesslich auch einer halber, wenn auch mit einem Schweizer Pass dessen Farbe allerdings noch nicht ganz trocken ist. Ich bin noch zu klein, um zu realisieren was alles zu Ferien dazu gehört, aber ich verfolge interessiert die Reisevorbereitungen meiner Mutter und sehe mit Neugier wie sie den grossen alten Koffer packt und die voluminöse Reisetasche mit, von mir aus gesehen, unnötigen Sachen vollstopft. Eines Samstags ist es dann so weit und Onkel Eduard begleitet uns zum Bahnhof mit unserem kleinen Leiterwagen in dem unser Gepäck Platz gefunden hat. Der kleine Leiterwagen ist eigentlich unser Ersatz für ein Auto und wird von uns für alle möglichen Transporte benutzt. Er hat eisenbeschlagene Holzräder und macht beim Fahren einen Heidenlärm. Er kann leider nicht Treppen steigen und so machen wir, beim Bahnhof Olten angekommen, einen kleinen Umweg an den Veloständern vorbei zum Durchgang für die Lieferwagen und überqueren so die Geleise. Plötzlich stehen wir mitten im Bahnhof mit all seinen fremdartigen Geräuschen, dem Zischen der abfahrenden Dampfloks, dem Lärm der Trillerpfeife des Bahnhofvorstehers und dem rhythmischen Klopfen der Räder von ankommenden und abfahrenden Zügen. Interessiert höre ich die Ansagen aus den zwei Lautsprechern.....soeben eingefahren ist der Schnellzug von Bern, weiter nach Basel, Endstation...... und andere Ansagen die ich nicht verstehe.

Unser Schnellzug steht schon bereit und ist mit Reisenden schon gut besetzt aber Onkel Edi arbeitet ja bei der Bahn und hat für uns zwei Fensterplätze reserviert. Es sind viele Italiener zugestiegen, mit und ohne Familie, am meisten aber ohne. Fast alles Gastarbeiter, die wie jedes Jahr in den Ferien heimreisen um ihre Familien wieder einmal zu sehen. Es muss schon hart sein, in der Fremde zu schuften nur um ein bisschen Geld nach Hause schicken zu können. Eine ihrer Unterkünfte habe ich einmal in meiner Nachbarschaft gesehen, wohlbemerkt auch bei einer Italienerfamilie Namens Berlani. Diese lieben, gastfreundlichen Leute haben einfach den Keller und die Garage mit Dachlatten in Verschläge von drei mal drei Meter unterteilt. Es hätte wohl höchstens einem Schwein in einem solchen Verschlag gut gefallen. Die Berlanis verdienten sich eine goldene Nase mit dieser Massenhaltung (nein natürlich nicht mit Schweinen...mit Italienern). Da soll noch jemand sagen wir seien nicht gastfreundlich und nett zu unseren Fremdarbeitern gewesen.

Im Zug herrscht ein strenger Geruch, ich würde heute sagen es war ein Gemisch aus Gerüchen von Salami, Mortadella, Käse und ungewaschenen Füssen, wobei die ungewaschenen Füsse eindeutig vorherrschten. Unser Abteil beherbergte ausser mir und meiner Mutter noch zwei Italiener und eine Italienerin, die sofort mit meiner Mutter zu reden anfing. Ich verstand kein Wort, aber meine Mutter spricht ja ausser Deutsch wie schon erwähnt noch fliessend Italienisch, Französisch und Englisch, denn sie ist ein ausgesprochenes Sprachtalent was sie leider zur damaligen Zeit nicht gebührend nutzen konnte.

Nachdem der Koffer im schmalen Gang vor der Türe verstaut war, nahmen wir am Fenster Platz. Mit einem Ruck setzte sich auf einmal der Zug in Bewegung und die Reise begann. Erstes Ziel war Luzern und dann  ging es Richtung Gotthardtunnel. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, machte sich schon ein grosser Teil der Reisenden daran, ihre Verpflegung auszupacken, denn Reisen macht hungrig. Angesichts der vielen Salami, Mortadella, Schinken, Käse, Brot und Wein war mir klar, dass ich bis ans Ende der Reise keinen Hunger leiden musste und da die Italiener bekanntlich sehr kinderliebend sind wurde ich, der Bambino, dauernd gefüttert bis ich fast kotzen musste und einfach nichts mehr herunter brachte. Ich sah zum Fenster hinaus, wie die Landschaft vorbei sauste und hatte meine helle Freude, denn für mich war das alles neu und aufregend; so eine weite Reise hatte ich noch nie gemacht. Mein persönlicher Rekord war von Olten nach Sissach zu Mutters Freundin, reine Fahrtzeit mit der Dampflok zwanzig Minuten.

Es dauerte eine lange Zeit dann wurde die Landschaft um uns herum immer hügeliger und plötzlich fuhren wir durch eine Berglandschaft wie ich sie schöner noch nie gesehen hatte. Mit einem Mal fuhren wir in einen Tunnel hinein, der nicht mehr zu enden wollen schien. Ab und zu wurde es wieder für eine Sekunde hell, wenn ein in den Fels gehauenes Fenster vorbei huschte. Danach war es wieder finster und nur ein paar alten Funzeln an der Wagendecke war es zu verdanken, dass wir noch ein bisschen etwas sahen. Mutter erklärte mir, dass das der Gotthardtunnel sei, der längste Eisenbahntunnel in Europa. Mir sagte das nicht viel, denn für mich war alles lang was länger als zwanzig Meter war und mit Europa stellte ich mir vor, dass darin etwa die Hälfte der Welt enthalten sei, mindestens. Von Zeit zu Zeit sah ich wieder Tageslicht durch ein Loch in der Tunnelwand. Ab und zu wurde ein Fenster geöffnet, um eine abgebrannte Toscani oder Brissago hinauszuwerfen, aber im Grossen und Ganzen war dieser Teil der Reise eine eher dunkle und stinkige Angelegenheit. In Airolo wurde es wieder hell und es war merklich wärmer geworden. Wieder verging eine Weile und ich sah ein Schild auf dem Domodossola stand. Unser Zug hielt an und wurde ein paar Mal hin und her geschoben, was ich doch recht seltsam fand.

Als sich der Zug wieder in der gewohnten Richtung in Bewegung setzte, kamen zwei Männer mit grünen Uniformen durch den Gang gelaufen und öffneten die Türe des Abteils. An den Pistolen die sie am Gürtel trugen konnten es wohl keine Schaffner sein, denn die kannte ich schon. Mit strengem Blick musterten sie unser Gepäck und von meiner Mutter verlangten sie ein Büchlein welches ihre und meine Fotografie enthielt. Für mich unverständlich, aber scheinbar zufrieden gingen sie weiter. Ich fragte meine Mutter wer das gewesen sei und sie meinte, das sei der Zoll, besser gesagt zwei Zöllner, die die Grenze zwischen der Schweiz und Italien bewachen würden und übrigens wären wir jetzt bereits in Italien. Ich verstand das mit den Zöllnern nicht, denn wer sollte schon eine Grenze klauen......Rimini wir kommen.

Wir fuhren an unzähligen Dörfern, Städten und Bahnhöfen vorbei in Richtung Poebene.

Es wurde nun immer wärmer, je länger wir fuhren und ich bestaunte die fremdartige Landschaft, flach, mit vielen Bäumen und Sträuchern und dazwischen hineingestreut kleine niedliche weisse Häuschen mit teilweise blauen und auch andersfarbigen Türen und Fensterläden. Wir fuhren schliesslich an Rimini vorbei und nach einer weiteren Stunde trafen wir im Bahnhof Riccione ein. Dort erwartete uns bereits das Taxi. Es glich zwar mehr einem kleinen Gartenhäuschen mit integriertem Motorrad, als einem Auto. Ein Mann, wie sich herausstellte der Besitzer des dreirädrigen Autos, nahm uns nach einem längeren Palaver, von dem ich wieder kein Wort verstand in Empfang, indem er unseren Koffer auf die kleine Ladebrücke des Wagens warf und  hiess uns vorne einzusteigen. In halsbrecherischen Manövern fuhr er durch das Städtchen Riccione und ich sah schon, hurra, von weitem das Meer. Vor einem niedrigen Gebäude hielten wir plötzlich an. An der Hausmauer hing ein Schild mit der Aufschrift „ Pensione Albergo Petrucci“. Der gute Signore half uns, das Gepäck ins Zimmer zu schleppen und verschwand danach wieder mit einem Wortschwall, von dem ich wiederum kein Wort verstand, was mich nervte. Ich beschloss, italienisch zu lernen.

Wir haben uns in der Pension schnell eingewöhnt. Die nette Besitzerin, die Signora, war gleichzeitig die Köchin und was für eine. Mir schmeckte es jedenfalls immer hervorragend und meiner Mutter ebenfalls. Es gab viele Teigwaren, die Mama nannte sie Pasta, dazu Fische, gebratene Hühner, feine Tomatensossen und mir unbekanntes aber wohlschmeckendes Gemüse. Nach dem Essen gab es immer Eis, hier heisst es Gelato und war von der Firma Motta, so stand es wenigstens auf der Verpackung.

Der Tagesablauf war fast immer derselbe. Am Morgen aufstehen, frühstücken, Badehosen anziehen und ab an den nahe gelegenen Strand. Es waren viele Badegäste da und der Sand war fein wie Mehl. Man musste nur aufpassen, dass man von dem Zeugs nichts in die Augen bekam, sonst brannte es höllisch. Auch Seeigel wuchsen vereinzelt an den Steinen im Wasser und hier war Vorsicht geboten, dass man nicht  mit den nackten Füssen auf einen trat, was mir aber bald passierte. Die Stacheln brachen sofort ab und es war absolut kein Vergnügen, als mir die Mutter die Stachelreste mit Nadel und Pinzette aus der linken Ferse grübelte.

Mit gemischten Gefühlen stellte ich fest, dass schon die ersten Italiener, sprich Casanovas, bemerkt hatten, dass wir ohne männliche Begleitung unterwegs waren und so kam es dazu, dass immer mehr kontaktfreudige Anwärter um meine Mutter herumschwirrten, wie Motten um das Licht.

Wo immer wir auch waren,  ich hatte das Gefühl, auf meine Mutter aufpassen zu müssen. Ich wachte eifersüchtig über ihren Tagesablauf.

Trotzdem ich versuchte, mich gegenüber fremden Männern von meiner schlechtesten Seite zu zeigen, schaffte es einer der Schwirrlinge uns einzuladen. Da wohl der schnellste Weg zur Mutter immer über das Kind führt, durfte ich ein kleines Spielkasino besuchen, für mich absolutes Neuland. Es gab Flipperkästen, Maschinengewehre mit denen man auf Flugzeuge schiessen konnte und allerhand mehr. Da Giuseppe, so hiess der neue Verehrer meiner Mutter, mit ihr alleine an einem der kleinen Tischchen, die ungeordnet herum standen, Kaffee trinken wollte, kaufte er mir eine Handvoll Spielchips, mit denen ich mich in der Spielhölle selbstständig bewegen und an den diversen Vergnügungskästen bezahlen konnte. Ich flipperte, schoss auf Flugzeuge und Luftballons. Ich war zwar noch klein, aber keineswegs blöd. In meiner Eifersucht hatte ich bald herausgefunden, wo ich am meisten Chips brauchte und dort liess ich mich auch häuslich nieder. Mir war egal, dass der Lauf meines Pseudomaschinengewehrs langsam zu glühen begann. Ich schoss in den Himmel auf die bösen Flugzeuge was das Zeug hielt und mit dem Munitionsvorrat schwand auch schnell der Vorrat an Chips. Somit war ich Gott sei Dank gezwungen, alle paar Minuten an den Tisch zurückzukehren, wo Giuseppe mit meiner Mutter sass und Süssholz raspelte. Ich verlangte dauernd mehr Chips und störte dabei das traute Zusammensein so gut es ging. Giuseppe traute sich nicht zu knurren und kam meinen Wünschen mit verkniffenem süsslich- saurem Gesichtsausdruck nach. Nach einer Stunde hatte ich das Gefühl, dass Giuseppe langsam pleite war, denn unvermittelt machte er den Vorschlag, das Lokal zu wechseln um anderswo Eis zu essen. Mir war’s recht, Hauptsache, er konnte mich nicht von meiner Mutter trennen. Das Schicksal nun nahm seinen Lauf (für Giuseppe). Als es Zeit war zum Nachtessen, wollte er sich mit meiner Mutter für den Abend verabreden. Sie aber machte ihm klar, dass sie mich nicht allein lassen konnte und mich als Konkurrenten mitzunehmen, dazu war ihm wohl die Lust vergangen und damit ging diese Runde an mich.

Die Ferien waren inzwischen fast zu Ende. Ich hatte schnell ein paar Freunde gefunden mit denen ich täglich im warmen Wasser herumschwaderte und Sandburgen baute. Schwimmen konnte ich ja dank der Vorsicht meiner Grossmutter noch nicht. Mit dem Sand liessen sich schöne Burgen, ja ganze Städtchen mit Seelein bauen, sofern man ihn anfeuchtete und schneller als die Flut war. Es gab auch einen Bootsverleih und wir mieteten ein Tretboot. Ich genoss es, einmal wie ein richtiger Kapitän am Steuer zu drehen und das Tretboot gehorchte mir sofort. Das Vergnügen dauerte leider nur eine Stunde, dann mussten wir das Boot wieder abgeben, also plantschten wir im niedrigen Wasser herum und meine Mutter ermahnte mich immer wieder, nicht zu weit ins offene Meer hinaus zu waten. Das war auch nicht meine Absicht, denn dass ich nicht schwimmen konnte wusste ich selber am besten. Ich versuchte es zwar immer wieder, doch meine angeborene Angst war grösser und sobald mir Salzwasser in die Augen kam war das Limit erreicht. So lief ich vergnügt im Wasser herum das mir kaum bis zu den Knien reichte und sammelte Muscheln und Schneckenhäuschen die ich als Andenken mit nach Hause nehmen wollte.

Es war furchtbar heiss an diesem Tag und so gedachte ich, den Wasserstand an meinen Knien in eigener Regie zu ändern. Ich wanderte ganz vorsichtig, Schritt für Schritt in Richtung weite Welt, besser gesagt offenes Meer und oh Wunder, dass Wasser wurde nicht tiefer sondern der Wasserstand sank. Je weiter meerwärts ich lief, umso mehr sank der Wasserpegel. Ich verstand die Welt nicht mehr aber von fern hörte ich meine Mutter rufen ich solle zurückkommen. Ich drehte mich also folgsam um und sah erstaunt, dass derStrand schon ein gutes Stück von mir entfernt war, ein sehr gutes Stück könnte man sagen. Es wurde mir nun doch ein bisschen mulmig und so entschloss ich mich, unverzüglich den Rückweg anzutreten. Ich drehte mich um und wollte Richtung Strand gehen, allerdings blieb es bei meinem guten Vorsatz. Das Wasser stieg nun stetig an und es wurde tief und tiefer, also ging ich wieder ein paar Meter zurück. Ich versuchte nun einen Ausweg zu finden indem ich die Flucht in eine andere Richtung ausprobierte, aber ein Misserfolg nach dem andern war die Folge. Ich fühlte mich wie ein Tier in der Falle und begann aus Leibeskräften zu schreien. Meine Mutter hatte das Gebrüll geortet und pflügte sich schwimmend durch das Wasser in meine Richtung. Sie war inzwischen bis auf etwa dreissig Meter an mich herangekommen, da geschah etwas Seltsames. Der Sand unter meinen Füssen begann sich zu bewegen und ich fühlte wie er durch meine Zehen rann, als ob ich in einem Bach stehen würde. Ich begann langsam zu sinken und brüllte wie am Spiess. Meine Mutter merkte nun, dass zwischen uns ein tiefer Graben sein musste und sie begann schneller zu paddeln. Ich konnte ja nicht schwimmen und war obendrein starr vor Schrecken, bis die Adria über mir zusammenschlug.

Plötzlich befand ich mich in einer anderen Welt. Um mich herum war alles grünlich- blau und ich bewegte mich zwischen Wasserpflanzen. Das alles sah interessant aus aber erstens hatte ich panische Angst und zweitens braucht der Mensch ab und zu Luft zum Atmen, wie ich recht schnell herausfand. Ich ruderte mit meinen Armen wie verrückt und so kam ich wieder an die Oberfläche und konnte kurz Luft schnappen, aber nur um gleich wieder unterzugehen denn es kam mir nicht in den Sinn, Schwimmbewegungen zu machen. Inzwischen hatte mich meine Mutter erreicht, versuchte mich ebenfalls über Wasser zu halten und schrie auch aus Leibeskräften ...aiuto...aiuto... was auf italienisch.....Hilfe......Hilfe heisst. Derweilen ging ich weiter auf und ab im Wasser wie ein vollgesogener Korkzapfen und war froh, ab und zu wieder eine Nase voll Luft zu bekommen. Das halbe Meer befand sich bereits in meinem Magen und in meinem Gehirn wurde alles langsamer. Ich hörte unsere Kirchenglocken von zu Hause läuten und vor meinem inneren Auge sah ich als Film mein bisheriges, wenn auch kurzes Leben  vorbeiziehen und mir war klar, dass ich jetzt wohl sterben würde. Schmerzen verspürte ich aber keine, es war mehr als würde ich langsam in eine andere Welt hinüberwechseln.

Der Film war jäh zu Ende als mich eine kräftige Hand im Genick packte und mich mit einem Ruck in ein Boot, besser gesagt in eine offene Barke zog. Ich sah meine Mutter, die ebenfalls durch die Hilfe eines kräftigen Italieners ins Boot robbte.  Halb hustend, halb kotzend versuchte ich den Ozean, der sich in meinem Magen angesammelt hatte wieder dorthin zu befördern, wohin er eigentlich hin gehörte.

Also was war passiert....

Am Strand gab es, gut verteilt, mehrere Holztürmchen, auf denen Mitarbeiter vom Rettungsdienst Ausschau hielten und auf Idioten wie mich aufpassten. Gott sei Dank hatte uns einer derselben in unserer misslichen Lage gesichtet, war zum Boot gerannt und hatte uns herausgefischt, wohlbemerkt in letzter Minute.

Ich war die Sensation des Tages und die Strandbewohner, die mitbekommen hatten wie ich oder besser gesagt wir gerettet wurden, brachten mir Eis, Kekse und sonst noch allerhand Sachen. Mir war aber so schlecht vom geschluckten Salzwasser. Ich wollte nur noch nach Hause, beziehungsweise zurück in das Albergo.

Als die Mama vom Albergo die Horrorgeschichte vernahm rannte sie sofort kreischend auf mich zu, drückte mich und wollte wissen was ich denn gerne als Abendessen hätte. Da ich meinen Schock überwunden hatte, liess ich ihr durch meine Mutter als Dolmetscherin eine ansehnliche Liste übermitteln und so nahm der Tag noch ein angenehmes Ende.

Alle Ferien gehen einmal zu Ende...leider. So packten wir also wieder, braungebrannt, vollgegessen mit Pasta, Hühnchen und Eis, unseren alten Koffer und Mutters Reisetasche, in die sie auch ihre neu erstandenen italienischen Luxusschuhe verstaute.

Wir verabschiedeten uns von der Mama Signora, die uns noch mit Reiseproviant versorgte, welcher locker für zwei Wochen gereicht hätte. Der gute Signore brachte uns mit Hilfe seines Dreibeinferraris wieder zum Bahnhof und wir verabschiedeten uns, nicht ohne wehmütig nochmals Richtung Meer zu blicken. Die Heimreise verlief relativ unspektakulär, ausser dass meine Mutter vom Zoll gefilzt wurde. Auf die Frage ob sie etwas zu verzollen hätte meinte sie vehement ....nein nein und wurde rot wie eine überreife Tomate. Ich glaube es war ein bisschen zu eifrig und der Zöllner schöpfte Verdacht. Sie musste den Koffer öffnen und für die gekauften Luxusschuhe gehörig Strafzoll bezahlen. Und ich hatte wieder etwas gelernt. Wenn schon lügen dann geschickt.

Abgesehen von der Episode mit dem Zoll verlief die weitere Fahrt ruhig, nur dass meine gesammelten Seeigel in meiner Umhängetasche begannen, einen bestialischen Gestank zu verbreiten. Aber was solls.... Andenken ist Andenken.